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Schiller gibt zwiespältiges Gastspiel in der Leipziger Arena

Klanggewaltige Routine Schiller gibt zwiespältiges Gastspiel in der Leipziger Arena

Gigantomanie trifft Realität: Mit seinem aktuellen Programm will Schiller beim Auftritt in der Leipziger Arena die perfekte Symbiose aus Klang und Licht bieten. Trotz der professionellen Präsentation enttäuscht der Auftritt am Ende jedoch mit zu viel Routine – und einer unglücklichen Strukturierung.

Viel Licht, viel Schatten: Schiller bei seinem Auftritt in der Leipziger Arena.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig, .

Letztere macht sich auch beim Leipziger Gastspiel von Christopher von Deylens Projekt Schiller in der Arena breit. Die vollmundig angekündigte „atemberaubende Reise aus Licht und Klang“ entpuppt sich nach knapp zwei Stunden als streckenweise erschreckend schwaches Rauschen im musikalischen Blätterwald.

Kopf schlägt Herz

Dabei verspricht zum punktgenauen Start um 20 Uhr zunächst alles einen gelungenen Abend: Große Bühne, gigantische Lichttraverse, satter Sound, eingespielte Live-Band, knapp 3500 gespannte Besucher in der vollbestuhlten Halle – die Grundzutaten sind vorhanden.

Allein, es harmoniert nicht. Der angepriesene Surroundklang verkommt im vorderen Hallendrittel zum Stereo-Imitat, zu viel Frontsound nimmt den sphärischen Klängen viel Volumen, statt im Klang zu versinken wird der Zuhörer von der Soundgewalt streckenweise förmlich erschlagen. Bedauerlich, wenn man bedenkt, dass von Deylens Klangwelten vor allem von den sanft-schwebenden Synthieflächen leben. Die Lichtshow schwankt parallel dazu konstant zwischen begeisternd-atmosphärischen Untermalungen und gleißend-überstrahlter Hektik, die talentierte Band wird nur selten von der Leine gelassen – wenn, dann aber umso effektiver. Auch bei der Set-Zusammenstellung hat von Deylen am Donnerstagabend kein glückliches Händchen: Fast eine Stunde dauert es, bis man sich bekannteren Klängen nähert. Zu lange, um auch den letzten Besucher von sich einzunehmen. Bis dahin ist viel instrumentales Füllwerk zu beklatschen – mal mehr, mal weniger enthusiastisch.

Bestandsverwaltung statt Mut zum Risiko

Als dann mit „Ein schöner Tag“ die Tür zum frühen Schaffen weit aufgestoßen wird, sind zwei Drittel des Abends bereits absolviert. Dennoch: Jetzt wird das Publikum mitgerissen, der Applaus lauter, die Tänzerdichte im Auditorium höher – bevor mit der unsäglich seichten Ballade „For You“ der Spannungsbogen zum Finale erneut gebrochen wird.

So präsentiert sich Schiller im Jahr 2016 weniger als innovativ-mitreißender Künstler und vielmehr als akribischer Bestandsverwalter in eigener Sache, scheut das Risiko, präsentiert Elektro für Bürokaufleute. Kreative Ausbrüche aus bekannten Mustern wie noch mit „Symphonia“ bleiben an diesem Abend indes Mangelware. Schade.

Von Bastian Fischer

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