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Schiller im Gewandhaus: Harmonie-Trip mit Dröhnen und Vogelgezwitscher

Schiller im Gewandhaus: Harmonie-Trip mit Dröhnen und Vogelgezwitscher

"Danke Leipzig für einen phänomenalen, traumhaften Abend. Wir sind sprachlos", heißt es am Morgen nach dem Tour-Konzert "Elektronik Pur Neue Klangwelten" auf der Homepage Christopher von Deylens.

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Wabern und Dröhnen: Das Gesamtkunstwerk Schiller mit Christopher von Deylen gastierte im Gewandhaus.

Quelle: André Kempner

Mit dem Musikprojekt Schiller ist der 43-Jährige im großen Saal des Gewandhauses am Dienstagabend in eine träumerische Atmosphäre abgetaucht.

Die wahrlich schillernde Lichtshow fügte sich mit wabernden Synthesizer-Klängen zum Arrangement für einen Gedankenausflug. Von Deylen, sichtlich angetan von der Stimmung im Publikum, tritt mit seinen Musikern Martin Roberts, zuständig für Synthesizer und Bass-Syntheziser, sowie Cliff Hewitt - enthusiastisch am Schlagzeug zu Gange - zurückhaltend und ohne Allüren auf.

Seit der Gründung Schillers 1998 durch Elektro-Komponist von Deylen und Mirko von Schlieffen entstanden acht Alben. Dazu gehört auch die vor kurzem veröffentlichte Platte mit dem Titel "Opus", die umgehend auf Platz 1 der deutschen Pop-Charts landete. Neben den neuen, von Klassik geprägten Songs spielen Schiller im Gewandhaus auch alte Nummern wie den Hit "Ein schöner Tag", der von einer Arie aus Puccinis Oper "Madama Butterfly" inspiriert wurde. Das Publikum dankt mit Jubelstürmen.

Melodisch bewegt sich Schiller an diesem Abend gefällig im Spektrum der Möglichkeiten, die die vielen Synthesizer bieten. Da tröpfelt Roberts aus dem Bass-Synthesizer kleine Tonschrittfolgen, ein donnerndes, basslastiges Dröhnen lässt den Boden des Gewandhaus-Saales vibrieren. Darüber hinweg setzen sich hallende, glockengleiche Melodieparts, die von Deylen im Takt wippend auf der Klaviatur des Synthesizer einspielt. Sie sind das Markenzeichen Schillers und schlagen immer wieder eine Brücke zum Bandnamen, der auf Friedrich Schillers "Lied von der Glocke" verweist. Parallel dazu entsendet Hewitt vom Elektro-Schlagzeug mit Effekten verfremdete Drums, die den Klang dynamisieren. Durch den Rundum-Sound schleichen sich die Töne hin und wieder von hinten an oder seitlich am Hörer vorbei, und für einen Moment klingt es, als könnte man den Flügelschlag hunderter Vögel hören. So zum Beispiel in der Elektro-Version von Tschaikowskis "Schwanensee".

Die Harmonie überwiegt, kein Störgeräusch sorgt für ein Aufhorchen, die Gedankenreise verläuft ohne Hindernisse. Zu selten gewinnen die Rhythmen an Fahrt oder mischen sich doppeldeutige Klänge unter die friedlichen, ausgeglichenen Lieder. Nur einmal verschwimmt Glockengeläut mit Vogelgezwitscher, und ein tiefes Ein-und Ausatmen erinnert an das Rauschen des Meeres. Ein Harmonietrip, den das Publikum mit Standing-Ovations noch ausdehnt. Melanie Schröder

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.10.2013

Melanie Schröder

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