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Schlichte Schönheit, lauter Pop: Sonderausstellungen im Grassimuseum

Keramik Schlichte Schönheit, lauter Pop: Sonderausstellungen im Grassimuseum

Zwei neue Sonderausstellungen im Grassimuseum für Angewandte Kunst setzen ab Sonnabend auf Kontraste. Es geht um frühchinesische Keramik und die implementierte Mini-Schau „Furtwängler goes Underground“.

Die implementierte Mini-Schau „Furtwängler goes Underground“ ist auf das eventorientierte Publikum der Museumsnacht hin ausgerichtet.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es ist ein Glücksfall für das Grassimuseum für Angewandte Kunst und die Stadt. Die Bestände des Museums wachsen wieder einmal durch eine großzügige Schenkung an. Die Zahl der Exponate wie auch deren Wert sind dabei eher Nebensächlichkeiten, ergänzt doch die Sammlung Meurer hervorragend das Vorhandene. Schon der erste Direktor des Neubaus am Johannisplatz, Richard Graul, wies 1929 auf die Bedeutung der altasiatischen Keramik für das kunsthandwerkliche Schaffen der damals noch jungen Moderne hin. Über viele Jahrzehnte aber gab es kaum Zuwachs in diesem Bereich des Fundus.

Zwei neue Sonderausstellungen im Grassimuseum für Angewandte Kunst setzen ab Sonnabend auf Kontraste. Es geht um frühchinesische Keramik und die implementierte Mini-Schau „Furtwängler goes Underground“.

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Heribert Meurer, ein aus dem Rheinland stammender Stuttgarter Kunsthistoriker, fing in den 1970er Jahren wie so viele Zeitgenossen mit dem Sammeln aktueller Keramik an, entdeckte aber bald interessante Parallelen zu Objekten, die nicht nur Jahrhunderte, sondern teils Jahrtausende älter sind. Anders als die meisten Sammler ließ er sich aber nicht vom persönlichen Geschmack leiten, sondern strebte mit solidem Fachwissen eine chronologische Vollständigkeit an. Gerade diese Qualität macht die Schenkung des Wahlschwaben für das Grassimuseum besonders wertvoll.

Ein Glücksfall

Die ältesten Stücke sind über 3000 Jahre alt. Erstaunlich daran sind nicht nur die ersten Versuche mit Glasuren und die sehr frühe Verwendung von Drehscheiben, sondern auch die ausschließliche Verwendung als Grabbeigaben. Erst in der Tang-Dynastie vom 7. bis 10. Jahrhundert wurde Keramik zur Alltagsware. Diese Periode, in Europa nicht gerade von Aufbruch gekennzeichnet, brachte viele kulturelle und technologische Neuerungen mit sich. Das erste Porzellan, wenn auch noch nicht weiß, datiert aus jener Zeit.

Die Ausstellung verdeutlicht einerseits die Weiterentwicklung der Brennmethoden und Glasuren, zeigt aber andererseits eine erstaunliche Kontinuität im Formempfinden. Stilistische Moden lassen sich am ehesten an figürlichen Darstellungen oder Gebrauchsgegenständen wie Kopfstützen erkennen. Die Gefäße sind aber zum größten Teil von einer überzeugend harmonischen Schlichtheit, verbunden mit effektvoller Oberflächenbehandlung. Diese Eigenschaften waren es wohl, die europäische Künstler und Handwerker seit dem späten 19. Jahrhundert inspirierten.

Ein besonderer kuratorischer Einfall ist es, den historischen Objekten moderne unterzumischen, die von namhaften Gestaltern verschiedener Länder stammen. Ignoriert man die Beschilderung, ist es Experten vorbehalten, diese „Fälschungen“ herauszufinden. Viele der uralten chinesischen und teils auch koreanischen Keramiken könnte man sich gut im Laden um die Ecke vorstellen, so zeitgemäß wirken sie. Der Begriff Fortschritt wird hier auf die Probe gestellt. Bei genauerer Beschäftigung ist er allerdings in der Fertigungstechnik erkennbar. Das hauchdünne, durchscheinende Porzellan beispielsweise bedurfte langwieriger Versuche und Erfahrungen.

„Furtwängler goes Underground“

Ein krasser Kontrast ist die implementierte Mini-Schau „Furtwängler goes Underground“, die auf das eventorientierte Publikum der Museumsnacht hin ausgerichtet ist. Der bekannte Buchgestalter Felix Martin Furtwängler stellt ein großformatiges und poppiges Buchobjekt vor, in dem man ohne Stoffhandschuhe blättern kann. Das vorangestellte Jimi-Hendrix-Zitat „Die ganze Welt ist ein großer Gag“ darf man wörtlich nehmen.

Im kleinen Raum nebenan wird es laut. Zu psychedelischem Rock schwirren bunte Muster über die Wände, an denen bemalte Schallplatten hängen. Wer eine Pause von diesem elfstündigen Gesamtkunstwerk braucht, findet garantiert Erholung in der Betrachtung einer jadegrünen Seladonschale aus der Song-Dynastie und wird deren meditative Ausstrahlung noch mehr schätzen.

Frühchinesische Keramik. Die Sammlung Heribert Meurer: bis 14. Oktober. Furtwängler goes Underground: bis 28. Mai; geöffnet Di–So 10–18 Uhr; Grassimuseum für Angewandte Kunst Leipzig, Johannisplatz 5–11

Jens Kassner

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