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Schmerzstillstand - Neues Pfeffermühlen-Programm bietet "Sister Act" statt Kabarett

Schmerzstillstand - Neues Pfeffermühlen-Programm bietet "Sister Act" statt Kabarett

Alleinstellungsmerkmale schafft die Produktion schon vor der Premiere. "Die Schwestern" klotzt mit Programmheft in einer Medikamentenschachtel samt Beipackzettel.

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Ausflug ins Publikum: Manja Kloss, Jacqueline Boulanger, Franziska Schneider und Sabine Töpfer (v. l.) sind "Die Schwestern".

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Und mit der ungewöhnlichen Vier-Frauen-Besetzung. Nach dem Schlussapplaus in der Pfeffermühle am Mittwoch darf der Superlativ "gesangsstärkstes Kabarettprogramm der Stadt" addiert werden.

In der Etikettierung allerdings liegt schon das erste von vielen Problemen: Mit Kabarett hat das, was zur allgemeinen Zuschauerbegeisterung im Krankenschwesterzimmer wuselt, alarmierend wenig zu tun.

Dabei drohen dem Besucher laut Packungsbeilage Nebenwirkungen wie Bürgerwut und gesteigerte Politikverdrossenheit. Das deutet auf messerscharfes Sezieren aktueller Ungesundheiten hin, und Vorlagen gibt's wie Bakterien in der Luft: das umstrittene Gesundheitswesen, Tricks der Pharmaindustrie, Pflegenotstand, das Geschäft mit der Gesellschafts-Vergreisung. Dass nichts davon eine Rolle spielt, muss man erst mal hinbekommen. Die Autoren Arnulf Rating und Thomas Köller haben das scheinbar Unmögliche geschafft.

Dieser Notstand offenbart sich zunächst nicht, als die allesamt sehr präsenten und mit fantastischen Gesangsstimmen ausgestatteten Darstellerinnen um Aufmerksamkeit drängeln. Franziska Schneider, Manja Kloss, Sabine Töpfer (vom Ensemble der Musikalischen Komödie) und Jacqueline Boulanger flirten oder agitieren sich durch die Sitzreihen und präsentieren ihre Klinik stewardessenhaft als Wellness-Oase. Mit dem ersten A-cappella-Song setzen sie ein Achtungszeichen - auch inhaltlich, dank der spritzigen Texte des Schwarze-Grütze-Duos Stefan Klucke und Dirk Pursche.

Was folgt, ist Chaos, beabsichtigtes wie ungewolltes. Die Klinik ist pleite, den Krankenschwestern droht der Jobverlust. Hektisch und irrlichternd spielen die Damen Rettungsmöglichkeiten durch, gelegentlich huscht ein renitenter Patient von rechts nach links. Dazwischen fabelhafter Gesang, bei dem sich die Künstlerinnen selbst via Keyboard, Horn oder Gitarre begleiten.

Negativ verblüfft, wie wenig in den Spielmöglichkeiten variiert wird, wie viel Potenzial liegen bleibt. Nach 35 Minuten liefert Schneider das erste Solo. Es bleibt das einzige. Dialoge - komplette Fehlanzeige. Die Vorgänge in der Klinik aus Patienten-Perspektive - nicht vorhanden. Die Autoren setzen fast ausschließlich auf die Viererkette. Das verschleißt sich bald, nervt bei allzu viel Geschnatter gar.

Anders als im vorigen Mühlen-Stück "Glaube, Liebe, Selbstanzeige" fehlt politisches Sticheln hier komplett. Im bloßen Erwähnen von Erdogan oder Mehdorn steckt ebenso wenig Satire wie im Lamento eines frustrierten FDP-Mitglieds. Wohlig weh tut nichts, die Zeichen stehen auf Schmerzstillstand. Stattdessen wagt man die Überlegung, Merkel eine neue Frisur zu verpassen. Bei einer derart schwachen Vorlage gelingt auch einem so renommierten Regisseur wie Hans Holzbecher (Kommödchen, Jochen Busse) nur die Mangelverwaltung; das weiblich Schrille dreht er gar noch weiter auf, und aus den dünnen Vorlagen sind keine schlüssige Typen mit Eigenheiten entstanden; eine Krankenschwester ist wie die andere.

Weil die Klinik finalement als Zentrum für Musiktherapie firmieren soll, mutiert das Programm durch Gesangshäppchen und Medleys endgültig zum "Sister Act". Während die begeisterten Zuschauer im Saal die Stimmwunder feiern, fällt backstage der Patient namens Kabarett im Koma. Gute Besserung. Mark Daniel

iNächste Vorstellungen 17. und 18. März, 20 Uhr; Kartentelefon 0341 9603196.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.02.2014

Mark Daniel

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