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Schneeflockiger Nonsens: Theater der Jungen Welt spielt Shakespeares „Wintermärchen“

Premiere Schneeflockiger Nonsens: Theater der Jungen Welt spielt Shakespeares „Wintermärchen“

Am Sonntag hatte im rappelvollen Theater der Jungen Welt „Das Wintermärchen“ seine Premiere. Dramaturgin Winnie Karnofka hat Franz Fühmanns Prosafassung des Shakespeare-Stücks für die Bühne zurückübersetzt. Und Jürgen Zielinski inszeniert das Ganze als heitere Familienunterhaltung.

Jürgen Zielinskis Shakespeare-Adaption gelingt in ihrer Albernheit vor allem dank eines wunderbar spielenden Ensembles.

Quelle: Tom Schulze/TdJW

Leipzig. Shakespeare ist immer auch ein Lackmustest fürs Theater. Gibt es doch in wirklich jedem seiner Stücke schlicht großartige Szenen, auf die man bei den jeweiligen Inszenierungen geradezu vorfreudig gespannt wartet – und sei es auch nur, um zu sehen, auf welchem Niveau man dieses Mal auf der Bühne daran scheitern wird. Am Sonntag nun hatte im rappelvollen Theater der Jungen Welt „Das Wintermärchen“ seine Premiere. Und zwar in einer Fassung, die versucht mit Hilfe von Franz Fühmanns berühmter Prosabearbeitung des Stückes Shakespeare zu inszenieren, ohne allzu viel Shakespeare inszenieren zu müssen.

Die also versucht, die kindgerechte Prosaadaption der bestenfalls bedingt kinderkompatiblen Theaterdichtung in eine Spielfassung zurückzuübersetzen, die ihrerseits alles bedient, was man sich von einem anständigen Weihnachtsstück an einer Kinder- und Jugendbühne erwarten darf. Womit dieses „Wintermärchen“ dezidiert eins nach (!) Fühmann und Shakespeare ist. Eins, das von Dramaturgin Winnie Karnofka für die Bühne bearbeitet und von Intendant Jürgen Zielinski inszeniert wurde. Auf oben erwähnte Szenen wartet man freilich dennoch völlig zurecht.

Und eine davon ist natürlich die, in der Hofrat Antigonus an der allseits berühmten böhmischen Küste von einem Bären gejagt und gefressen wird. Dass hier nun das Gestade eben kein böhmisches, sondern das irgendeines „Nordlandes“ ist, mag dabei dem Bildungsauftrag des TdJW geschuldet und somit verzeihlich sein. Dass dann aber Antigonus nicht vom Bären gefressen wird, man also auf einen, wenn auch makaberen, so doch amüsanten Theatergaudi verzichtet hat, ist da schon heikler. Und symptomatisch.

Beschwingte Albernheit

Nicht, dass diese Inszenierung keinen Gaudi bietet. Auch wenn sie doch eine erstaunliche Weile braucht, ihren Rhythmus zu finden: Seit Kindertagen sind Polux (König des Nordlandes) und Leontes (König des Südlandes) ein Herz und eine Seele. Und doch verhindert das nicht, dass sich Seele und Herz bei Leontes verfinstern. In einem bitterbösen Anfall Eifersucht, ob der Leontes seine schwangere Frau Hermione der Liebschaft zu Polux bezichtigt. Es ist ein Wahn, der alles zerstört, was Leontes lieb und teuer ist und der dann auch bald vor seiner neugeborenen Tochter Perdita nicht Halt macht. Gottlob flieht Antigonus mit der dann übers Meer gen Norden, legt wie gehabt das Baby am Strand ab – und wird dann eben nicht vom Bären gefressen.

Symptomatisch nun ist das auch insofern, als dass die gesamte Inszenierung alles, was das Stück an dunklen (und das heißt auch schwarzhumorigen) Schlagschatten innehat, weitgehend im gleichmäßigen Licht heiterer Familienunterhaltung wegblendet. Was fatal ist, wenn etwa Leontes selbst im Wahnsinn noch in Badeanzug und mit Schwimmflossen den lustigen Doofkopf in seinem von Kronenzacken gleich einer Gartenparzelle umfriedeten Reich (Bühne, Kostüme: Mathias Rümler) mimen muss.

Aber dann überraschenderweise just aufgeht, wenn der Bär um sein Mahl gebracht wird. Denn auch das nämlich ist symptomatisch: Wie witzig man sich hier um so manches herum mogelt. Etwa eben um das Ende Antigonus’, dem man eine herrlich abstruse Lebens-Alternative schenkt, die jetzt natürlich nicht verraten wird. Nur so viel: Die Inszenierung hat spätestens hier ihren Rhythmus gefunden. Es ist der einer beschwingten Albernheit, eines schneeflockigen Nonsens. Den man sich leisten kann, wenn man ein Schauspielerensemble hat, das derlei spielen kann. Was hier fraglos gegeben ist.

„Das Wintermärchen“, bis 28. Dezember beinahe täglich im Theater der Jungen Welt (Lindenauer Markt 21), ab sechs Jahre, Karten für 12/6 Euro: 0341 4866016

Von Steffen Georgi

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