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Schöne Formen, wilde Bilder: Am Freitag beginnt die Leipziger Grassimesse

100 Kunsthandwerker stellen aus Schöne Formen, wilde Bilder: Am Freitag beginnt die Leipziger Grassimesse

Mit rund 100 Teilnehmern aus 17 Nationen öffnet die Leipziger Grassimesse am Freitag ihre Tore. Schwerpunkte bis Sonntag sind die Bereiche Schmuck und Keramik. Zu sehen sind außerdem Spielzeug, Möbel, Glas-, Papier-, Metall- und Holzarbeiten, Accessoires, Hüte, Schuhe und Textilien. Drei Wandteppiche dürften für Gesprächsstoff sorgen.

Höfische Tapisserie trifft auf Pinup-Trash – in den Wandteppichen der Berlinerin Margret Eicher.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Olaf Thormann ist Direktor des Museums für Angewandte Kunst und ein sehr freundlicher Mann. Darum passt es so gar nicht zu ihm, dass er bei einer Pressekonferenz jemanden bittet, den Raum zu verlassen. Doch am Donnerstag um 14.15 Uhr machte er genau das. Denn erst am Abend sollte Sarah Pschorn erfahren, dass sie den mit 3000 Euro dotierten „Grassipreis der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung“ erhält. Ihre Keramiken seien ein „Plädoyer für das Süßliche, das Sentimentale, für das Spiel zwischen Heiterkeit und Schwermut“, urteilte die Jury. Eingeladen war sie schon am Nachmittag, um der Presse ein bisschen über ihre Arbeit zu erzählen. „Rein zufällig“ sei man auf sie gekommen, sagt die Pressesprecherin und neuerdings stellvertretende Direktorin Anett Lamprecht. Da konnte noch niemand ahnen, dass Pschorn das Rennen machen würde.

Schon länger steht fest: Von Freitag bis Sonntag findet im Museum für Angewandte Kunst die Leipziger Grassimesse 2016 statt – mit rund 100 Kunsthandwerkern aus 17 Nationen. Schwerpunkte sind die Bereiche Schmuck und Keramik. Zu sehen sind außerdem Spielzeug, Möbel, Glas-, Papier-, Metall- und Holzarbeiten, Accessoires, Hüte, Schuhe und Textilien. Olaf Thormann verspricht ein „Feuerwerk der Handschriften“, der Besucher werde hin und hergerissen zwischen Dynamik und Expressivität auf der einen sowie Harmonie und Ruhe auf der anderen Seite, sagte er. Verarbeitet würden edle Materialen wie Silber, aber auch Strandgut. Die Grassimesse sei eine Verkaufsausstellung, betonte Thormann, mit Preisen, die bei etwa 20 Euro beginnen und bis über 10 000 Euro gehen.

Und nicht wenige der ausstellenden Künstler würden über das Ästhetische hinausdenken und sich sozial engagieren, erläutert der Direktor. „Die Schönheit der Dinge schließt die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Fragen nicht aus“, so Thormann. Ein Beispiel dafür ist das ebenfalls ausgezeichnete Projekt „Habibi House“ von Laura Pelizzari und Ezra Dilger, Absolventen der Burg Giebichen-stein. Gemeinsam mit Flüchtlingen entwarfen sie einen Wohnungsbungalow aus Holz mit rund 26 Quadratmetern Wohnfläche. Ein kluges Statement gegen Massenunterkünfte, komplett recyclebar und nur rund 7000 Euro teuer.

Atelier im ehemaligen Bandidos-Hauptquartier

Inzwischen wartet Sarah Pschorn am Eingang auf die Journalisten: „Das Gefäß ist für mich eine Grundlage wie die Leinwand für den Maler“, erklärt die 1989 in Dresden geborene Künstlerin wenig später. So entstehen überraschende, schräge Objekt-Collagen. Ausgangspunkte sind oft Stücke, die sie auf Flohmärkten oder in der Familie findet. „Die baue ich dann weiter.“ Bei einer Arbeit habe sie gleich sechs Materialien verwendet: Alufolie, Ton, Porzellan, Silikon, Nagellack und Glas. Die barocke Anmutung ihrer Arbeiten erklärt sie mit ihrer Herkunft: Dresden. Halle, wo sie an der Burg Giebichenstein ihren Abschluss machte, sei schön zum Studieren, „Leipzig ist gut zum Leben“, sagt Pschorn. Ihr Atelier hat sie im ehemaligen Hauptquartier der Rockergruppe Bandidos in der Franz-Flemming-Straße, „mit Bildern von nackten Frauen und Motorrädern an der Wand“. Nicht auszuschließen, dass sich auch diese Motivik irgendwann in ihren Arbeiten wiederfindet.

Die Verkaufsmesse für angewandte Kunst und Design im Grassi Museum Leipzig.

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Die wilden, faszinierenden Wandteppiche der Berlinerin Margret Eicher gleich nebenan setzen da jetzt schon einiges drauf. Es sind bis zu 4,60 mal 3 Meter große Panoramen, in denen die Motivgeschichte seit der Antike auf Superman und Lara Croft, höfische Tapisserie auf moderne Kommunikationsmedien treffen. Visueller Punk bei der Grassimesse, das fängt ja richtig gut an.

Infos: Grassimesse im Grassimuseum für Angewandte Kunst (Johannisplatz 5-11), 21.-23. Oktober, Öffnungszeiten Fr, Sa 10-19, So 10-18 Uhr; Tagesticket: Bis 18 Jahre frei, ansonsten 8/5,50 Euro; Festivalticket mit den zeitgleich stattfindenden Designers’s Open: 16/11 Euro.

Von Jürgen Kleindienst

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