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Schönheitskur fürs Leipziger Stadtmodell im Festsaal des Alten Rathauses

Schönheitskur fürs Leipziger Stadtmodell im Festsaal des Alten Rathauses

Im alten Leipzig wird jetzt groß sauber gemacht: Das historische Stadtmodell aus dem Jahre 1823, das Besucher eigentlich beim Betreten des Festsaales im Alten Rathaus sofort ins Auge sticht, wird ab heute abmontiert.

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Das Modell der Stadt Leipzig soll restauriert werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das 25 Quadratmeter große Modell wird umfassend restauriert.

Allerdings passiert die Runderneuerung nicht gänzlich hinter verschlossenen Türen. Das Modell siedelt zunächst in den Ausstellungsbereich "Mittelalter" im Alten Rathaus um.

Restauratorin Sybille Thiel bearbeitet es dort. "An zwei Terminen, die noch bekannt gegeben werden, informiert Sybille Thiel über die Restaurierungsfortschritte und bietet Einblicke in ihre Arbeit", kündigt Museumssprecherin Christine Becker vom Stadtgeschichtlichen Museum an. "Nach seiner Restaurierung wird das Stadtmodell nicht nur optisch attraktiver sein, sondern auch multimedial Informationen über einzelne Gebäude und Straßen, wichtige Persönlichkeiten und Plätze liefern." Möglich wird die Restaurierung durch die Unterstützung der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft zur Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums.

Das Modell ist in seiner Detailtreue ein unschätzbares Juwel. Der Leipziger Möbeltischler und Tapezierer Johann Christoph Merzdorf hat Leipzig mit seinen Straßen und Plätzen, den Durchgangshöfen, den Promenaden, den Stadt- und Mühlgräben und den Prachtgärten gestaltet. Zu diesem Zweck ließ er vom Wiener Geodäten Michael Putz sämtliche 1422 Häuser und Höfe - einschließlich jener der Vorstädte - vermessen. So entstand ein akribisches, maßstabsgetreues Abbild Leipzigs.

Auffallend ist dabei die dichte Bebauung des Stadtkerns, in dem damals knapp 22000 Bürger wohnten. Zur Ostermesse 1820 wurde das Kunstwerk erstmals vorgestellt - zu diesem Zeitpunkt war es allerdings noch nicht fertig. 1823 ging Merzdorf damit sogar auf Reisen. Er zeigte das Kunstwerk in Berlin und in anderen Städten. Danach war es in einer Bude am Roßplatz für einen Eintritt von vier Groschen zu sehen. Später verkaufte er es, es stand unbeachtet im Hinterzimmer einer Gastwirtschaft herum, wurde verpfändet und galt als verschollen. 1874 wurde es in Transportkisten zufällig wiederentdeckt, völlig verstaubt und verdreckt auf einem Dachboden. Der Verein für die Geschichte Leipzigs kaufte es. Seit 1909, dem Jahr der Gründung des Stadtgeschichtlichen Museums, steht es im Alten Rathaus. Die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft unterstützt das Museum nun beim neuerlichen Restaurieren und stellt etwa 30000 Euro bereit. Ihr gehören etwa 160 Mitstreiter an, ein Drittel davon wohnt außerhalb Leipzigs. Die Gesellschaft lädt regelmäßig zu Vorträgen und Veranstaltungen ein. Jeden ersten Montag im Monat trifft sich um 19.30 Uhr der Lotter-Tisch im Restaurant "Das Alte Rathaus".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.01.2015

Mathias Orbeck

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