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Schräg ist nur die Spielfläche: Koproduktion von Theater der Jungen Welt und Lofft

Schräg ist nur die Spielfläche: Koproduktion von Theater der Jungen Welt und Lofft

Neue Allianzen, neue Perspektiven: Stadt- und freies Theater bringen in Gemeinschaftsproduktion Tanz und Parkour auf der Bühne zusammen. Oder versuchen es zumindest.

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Auf der Suche nach Gleich- und Ungleichgewicht: Verena Wilhelm, Maria Zimmermann und Juliane Bauer (von links).

Quelle: TdJW LofftKarsten Kriesel

Leipzig. Unter Ägide von Theater der Jungen Welt und Lofft hatte in Letzterem am Donnerstag Jana Ressels Choreographie "Schräge Wege" Premiere.

Dass es keine Probleme, sondern nur Herausforderungen gebe, ist einer dieser beliebten Parolen, die ganz gut den intellektuell verkniffenen Stierblick unseres Zeitgeistes markieren. Eine Yes-we-can-Variation, der im Grunde auch jenes Statement David Belles entspricht, der bezüglich des von ihm kreierten Sportstils Parkour Folgendes zu sagen hat: "Die Philosophie ist, immer vorwärts zu gehen und niemals stehen zu bleiben."

Parkour definiert Hindernisse als Herausforderungen und zelebriert deren Überwindung als Sport der unaufhaltsamen Fortbewegung gerade im urbanen Raum. Nun mag Parkour ein typisches Kind des modernen Zeitgeistes sein - aber eben den urbanen Raum und seine architektonischen Maßgaben neu zu definieren allein durch die Art, wie man sich in, mit, gegen ihn bewegt, hat zweifellos neben einem ästhetischen, auch ein reizvoll subversives Potenzial.

Von dem allerdings ist in Jana Ressels "Schräge Wege" nicht wirklich was zu entdecken. Es ist ausgespart, weggedrückt - besser: weggetanzt - zu Gunsten einer braven Beliebigkeit, mit der auf einer gern von Videoprojektionen flirrenden, angewinkelten Spielfläche drei Frauen und zwei Männer agieren. Zwischen Solos und Grüppchenbildung, inklusive Szenen des Vereinnahmens und Ausschließens, Umkreisens und Kollidierens. Und zwischen Tanz und Parkour, das hier allerdings in Ermangelung entsprechender Hindernisse dann eben doch sehr nach altbewährtem Turnhallenturnen aussieht. Irgendwie hätte man den Abend auch Friedrich Ludwig Jahn widmen können.

Wozu passt, dass die Inszenierung auch choreographisch gut ausgeschilderte Wege geht. Tanz, in solide handwerklichen Figurationen und ebensolch dramaturgischen Abläufen. Nirgends Wucht, Überwinden, Inbrunst. Kaum etwas, was von Körper und Raum in Verdichtung erzählt. Nichts, was unter die Haut geht, szenisch reibt, schürft, zehrt - abgesehen von den eingestreuten Texten, einem Versuch in ironisch-philosophischer Reflektion, Perspektiven zur Perspektive umkreisend. Was tatsächlich zehrt - an den Nerven.

Reines Spielplatzspielen in Selbstgenügsamkeit. Das goldige Jauchzen, das gelegentlich auf der Bühne ausgestellt wird, unterstreicht das bestens. In "Schräge Wege" ist gar nichts schräg. Bis eben auf die Spielfläche, von der noch eine wacklige Planke in den Raum ragt, auf der eine Intention der Inszenierung, nämlich die, wie es das Programmblatt formuliert, "Suche" nach dem eigenen "Gleich- und Ungleichgewicht", zur symbolischen Wackelnummer werden kann, welche dann tatsächlich für die ganze Inszenierung spricht.

Von Jana Ressel hat man zweifellos schon Besseres gesehen. Im Lofft wie im Theater der Jungen Welt freilich auch. Weshalb man sich - um es klar zu sagen - hüten sollte, bezüglich zukünftiger Optionen einer Zusammenarbeit zwischen freier und städtischer Bühne die "Schrägen Wege" als Omen zu nehmen. Denn mögen solche Allianzen (noch) schräg anmuten - die Perspektiven und Möglichkeiten, die sie eröffnen, sind reizvoll.

"Schräge Wege - Stadt Tanz Parkour", wieder heute (Samstag), 11 und 20 Uhr, sowie morgen (Sonntag), 18 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21) Eintritt 12/8 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.12.2013

Steffen Georgi

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