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„Schwarzweiss“: Theaterstück zu Asylbewerber-Tod in Dessau uraufgeführt

„Schwarzweiss“: Theaterstück zu Asylbewerber-Tod in Dessau uraufgeführt

Dessau-Roßlau. Der Asylbewerber Oury Jalloh wird von der Polizei in Dessau-Roßlau in Gewahrsam genommen. Wenige Stunden später ist er tot. Der 23-Jährige stirbt am 7. Januar 2005 bei einem Brand in einer Zelle des Polizeireviers.

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Das Anhaltische Theater Dessau thematisiert mit dem Stück „Schwarzweiss“ den tragischen Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone im Jahr 2005 in einer Dessauer Polizeizelle.

Quelle: dpa

Die Umstände sind bis heute nicht geklärt. Sechs Jahre nach dem Tod des Afrikaners ist am Freitag in Dessau das Stück „Schwarzweiss“ uraufgeführt worden. Es zeigt das Leben aus Sicht von Migranten in Deutschland, greift gängige beiderseitige Vorurteile auf und macht Unsicherheiten im Umgang miteinander deutlich.

Die Besucher des Anhaltischen Theaters werden während der Inszenierung von Darstellern an zehn Orte in Dessau-Roßlau geführt, an denen sich Afrikaner häufig aufhalten - etwa eine Moschee, ein Imbiss oder ein Café. Erste Station der fast dreistündigen theatralen Stadtbegehung ist der Stadtpark. In der Grünanlage wird auch daran erinnert, dass dort vor elf Jahren der Familienvater Alberto Adriano aus Mosambik von jungen Neonazis zu Tode geprügelt wurde - weil er schwarz war. In Verruf geriet der Park in der Bevölkerung als Drogenumschlagsplatz.

Die Worte „Dialog, Fairness, Menschlichkeit und Menschenwürde“ sind auf die Gewänder gedruckt, die jeder Besucher zu Beginn des Theaterstücks leihweise bekommt. Auch ein großes Foto von Jalloh ist zu sehen und der Satz „Er war aber auch kein Waisenknabe“. Regisseurin Nina Gühlstorff sagte der dpa: „Unsere Grundidee ist, wir horchen hinein, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist.“

Im Fokus des dokumentarischen Stücks stehe nicht das Geschehen in der Zelle. „Es geht uns um den Fall Oury Jalloh und um alles, was mit den großen Themen gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Migration, Zusammenleben, Sich-Fremd-Fühlen zusammenhängt“, sagte der Generalintendant des Anhaltischen Theaters, André Bücker. Zudem solle über ein Thema gesprochen werden, das im öffentlichen Raum kaum mehr kommuniziert werde.

Grundlage der Aufführung sind rund 50 Interviews, die die Theaterleute um die Gastregisseurin mit Freunden des Afrikaners, Asylbewerbern und Polizisten geführt haben. Zudem wurden laut Gühlstorff zwölf Interviews mit Menschen im westafrikanischen Senegal aufgenommen.

Die Gespräche werden während der Aufführung in gekürzter Form von Darstellern vorgetragen. Puppen und spontan wirkende Auftritte von Akteuren auf der Straße prägen zudem das Stück. So schimpft eine Frau aus dem Fenster einer Plattenbauwohnung, während die Zuschauer zu einem fiktiven Gerichtssaal gehen: „Jalloh, das kann man nicht mehr hören“. Mit dem „Riesengewese“ in den Medien müsse „nun auch mal endlich Schluss sein“.

Die Schauspieler, darunter Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Abak Safaei-Rad, halten den Besuchern einen Spiegel der Meinungen von Menschen vor. Sie stellen ein Schwarzweiss-Denken bei Behörden dar, zeigen aber auch Schuldgefühle, Misstrauen und Grenzen der Arbeit von Polizei und Justiz auf.

Für die Uraufführung gab es von den rund 100 Besuchern viel Beifall. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr junge Leute, Schulklassen, das Stück ansehen“, sagte Razak Minhel, Chef des multikulturellen Zentrums in Dessau-Roßlau. Der Leitende Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann hofft, dass mit der Inszenierung ein Dialog in Dessau-Roßlau in Gang kommt, die Menschen aufeinander zugehen.

Seit Januar muss sich am Magdeburger Landgericht ein Polizist wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Dem damaligen Diensthabenden auf dem Dessauer Revier wird vorgeworfen, Jalloh bei dem Feuer in der Zelle nicht rechtzeitig geholfen zu haben. Obwohl an Händen und Füßen gefesselt, soll der Asylbewerber den Brand mit einem Feuerzeug selbst entfacht haben. Er starb laut Obduktion an einem Hitzeschock. Jalloh war in Gewahrsam genommen worden, weil er Frauen belästigt haben soll. Er war zuvor wegen Drogenhandels verurteilt worden.

Petra Buch, dpa

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