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Schweiß und Tränen: HIM vor 1000 Fans im Täubchenthal

Konzert Schweiß und Tränen: HIM vor 1000 Fans im Täubchenthal

Wenn hunderte Menschen glückselig aus voller Kehle singen, dass dieses Leben nicht lebenswert sei, dann kann man sich auf der Welt nur bei einem Ereignis befinden: auf einem HIM-Konzert.

Ville Valo im Täubchenthal.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das einzige in Deutschland der laufenden Tour hat die finnische Band, deren Name als Abkürzung für "Seine höllische Majestät" steht und die ihre Musik passgenau dem selbsterfundenen Genre "Love-Metal" zuordnet, am Dienstagabend im mit 1035 Zuschauern seit Monaten ausverkauften Täubchenthal gegeben.

 Draußen bietet ein Händler Lappland-Wodka, Bier der Brauerei "Lapin Kulta", finnische Lakritze und Rentierfelle an. Mit letzteren darf man sich drinnen auf keinen Fall bekleiden. Bei tropischen Temperaturen tritt die Gruppe Punkt 20 Uhr ihren Bühnendienst an. Streng getaktet werden die fünf Musiker in den kommenden 100 Minuten durch dieselben 23 Lieder hasten wie am Abend vorher in Prag und davor in Bratislawa.

 Schon das Eröffnungsstück "Buried Alive By Love" in all seiner Wucht reißt die Menge mit, und spätestens der hymnische Kracher "Poison Girl" gleich danach lädt zur kollektiven Schwelgerei ein. Anders als viele Gothic- und Metal-Kollegen besitzen HIM ein feines Gespür für Melodien. Ein klein wenig mehr Raum dürften sie freilich für spontane Einfälle vorsehen, ob musikalisch oder in der Kontaktaufnahme zum Publikum. Eine volle Konzertstunde wird vergehen, bis der charismatische Ville Valo die Zuschauer mit einem "Good Evening" doch noch ausdrücklich begrüßt.

Das einzige in Deutschland der laufenden Tour hat die finnische Band, deren Name als Abkürzung für "Seine höllische Majestät" steht und die ihre Musik passgenau dem selbsterfundenen Genre "Love-Metal" zuordnet, am Dienstagabend im mit 1035 Zuschauern seit Monaten ausverkauften Täubchenthal gegeben.

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 Aber genau so mögen die Fans den so hübschen wie schüchternen Sänger, der ihnen zwischen den Liedern geschäftig den Rücken zukehrt und allenfalls wenige Worte nuschelt, die der Jubel sowieso verschluckt. Valo kann nicht nur herzergreifend hoch, sondern auch erschütternd tief singen. Neben den Mannsbildern der Band schaut er dennoch trotz aller Tätowierungen und durchtrainiertem Oberkörper auch mit 38 wie ein androgyner Jüngling aus - mag er seine Locken auch stylisch unter einer Mütze verstecken. Ein "Fashion Victim" im wörtlichen Sinn: Das illustriert der Schweiß, der ihm vom Gesicht tropft. Die Opfergabe sozusagen.

 Wenn denn die Band vor allem ihre Musik sprechen lässt, obliegt es den Anhängern, darüber hinaus Herzlichkeit zu zeigen: Ebenfalls Punkt 20 Uhr strecken etliche Gäste Zettel hoch: "Welcome Kosmo". Es ist in Leipzig erst das sechste HIM-Konzert des neuen Schlagzeugers Kosmo Kroeger, eines Metal-Trommlers alter Schule. Die Tatsache, dass er so heftig auf die Felle drischt, tut den Liedern gut. HIM siedeln ihre Melodien und vor allem Texte ja in voller Absicht gern nah am tränenreichen Kitsch an - damit Gitarrist Linde Lindström das Pathos mit seinen voluminösen Riffs und Stakkato-Soli umso wirkungsvoller zersägen kann.

 Anders als beim vorigen Leipziger Gastspiel im Haus Auensee vor knapp zwei Jahren finden nur drei Stücke des noch immer aktuellen Albums "Tears On Tape" den Weg ins Programm. Stattdessen ein gefeierter Reigen aus Hits, die fast alle von den zwei großen Themen handeln, die HIM seit 20 Jahren beschäftigen: Liebe und Tod. "Pretending" in aller schmachtenden Pracht, "Killing Loneliness" nah am Schlager und doch berührend schwermütig. Bald der Überhit "Join Me in Death" von 1999, jene zeitlos großartige Nummer mit der euphorisch zelebrierten Textzeile vom Leben, das ja gar nicht lebenswert sei.

 Noch immer hat niemand ein Mittel gegen all das Leid gefunden, klagt Valo bei "In Joy and Sorrow", noch immer ist er auf der Suche nach Schutz vor dem Regen. Erst das Chris-Isaak-Cover "Wicked Game" bricht das Dauerlamento mit ein wenig Selbstironie. Aber gegen Gefühlsduselei ohne doppelten Boden ist eigentlich auch nichts zu sagen: Im wunderschönen Ohrwurm "The Funeral of Hearts" glänzt Valo kurz vor Schluss noch einmal mit enormem Tonumfang.

 Punkt 21.30 Uhr kündigt der Schluchz-Stampfer "When Love and Death Embrace" das Ende des regulären Teils an. Von einem "wahren Vergnügen", das der Abend bereitet habe, spricht Valo. Bei Billy Idols "Rebel Yell" als Zugabe samt furiosem Hochgeschwindigkeitsgitarren-Solo ist ihm diese Freude sogar ins Gesicht geschrieben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.08.2015
Mathias Wöbking

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