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Schweizer Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji gewinnt den Deutschen Buchpreis

Schweizer Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji gewinnt den Deutschen Buchpreis

Eine überraschende Entscheidung für ein eigenwilliges Buch: Melinda Nadj Abonji hat am Montagabend den Deutschen Buchpreis erhalten – vergeben vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres.

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Die Schriftstellerin und Gewinnerin des Buchpreises 2010, Melinda Nadj Abonji

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. 148 Neuerscheinungen haben die sieben Jurymitgliedern gesichtet und zunächst 20 für die sogenannte Longlist ausgewählt. Auf der Shortlist schließlich blieben noch sechs Werke.

Wie die 1968 in Serbien geborene  Autorin gehören auch die Protagonisten ihres Romans „Tauben fliegen auf“ der ungarischen Minderheit an und leben mittlerweile in Zürich. Abonji schreibt in langen, melodischen Sätzen über die Geschichte einer Emigration und über eine Familie, die sich in der Fremde eine neue Existenz aufbaut, jedoch vom Krieg in der alten Heimat eingeholt wird. Mit großem Einfühlungsvermögen zeichne das Buch „das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit seiner Vergangenheit noch lang nicht abgeschlossen hat“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Die Auswahl der Favoriten für den  Deutschen Buchpreis gilt auch als Seismograph für die Entwicklungen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die wird von Kritiker Marcel Reich-Ranicki gelobt: „Sie hat es seit Kriegsende nicht immer so gut verstanden, Identifikationsangebote zu schaffen und auch unterhaltsam zu sein. Erst in den letzten Jahren ist das wieder besser geworden“, sagte der 90-Jährige dem Magazin Focus.

Die Finalisten-Auswahl dieses Jahrgangs gibt Reich-Ranicki durchaus Recht. Judith Zanders Romandebüt „Dinge, die wir heute sagten“ führt in das geschlossene System einer Dorfgemeinschaft. Die Bewohner  sprechen und schweigen über ihr derzeitiges Leben und ihre Verstrickungen in Vorwendezeiten. Mit „September. Fata Morgana“ erhellt Thomas Lehr die politischen Katastrophen der jüngsten Vergangenheit – in Bagdad und New York. Peter Wawerzinek, er hat mit „Rabenliebe“ den Bachmannpreis gewonnen, beschreibt mit seinem Roman über eine schmerzhafte Muttersuche auch das Aufwachsen in der DDR.

Um Herkunft, Identität und Zugehörigkeit geht es in Doron Rabinovicis „Andernorts“ – mit viel Witz geschrieben, was ebenfalls auf Jan Faktors Psychogramm einer Familie zutrifft: „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“. Damit war Faktor im März für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. So unterschiedlich die oft eigenwilligen Handschriften und Erzählformen sind – die von Reich-Ranicki postulierten „Identifikationsangebote“ werden gemacht.

Aufmerksamkeit für Literatur, für deutschsprachige Autoren zu schaffen, ist Anliegen es Deutschen Buchpreises, der seit 2005 kurz vor der Buchmesse in Frankfurt am Main verliehen wird. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich mit ihren Titeln bewerben. Der Preisträger erhält 25 000 Euro, die fünf anderen Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro. Im vergangenen Jahr hat der autobiographische Roman „Du stirbst nicht“ von Kathrin Schmidt das Rennen gemacht.

Janina Fleischer

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