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Scorpions starten Welttournee in Leipzig: Das LVZ-Online-Videoteam war dabei

Scorpions starten Welttournee in Leipzig: Das LVZ-Online-Videoteam war dabei

Leipzig. Es ist vollbracht. Nie wieder Leipzig. Nie wieder live Klaus Meines Glitzer- und Leder-Fummel. Nie wieder Rudolf Schenkers Gitarrenschreie.

Freitagabend gaben die Scorpions in Leipzigs Arena das erste ihrer letzten Konzerte. Der Auftakt der weltumspannenden Tournee „Get Your Sting and Blackout“ bietet eine Menge Material für den Disput darüber, ob der Renteneintritt der Hannoveraner ein Grund zum Jubeln oder zum Schluchzen ist.

Für die allerhöchstens 7000 Zuschauer erübrigt sich die Geschmacksfrage ob der Freiwilligkeit, Geld für eine Band auszugeben, deren Musik trotz gelegentlicher Gewitter einen nicht unbeträchtlichen Anteil von Wartezimmer-Tauglichkeit aufweist. Kein wirkliches Kompliment für hartgesottene Rockmusiker, die lieber Omas schocken und ihre Erzeugnisse in CD-Playern bis zum Anschlag aufgedreht oder in rustikalen Proberäumen gecovert wissen wollen.

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Leipzig. 7000 Fans haben mit den Rockern der Scorpions einen umjubelten Auftakt der finalen Welttournee gefeiert. Die international erfolgreiche Band aus Hannover startete in der Messestadt ihre Tour „Get Your Sting and Blackout“, die die letzte in der langen Bandgeschichte sein soll. Noch liegen 200 Konzerte bis mindestens 2011 vor Klaus Meine und Co.

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Wartezimmer-Tauglichkeit droht einem, wenn man Sülz-Pasteten wie „Holiday“ oder „Still Loving You“ oder „Send Me An Angel“ produziert. Nehmen wir mal diesen schwülen „Wind Of Change“ – man muss schon Erz-Fan sein, um der durchgenudelten Perestroika-Pfeiferei nicht überdrüssig zu werden. Dass die Herren Meine, Schenker, Matthias Jabs, Pawel Maciwoda und James Kottak auch satt zu rocken vermögen, schwächt die Immunität der Geschmacks-Apostel gegen Scorpions-Stiche selten. Freunde des Innovativen hören keine Entwicklung heraus zwischen Alben wie „Blackout“ (1982) und „Sting In The Tail“ (2010), sondern bekritteln mainstreamigsten Mainstream. Und so richtig hart ist der Chitin-Corpus dieses niedersächsischen Skorpions auch nur live. Vor allen Dingen aber: laut, sehr laut.

Bei aller Häme wegen gewisser Voraushörbarkeit auch auf dem neuen Album im 80er-Jahre-Stil – die Männer aus Niedersachsen haben das geschafft, wovon ungezählte Ambitionierte nicht einmal zu träumen wagen: Sie sind mit über 100 Millionen verkauften Platten Deutschlands erfolgreichste Hardrocker, kassierten mehr als 200 Gold- und Platinauszeichnungen. In 45 Jahren Karriere absolvierten sie über 5000 Auftritte in Großhallen und Stadien.

Die Scorpions funktionieren immer noch, und man fragt sich: Wieso eigentlich? Durch Powerchords an den Gitarren, auffällig einprägsame Hooklines und die hohe, schneidend-metallige Stimme des kleinen uncharismatischen Mannes mit der Ledermütze. Natürlich lässt Klaus Meine von Beginn an keine Zweifel aufkommen, dass neben den Mega-Balladen („Lorelei“ ist wieder so eine) auch ein Sturm durch die Halle zieht, dessen Windstärke Band und Publikum hochtreiben. Hand aufs Rockerherz: Die Akkorde, die Texte und der Habitus sind von ergreifender Schlichtheit, das Röhren einer Harley hat mehr Nuancen als simpler Heavy Rock im Wiegeschritt. Rudolf Schenker wirft sich in Posen und lauert über seiner Gitarre wie ein Raubtier, wirklich ernst nehmen kann man all das nicht. Immerhin hat die Karikatur echter Metall-Arbeiter bald ein Ende. Die teils über 60-jährigen Weltstars wollen sich zurückziehen, bevor ihnen biologische Entwicklungen zuvorkommen.

Der Schluss ist emotional, der Jubel groß, die Rocker winken dankbar. Noch liegen 200 Konzerte bis mindestens 2011 vor dem endgültigen Trennungsschmerz. Ganz entschwinden werden die Scorpions nie. Erstens gibt es Wartezimmer, zweitens verlieren im Showbiz selbst bierernste Abschiede häufig ihre Gültigkeit. „The Good Die Young“? Mögen fiese Dialektiker aus dem Alter der Scorpions ihre Schlüsse ziehen.

Mark Daniel

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