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Sebastian Krumbiegel zu Mateschitz’ Aussagen über Flüchtlinge: „Ein Schlag ins Gesicht“

Interview Sebastian Krumbiegel zu Mateschitz’ Aussagen über Flüchtlinge: „Ein Schlag ins Gesicht“

Sebastian Krumbiegel schrieb die Vereinshymne für RB Leipzig. Auf Red-Bull-Boss Mateschitz ist der Musiker derzeit nicht gut zu sprechen. Grund sind Aussagen des Österreichers, in denen dieser die Flüchtlingspolitik seines Heimatlandes kritisiert und Helfern Scheinheiligkeit unterstellt.

„Du bist so bunt rund um die Uhr“, singt Sebastian Krumbiegel in seiner Vereinshymne für RB Leipzig, die er bei der Aufstiegsfeier im Mai 2016 auf dem Leipziger Markt vorgestellt hatte. Jetzt ärgert sich der Musiker und Autor über Äußerungen von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  Sebastian Krumbiegel (50) ist Fan von RB Leipzig und schrieb die Vereinshymne. Auf Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz (72) ist der Leipziger Musiker und Buchautor derzeit nicht gut zu sprechen. Grund sind die jüngsten Aussagen des Milliardärs aus Österreich. In einem Interview mit der österreichischen „Kleinen Zeitung“ hatte er die liberale Flüchtlingspolitik in dem Alpenland kritisiert: „Man muss blind und taub gewesen sein, um nicht zu sehen, was da auf uns zukommt.“ Über Leute, die Flüchtlingen helfen, sagte Mateschitz: „Ich rede darüber, dass keiner von denen, die ‚Willkommen‘ oder ‚Wir schaffen das‘ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können.“ Flüchtlingshelfer in Österreich haben diese Aussagen bereits heftig kritisiert. Der Chef der rechten FPÖ, Heinz-Christian Strache, wiederum feierte Mateschitz als „großen Österreicher“.

Was fällt Ihnen zu Dietrich Mateschitz’ Aussagen ein?

Ich ärgere mich darüber, und ich frage mich, was Herr Mateschitz damit bezweckt. Bei einigen Politikern kann ich es ja wenigstens nachvollziehen, dass die Intention besteht, am rechten Rand zu fischen, aber was glaubt er, damit zu erreichen? Wir wissen doch alle, dass die Situation uns vor große Herausforderungen stellt, und wir wissen, dass es Probleme gibt, wenn sich die Welt so verändert, wie sie es gerade tut. Aber durch solche Äußerungen werden Unsicherheit und Angst geschürt, was dann wiederum zu Hass, Gewalt und Ausgrenzung führen kann.

Wie sehen Sie insbesondere den Satz über eine angebliche Scheinheiligkeit der zahlreichen Flüchtlingshelfer?

So viele Menschen, nicht nur in Leipzig, nicht nur in Sachsen, der gesamten Republik, oder in Europa sondern überall, irgendwo auf der Welt, wo es brennt, wo es Probleme gibt, kümmern sich ehrenamtlich darum, dass unser Zusammenleben besser funktioniert. Für all diese Leute ist das ein Schlag ins Gesicht – ja, ich halte diese Äußerungen für zynisch und verhöhnend.

Kann der RB-Leipzig-Fan Sebastian Krumbiegel das eine vom anderen trennen?

Nein, natürlich nicht. Ich war ganz stolz, als letztes Jahr in Hamburg vor dem Spiel St. Pauli gegen RB eine gemeinsame Erklärung beider Vereine verlesen wurde, die sich klar gegen Rassismus, Antisemitismus und für einen respektvollen Umgang ausgesprochen hat. Das ist der richtige Wind, dafür stehe ich, dafür steht mein Verein. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin entsetzt und halte die Aussagen von Herrn Mateschitz für ganz schlimm. Das ist auch für den Sport und für RB schädlich.

„Du bist so bunt rund um die Uhr“ singen Sie in Ihrer RB-Hymne über Leipzig: Passt nicht direkt zu Mateschitz’ Ausführungen …

Ich singe über Leipzig, über meine Lieblingsstadt, und ich bin davon überzeugt, dass diese Einschätzung richtig ist. Leipzig ist eine bunte Stadt, Legida hat hier keine Chance, und auch die Fankultur von RB spricht diesbezüglich eine klare Sprache.

Kennen Sie Dietrich Mateschitz eigentlich persönlich? Haben Sie vor, ihn direkt darauf anzusprechen?

Nein, ich kenne ihn nicht persönlich, aber wenn ich die Gelegenheit hätte, würde ich ihn höflich und doch sehr klar kritisch auf seine Äußerungen ansprechen.

Von Ihnen ist gerade das Buch „Courage zeigen“ über ein Leben mit Haltung erschienen. Wie sollten Fans bei diesem Thema Ihrer Meinung nach Courage und Haltung zeigen?

Erstmal kann und will ich niemandem irgendwas vorschreiben, ich kann nur meine Meinung sagen. Ich denke, es ist wichtig, laut zu werden, es ist an der Zeit, sich klar zu positionieren. Wenn ich die Kommentarspalten zu diesem Thema im Netz lese, dann fällt mir auf, dass ein Großteil der Kommentatoren Dietrich Mateschitz in dieser Frage applaudiert. Ich weiß aber auch, dass es viele Menschen gibt, die seine Aussagen genauso zynisch und verhöhnend finden, wie ich. Deshalb denke ich, es geht mittlerweile bei dieser Diskussion mehr und mehr um eine Art Deutungshoheit. Wir dürfen das Feld nicht den Zynikern überlassen, wir sollten klarstellen, dass es viele, viele Menschen gibt, die für einen respektvollen Umgang miteinander stehen. Einen respektvollen Umgang mit Menschen, nicht nur mit Österreichern oder Deutschen.

Von Jürgen Kleindienst

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