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"Sein Tod schmerzt tief": Erich Loest wird heute beigesetzt – Sohn Thomas im LVZ-Interview

"Sein Tod schmerzt tief": Erich Loest wird heute beigesetzt – Sohn Thomas im LVZ-Interview

Die letzten Jahre zwischen Thomas Loest (63) und dessen Vater Erich Loest waren nicht spannungsfrei. Im Interview spricht der Sohn des Schriftstellers und Leiter des Linden-Verlages vom Stolz auf seinen Vater sowie über die Vorhaben seines Verlages.

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Da war die Welt zwischen Vater und Sohn noch in Ordnung: Erich Loest (r.) und Thomas Loest 2002 bei einer Lesung in Leipzig.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Am Freitag nimmt Leipzig Abschied von seinem im Altern von 87 Jahren verstorbenen Ehrenbürger. Die Trauerfeier für Loest findet in der Leipziger Nikolaikirche statt.

Frage: Vom tragischen Tod Ihres Vaters haben Sie aus der LVZ erfahren. Wie geht es Ihnen jetzt?

Thomas Loest: Er war mein Vater. Sein Tod schmerzt tief. Das geht auch meinen Geschwistern Brigitta und Robert so, ebenso wie meiner Frau Elke und meiner Tochter Anett. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn Persönlichkeiten wie Bundespräsident Joachim Gauck das Lebenswerk meines Vaters würdigen und die Medien anerkennend über ihn berichten. Dieser Respekt ist absolut gerechtfertigt. Und ich möchte auch wirklich nicht mehr über das Zerwürfnis reden, sondern mich nur noch an die schönen Erlebnisse erinnern, die mich mit meinem Vater verbinden.

An welche Erlebnisse mit Ihrem Vater denken Sie da?

Nun, es gibt sehr viele. Ich will hier nur zwei erzählen. 1992, als Erich das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhielt, durfte er eine Person mitbringen auf den Petersberg bei Bonn. An seiner Seite saß ich zusammen mit Richard von Weizsäcker, Jurek Becker und Frank Beyer, das war ein beeindruckendes Erlebnis. 1999, als er das Große Bundesverdienstkreuz erhielt in Plauen, waren meine Frau Elke und ich dabei. Unvergessen bleibt für mich auch, als sich Salman Rushdie 1996 mit meinem Vater auf der Leipziger Buchmesse traf und unbedingt an unseren Stand des Linden-Verlages ins Messehaus am Markt wollte. Rushdies Sicherheitskräfte waren höchst alarmiert. Er ließ sich nicht beirren, kam zu uns, mein Vater stellte Elke und mich vor und sagte: "Das ist mein Sohn, der meine Bücher verlegt." Rushdie entgegnete, dass er sich das auch wünschen würde, aber sein Sohn sei erst acht Jahre alt.

Was ist aus dem Linden-Verlag geworden, der bis 2005, als Ihr Vater zum Steidl Verlag in Göttingen wechselte, ausschließlich die Bücher Erich Loests herausgab?

Den Linden-Verlag gibt es noch. Wir haben die Rechte für alle Werke, die mein Vater bis 2005 geschrieben hat. In Zusammenarbeit mit dem dtv-Verlag erscheinen in 14 Tagen 2000 Taschenbuchexemplare des Romans "Nikolaikirche", und ebenso viele Exemplare von "Völkerschlachtdenkmal". Wir arbeiten auch eng mit dem Mitteldeutschen Verlag zusammen. Dort sind als gemeinsames Projekt in Neuauflage schon erschienen "Jungen die übrig blieben" und "Swallow, mein wackerer Mustang".

Rechnen Sie denn damit, dass sich die Nachfrage jetzt verstärken wird?

Das würde uns freuen. Wir kümmern uns um den Bestand und werden bei Bedarf neue Auflagen bringen. Schon zu Lebzeiten meines Vaters haben wir eine siebenbändige Werkausgabe editiert, wunderschön mit Leinen und Fadenheftung, gedruckt zwischen 1991 und 2004. Davon haben wir noch einiges im Bestand.

Befinden sich im Bestand auch noch unveröffentlichte Manuskripte?

Davon haben wir einige, aus den 60er, 70er Jahren. Wir werden sie sichten und dann auch nach Beratung mit Literaturwissenschaftlern entscheiden, was daraus wird. Aber jetzt ist alles noch zu frisch.

Ihr Vater wird in Mittweida neben Ihrer 1997 verstorbenen Mutter Annelies beerdigt. Was bedeutet das für Sie?

Ich freue mich, dass er an der Seite meiner Mutter zur letzten Ruhe gebettet wird. Mit Mittweida hat ihn immer viel verbunden. Wir Kinder waren dort bei Oma, Opa und Tante, als mein Vater und auch meine Mutter im November 1957 verhaftet wurden. Für mich kehrt mein Vater zu seinen Wurzeln zurück. Wir können unsere Eltern gemeinsam besuchen.

Interview: Anita Kecke

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