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Sexy Jazz mit Damenbands

Sexy Jazz mit Damenbands

In sogenannten Damenbands ist das Äußere wichtig. Gebucht werden Frauen, die nicht nur was fürs Ohr bieten, sondern vor allem fürs Auge.

Die knackigen Kurven der Musikerinnen, gerne nur bedeckt mit einem Hauch von Glitzerkleid. Begehrt sind Damenbands vor allem auf Firmenevents. Sabine Kaiser führt in Leipzig eine Jazz-Agentur, in der sie 20 Frauenbands vermittelt - darunter verführerische Namen wie "HotSaxClub", "Les Dames du Jazz" oder "Ladylike". Gerade im Jazz seien Damenbands beliebt, da es noch immer eine Männerdomäne ist: "Vor allem bei Tagungen und Kongressen werden die Frauen engagiert. Im Publikum sitzen fast nur Männer, da wird gern was fürs Auge gebucht", sagt die Agenturchefin.

Kaiser ist selbst Bandleaderin bei "Aphrodites Töchtern". Seit 2000 spielen die neun Musikerinnen zusammen - die Leaderin an der Trompete. "Die traurige Wahrheit ist aber auch hier: Solange die Frauen jung und hübsch sind, werden sie häufiger gebucht. Ab einem gewissen Alter nimmt das ab", so Kaiser. Haben die Mitgliederinnen das erreicht, müsse sich die Frauenband etabliert haben oder etwas Spezielles bieten, um weiter gebucht zu werden. Kaiser präsentiert mit ihrem Damenorchester mittlerweile eine Show à la "Manche mögen's heiß".

Die Besetzung von "Aphrodites Töchtern" ist in der langjährigen Bandzeit auch gemeinsam gealtert. "Früher hatten wir drei- bis viermal im Monat einen Auftritt, heute nur noch acht- bis zehnmal im Jahr", so die Trompeterin, selbst Jahrgang 1961. Auch die 31-jährige Uta Sophie Halbritter ist überzeugt davon, dass die Buchungen im Alter abnehmen. "Ich glaube, in der ersten Lebenshälfte sind weibliche Musikerinnen bevorteilt, in der zweiten die Männer", sagt die Pianistin, die in Leipzig studiert hat und sich mittlerweile mit ihren Damenbands selbstständig gemacht hat. Halbritter hat auch ganz andere Erfahrungen gemacht: "Frauen müssen sich in der Musikerwelt durchbeißen, da ihnen musikalisch oft nicht so viel zugetraut wird wie Männern. Da hilft das gute Aussehen auch nicht weiter."

Dass Frau optisch überzeugt, soll natürlich nicht heißen, dass sie ihr Instrument nicht beherrscht. Doch in einigen Fällen zähle sogar nur die Optik, sagt die Agenturchefin Kaiser. Daher haben einige Bands nur ein begrenztes und leicht spielbares Repertoire, Musikerinnen seien dadurch austauschbar. Je nach Kundenwunsch werden dann Formationen zusammengestellt. Die Frauen sollen dekorativ sein, teils wird mit halbem Playback gearbeitet. Ob das Saxophon dann blond oder brünett ist, ist zweitrangig. Hauptsache hübsch. Viele Frauen wissen um ihre Vorteile: So ist das Motto auf der Internetseite der Damenband "HotSaxClub": "heiße Kurven, sexy Jazz". Dort wird mit "attraktiven Mädchen" geworben, die einen "hörbaren und optischen Genuss" bieten.

In Musiker-Kreisen heißt es, in einige Bands käme Frau sogar nur durch hartes Casting. Dabei dürfen die richtigen Argumente nicht fehlen: Mindestgröße1,72 Meter, gute Figur, hübsches Gesicht und natürlich sollte sie nicht zu alt sein.

"Wir bieten Ihnen Professionalität, Qualität und weiblichen Charme!" - so wirbt die Leipziger Agentur Starlive Entertainment von Gitta Hauenherm für ihre "Ladyacts". Was auf der Visitenkarte eines Escort-Services stehen könnte, soll Musikerinnen an den Mann bringen. Ob Soul-Popband "Female Vibes", "Ladies Live" für Party und Gala oder die Lounge-Jazzband "Lazylectric" - egal welcher Anlass, es gibt die passende Formation. Die Nachfrage ist groß, daher werden gerade deutschlandweit Zweitbesetzungen gesucht. Dazu führt Agenturchefin Hauenherm Castings durch. Wie beim Modelcasting würde es bei ihr aber nicht zugehen, eine Mindestgröße gebe es nicht. "Fast alle unsere Musikerinnen besitzen einen Studienabschluss und langjährige Bühnenerfahrung. Aber natürlich spielt auch die Optik bei der Künstlerauswahl eine wichtige Rolle", erklärt die studierte Pianistin. Neben Charisma und Natürlichkeit sei aber auch das Menschliche bei den Ladies entscheidend.

Bisher wurden die Ladyacts laut Hauenherm in der achtjährigen Agenturgeschichte über 1000 Mal gebucht. Angesprochen auf ihren Erfolg antwortet sie mit einem Augenzwinkern: "Vielleicht funktioniert das Ladyacts-Konzept auch nur deshalb so gut, weil die Entscheidungsträger und Gäste überwiegend männlich sind."

Uta Sophie Halbritter, die mit ihrer Band Princess-Cut um die halbe Welt reist, achtet bei den Musikerinnen auf das Gesamtpaket. Um lange Proben zu vermeiden, sollten es erfahrene Musikerinnen sein. "Und ich habe es noch nicht erlebt, dass man eine Dame mit Schminke und Kleidung nicht auftrittstauglich bekommt", sagt Halbritter schmunzelnd.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2013

Stefanie Dietz

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