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„Shalomaleikum“ in der Leipziger Thomaskirche

Konzert „Shalomaleikum“ in der Leipziger Thomaskirche

Unter dem Motto „Shalomaleikum“ begegneten sich am Donnerstagabend christliche, jüdische und arabische Musik in der Thomaskirche, um für die Verständigung der Kulturen zu werben. Die protestantische Devotion aber war es eher nicht, die an diesem Abend von sich reden machte.

Vorwärts strebender Gesamtklang: das Ensemble Consart

Quelle: privat

Leipzig. Dass Bachs Musik wie ein Fremdkörper wirkt in der Thomaskirche, passiert auch nicht alle Tage: Unter dem Motto „Shalomaleikum“ begegneten sich am Donnerstagabend christliche, jüdische und arabische Musik, um für die Verständigung der Kulturen zu werben. Die protestantische Devotion aber war es eher nicht, die an diesem Abend von sich reden machte.

Das Ensemble Consart unter der Leitung von Andreas Reuter stimmt einen gemessenen und dunklen Ton an. In den polyphon verdichteten Stellen des Kyrie eleison aus Bachs h-moll-Messe gelingt ihnen ein warmer und vorwärts strebender Gesamtklang. Diese Souveränität lösen die Musiker allerdings im folgenden Christe eleison nicht mehr ganz ein. Etwas zerfasert spielen die obligaten Instrumente eher neben den Vokalsolistinnen her. Luba Claus’ strahlend-irisierender Sopran neigt dazu, den warmen und besonnenen Ton von Hanna Hagel zu überblenden.

Brücke zwischen „okzidentaler“ und „orientaler“ Musik

Um das Gemeinsame im Unterschiedenen zu sehen, bedarf es nicht erst des Verweises auf biblische Genealogie, wie ihn das Programm mit dem Untertitel „Abrahams Erben“ bemüht: Es sind die konkreten musikalischen Gestalten, in denen sich zahlreiche Verwandtschaften zeigen. Besonders deutlich wird das im Klezmer, den man als Brücke zwischen „okzidentaler“ und „orientaler“ Musik hören kann.

Das Trio Rozhinkes präsentiert in fünf Stücken einen lebendigen Querschnitt durch das reichhaltige Repertoire dieser insbesondere vom osteuropäischen Judentum geprägten Volksmusik. Die charakteristische Melancholie intonieren die Musiker gekonnt; wenn Samuel Seifert an der Geige lasziv die Töne von unten anschleift und Tilman Löser prononcierte Begleitrhythmen in die Klaviertasten haut, fehlt nur noch Karolina Trybalas geradlinige Stimme, um den Liedern mal auf Jiddisch, mal auf Hebräisch, mal auf Polnisch kecke Vitalität zu verleihen. Trotz elektrischer Verstärkung gelingt den dreien ein samtiger und intimer Klang: Souverän bewegen sie sich zwischen robuster europäischer Liedfolklore und der komplexen Systematik arabischer Klangfigurationen.

Innigste Konzentration

Innigste Konzentration: das Duo Al-Khayyat/Thiele.

Quelle: Nora Thiele

Auf Wenige trifft das weitbekannte Goethesche Diktum von der wahren Meisterschaft, die sich erst in der Beschränkung zeigt, so zu wie auf das Duo Al-Khayyat/Thiele. In innigster Konzentration kreisen die beiden umeinander, Saif Al-Khayyat an der Oud und Nora Thiele an einer Vielzahl arabischer Perkussionsinstrumente, und legen einen meditativen Schleier über das gebannt lauschende Publikum. Drei auf irakischen „Maqamat“, also modalen Tonvorräten, basierende Stücke präsentieren sie und entfalten dabei eine Klangpalette von hypnotischer Sogkraft.

Viel verzweigter als unser zwölfstufiges System sind die Skalenstrukturen, aus denen Al-Khayyat hier ausgeklügelte melodische Architekturen auf der Oud entwickelt, einem direkten Vorfahren der europäischen Laute. Doch wer nur an den prächtigen melodischen Ornamentierungen entlanghört, verpasst die diffizilen und nuancenreichen rhythmischen Akzente, die Thieles Perkussionsspiel zu weit mehr als einem untergeordneten Begleitapparat machen. Pulsierende Grundmetren reichert sie mit so farblich ausgetüftelten Binnenrhythmen an, dass man kaum glauben mag, es handele sich nur um eine einzige Spielerin. Fast jedem in der Thomaskirche steht die Verzauberung ins Gesicht geschrieben.

Eigentlich nicht nötig, danach noch einmal zum alten Bach zurückzukehren. Wohl mehr ein Feigenblatt des evangelischen Kirchentags wirkt das Dona nobis pacem, geradezu ausgelagert und sogar recht verlegen, wie es entfernt von der Empore herabschallt und in eine Frühjahrsnacht entlässt.

Von Alexander Faschon

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