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Sinfonisches und hämmernde Beats: Fünfte Audio Invasion zieht 2500 junge Gäste ins Gewandhaus

Sinfonisches und hämmernde Beats: Fünfte Audio Invasion zieht 2500 junge Gäste ins Gewandhaus

Immer, wenn der Winter näher kommt, verwandelt sich das Gewandhaus für einen Abend zum alternativ(los)en Club. Am Samstag war es mit der fünften Ausgabe der Audio Invasion wieder so weit.

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Audio Invasion - das etwas andere Gewandhaus-Erlebnis.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Dieses Jahr mit 2500 Besuchern und fulminantem Line-Up. Es gibt viele Gerätschaften, die braucht kein Mensch. Elektrische Pfeffermühlen zum Beispiel. Etliche Apparaturen hingegen müssen zeitnah erfunden werden. Ganz weit oben auf der Liste steht etwas, das es ermöglicht, sich an mehreren Orten – in diesem Fall den drei Floors, die sich in dieser Nacht über das Gewandhaus verteilen – gleichzeitig aufzuhalten.

Noch mehr Fotos gibt es bei Leipzig-Live.com.

Unkompliziert gestaltet sich die Lage noch am frühen Abend, als das Gewandhausorchester das junge, hippe Publikum im rot-blau ausgeleuchteten Konzerthaus begrüßt. Im Großen Saal gibt es Strawinsky für alle. Zwei Mini-Suiten und das Ein-Akt-Ballett „Pulcinella" dirigiert Michail Jurowski nicht ohne Humor und Tänzeleien. Gleich mit unter seine Fittiche nimmt er die Zuhörer, die eigentlich immer klatschen wollen, meist aber noch nicht sollen. Nur dass man nicht mitten im Konzert aufspringt und auf quietschenden Sneakersohlen raus spaziert, lässt sich in dieser einen Stunde anscheinend nicht vermitteln.

An deren Ende jedenfalls bricht sich ausufernder, Gewandhaus-untypischer Jubel im fast vollen Saal Bahn – Applaus, begeisterte Rufe und Pfiffe. Dabei entsteht ein skurriler Moment: Noch während Orchester, Solisten und Dirigent sich vorn verneigen und Blumensträuße ihre Besitzer wechseln, fangen die dunkelroten Sitze an zu vibrieren. Durch einige schon geöffnete Türen dringen starke Bässe in den Saal. Die Mezzosopranistin hört sie auch, lachend tanzt sie ein wenig.

Akustischer Techno: Kleine Sounds schlängeln sich durch strukturierte Musik

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Audio Invasion 2011: Fulminantes Line-Up.

Quelle: Regina Katzer

Draußen, auf dem Floor im Hauptfoyer, beginnen nun die Raum-Zeit-Materien-Problematik und das Feuerwerk des völlig anderen Stils. Da spielen mit den drei Herren von Brandt Brauer Frick welche, die ihren Techno zu Recht „akustisch" nennen. Kleine Sounds schlängeln sich durch ihre starke, sehr strukturierte Musik. Es knistert, ein Regenmacher plätschert. Binnen kürzester Zeit tanzt der volle Floor, und die Fensterfront zum Augustusplatz klappert bedrohlich.

Kurz darauf treten unweit Nôze auf, in ihrem Rücken der Schriftzug „Gewandhauskasse". Der Fokus der beiden Franzosen liegt heute auf Balkan-Beats, an denen sie sich großzügig bedienen und die sie mit Techno und Jazzigem verschränken. Heraus kommen Lieder wie „You Have To Dance", die Euphorie auffangen und unglaublichen Spaß machen. Deshalb ist es eng und heiß auf der Tanzfläche, einige Gesichter glitzern, jemand wedelt mit einem roten Luftballon.

Ebenso energisch, nur etwas exzentrischer zeigen sich die Kanadier von Azari & III. Sie tragen Turban, Sonnenbrillen und tanzen zu ihrem Synthie-Pop, in den sich manches 90er-Sample schleicht. Beide Sänger reißen bei Songs wie „Manic" und „Hungry For The Power", die seit Monaten durch die Clubs geistern, problemlos Grenzen zwischen Stimmlagen und Genres ein. Schon allein dafür, dem live beizuwohnen, dürfte sich der Ticketkauf gelohnt haben.

Sowieso findet man Beweise für die Richtigkeit seiner Investition, wohin man tritt: Beim pathetischen Electro-Pop von When Saints Go Machine treffen sich die Freunde des entspannten Rumsteh-Konzerts, bei Szene-Star Henrik Schwarz die Anhänger des gepflegten House. Beardyman baut aus den Loops seiner Beatbox-Sounds ein fast unglaubliches Drum‘n‘Bass-Konstrukt; Electro-Clash-Legende Peaches legt zwar leider „nur" ein DJ-Set vor, dafür ein sehr taugliches. Und bei lokalen Helden wie Bené oder Peter Invasion lässt sich sowieso generell nicht viel falsch machen.

Es ist eine Nacht, in der die Zeit verfliegt. Eine Nacht, für die man in jeder Hinsicht vor dem Veranstalter den Hut ziehen muss. Eine Nacht, die leider auch irgendwann endet. Langsam leert sich die erhabene Kulisse. In einigen Ecken wird geknutscht, in anderen geschlafen, und mancher gibt trotz erheblicher Schlagseite sein Bestes in der Disziplin „Souverän geradeaus Gehen". Die Dunkelheit verschluckt alle, deren Köpfe von der Musik und einem Abend schwirren, den man musikalisch sicher zu den aufregendsten des Jahres rechnen darf. Wenn allerdings nächstes Jahr wieder der Winter naht, dann brauchen wir diese Personen-Teil-Maschine. Echt.

Theresa Wiedemann

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