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So intim wie noch nie: Erika Pluhar und ihr Roman "Die öffentliche Frau"

So intim wie noch nie: Erika Pluhar und ihr Roman "Die öffentliche Frau"

Alles beginnt scheinbar harmlos. Eine prominente Frau diktiert einem Journalisten, der daraus einen Artikel machen will, ihr Leben in den Block. Die Diva und der Herr Redakteur.

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Erika Pluhar in der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Am Ende wird es ein Buch sein. Dieses Buch.

Erika Pluhars neuer Roman "Die öffentliche Frau" spielt wie ihre vorangegangenen Bücher auf witzige Weise mit der eigenen Biografie, mit Wahrheit und Fiktion. Das wäre an und für sich ein wenig fad, wie der Österreicher sagt, weil die Pluhar in ihrem bewegten Leben immer wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestanden hat und biografische Details unzählige Male durchgekaut wurden.

Ihre Ehen mit dem angeblichen Verbrecher Udo Proksch und dem Allroundkünstler André Heller beispielsweise. Der Selbstmord des mit ihr liierten Schauspielers Peter Vogel und der tragische Tod ihrer Tochter Anna. Die kometenhafte Schauspielkarriere am Wiener Burgtheater mit jähem Ende, das unerschütterliche politische Bekennen. Nie hat die Pluhar sich vor etwas versteckt oder sich für etwas geschämt.

Nun aber setzt sie noch eins drauf. Sie erzählt alles - zumindest scheinbar. So intim war sie noch nie. Der Titel ist deshalb wohl nicht von ungefähr der gleiche wie der von Andrzej Zuawskis filmischen Erotikdrama aus dem Jahre 1984.

Warum aber scheut jemand auch bei den schwersten Schicksalsschlägen weder Öffentlichkeit noch Medien? Ein Schlüsselerlebnis, eine Talk-Show, in der sie gedemütigt wurde, führt die Pluhar zu dem Entschluss, sich nie wieder in ihrem Leben öffentlich bloßstellen zu lassen. "Du wirst ab nun deine selbstbewusste Haltung und Gelassenheit keinen Augenblick mehr verlieren, wenn es öffentlich zugeht! Es genügt, dass dir all dies im privaten Umfeld so oft nicht gelingt, dass du dich privat immer wieder kleinmachen lässt, blödsinnig leicht zu verunsichern bist und viel zu viel weinst. Die öffentliche Frau wird das nie mehr zulassen!!!"

So ist es also eine Flucht nach vorn, die zum Befreiungsschlag wird. Die Pluhar gibt ihre Antworten auf die Frage, wie öffentlich ein Mensch sein kann, darf und soll. Und paradoxerweise führt das zu dem Schluss, dass in der Öffentlichkeit leben, nicht sich selbst verlieren bedeuten muss. Der Redakteur wird am Ende zum Partner auf Augenhöhe. Denn der eine kann eigentlich nicht ohne den anderen.

Erst da wird klar, dass die Pluhar mit diesem Buch zurückschlägt. Sie ist mit ihrer absoluten Offenheit zum Gegenangriff übergegangen. Sie hat sich ins Schaufenster gestellt und die Gaffer ausgelacht, bis denen das Gaffen vergangen ist. Die Suche nach Sensationen entfällt künftig mangels Masse. Es gibt keine Geheimnisse mehr. Zumindest keine, die die Pluhar noch irgendwann einmal lüften würde.

Erika Pluhar: Die öffentliche Frau. Roman. Residenz-Verlag; 288 Seiten, 12,99 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.09.2013

Roland Herold

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