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So isses halt: Element of Crime im ausverkauften Leipziger Haus Auensee

So isses halt: Element of Crime im ausverkauften Leipziger Haus Auensee

Wenn im Repertoire einer Band ein Lied "Delmenhorst" heißt, muss die Band einfach gut sein. Zumal, wenn "Delmenhorst" noch so etwas wie ein Hit wurde, in dem sich exemplarisch komprimiert, was diese Band vor allen anderen auszeichnet.

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Süße Schwermut: Sven Regener im Haus Auensee.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Wenn nicht einzigartig macht.

Am Samstag gaben Element of Crime ein Konzert im dafür lange schon ausverkauften Haus Auensee. Und wieder einmal fragt man sich angesichts der Publikumsmassen, warum diese doch gar nicht auf Hit-Appeal zielende, schnoddrige Musik in all ihrer Was-soll's-Melancholie bei derartig vielen offenbar einen Nerv trifft.

Man könnte fast doch noch zum Philanthropen werden. Denn gänzlich übel kann es um die Gattung nicht bestellt sein, die textsicher Zeilen wie diese mitsingt: "Ich bin jetzt da, wo ich mich haben will / und das ist immer Delmenhorst." Denn: "Erst wenn alles scheißegal ist / macht das Leben wieder Spaß." Dieses Lebenszeitverschlendern auf der "Straße der Verdammten / die hier Bremer Straße heißt."

Natürlich kommt "Delmenhorst" auch Samstag erst in der Zugabe-Runde. Allerdings eröffnen Sven Regener und Band gut zwei Stunden früher den Reigen auch schon mit einem Song, der hier tief im kollektiven Gedächtnis haftet: Auch "Damals hinterm Mond" ist eine elegische Ode ans Träumen von der großen Welt in der kleinen Provinz, wo der Baggersee ein Ozean und die Ente ein Schwan ist. "Was haben wir gelacht, damals hinterm Mond."

Zeilen, die im Publikum eben nicht nur mitgesungen werden, sondern von denen jeder genau zu begreifen scheint, wovon sie sprechen. "Noch ein Hit?", fragt Regener dann auch gleich nach dem Mondlied. Um darauf "Immer so weiter" zu spielen, auf dass einem der Gedanke komme: Ja, das könnte jetzt wirklich immer so weiter und weiter gehen und man bekäme es nicht satt.

"Lieblingsfarben und Tiere" heißt die neue CD von Element of Crime. Die Songs davon fügen sich passgenau ins Gesamt-Œuvre. Als ruhiger Midtempo-Fluss mit gelegentlichen Stromschnellen. Lakonische Lebensbetrachtungen. Gedanken und Reflektionen, wie man sie an süß schwermütigen Spätsommernachmittagen pflegt. "Am Morgen danach", "Rette mich vor mir selber" heißen die Stücke.

Und dann ist da dieses "Liebe ist kälter als der Tod", benannt nach dem Fassbinder-Film. Leicht, fast wie schwankend kommt es daher und könnte bitterer nicht sein. Aber auch hier bleibt dieses Achselzucken: "Irgendwas ist immer, und Liebe ist kälter als der Tod." So isses halt. Was will man sich aufregen, was soll man verzweifeln?

Obwohl: Später gibt es dieses "Immer nur geliebt". Jenen Song, den Regener einst, im Jahr 2000 war das, für Leander Haußmanns Bochumer "Peter Pan"-Inszenierung dem Kapitän Hook auf den Leib schrieb. Die Rolle übrigens gab damals die große Margit Carstensen, die ihrerseits ja einst viel für Fassbinder spielte.

"Womit sich ein Kreis schließt", wie Regener mit Verweis auf "Liebe ist kälter als der Tod" sagt. Um dann, verstärkt mit Backgroundgesang durch das Duo Apples in Space, das schon den Support bestritt, eben "Immer nur geliebt" zu spielen. Es ist der verzweifelt herzzerreißende Gänsehauthöhepunkt des Abends. Ein Song, in dem der sterbende Hook dem Peter ein paar Wahrheiten ins Gesicht sagt: Die, dass er ihn "Immer nur geliebt" habe etwa. Und dass er, der Peter, ohne ihn, den Hook, jetzt nichts als ein Sitzpinkler, Schnittchenschmierer und Tierfilmgucker sein wird. Peter Pan, ein Durchschnittstyp aus Delmenhorst. Einer wie wir alle.

Wegen der großen Nachfrage kehren Element of Crime am 30. Mai, 20 Uhr, nach Leipzig zurück - auf die Bühne im Clara-Zetkin-Park, Karten für 41,20 Euro: LVZ-Media-Store (Höfe am Brühl), LVZ-Geschäftsstellen, Ticket-Hot­line 0800 2181050 und www.lvz-ticket.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.03.2015

Steffen Georgi

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