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So klingt der See: Vierter Kaos-Kultursommer am malerischen Ulrichsteich

So klingt der See: Vierter Kaos-Kultursommer am malerischen Ulrichsteich

Der vierte Kaos-Kultursommer vereint von Juni bis August Theater, Musik und Literatur in Aufführungen und Workshops an einem idyllischen Teich in Alt-Lindenau. Im Rahmen des Festivals feiert das Jugendkulturzentrum, das seit 2006 zur Kindervereinigung Leipzig gehört, seinen 20. Geburtstag.

Alt-Lindenauer Natur-Idyll: Unter freiem Himmel schmiegt sich die Kaos-Seebühne an den Ulrichsteich.

Quelle: Alexander Nichelmann

Die Brauerfamilie Ulrich wusste schon, wo man die Seele baumeln lassen kann. Ende des 19. Jahrhunderts gab Patron Friedrich August an einem malerischen See, der bald Ulrichsteich genannt wurde, den Bau einer Villa in Auftrag. Sie sollte zum Sommersitz jener Sippe werden, der die "Stadtbrauerei Leipzig" gehörte.

Rund 120 Jahre später musizierte Fabian Schütze beim Kaos-Kultursommer auf der Seebühne und schwärmte, dass es "der wohl schönste Ort" sei, "an dem ich je gespielt habe". Er müsse sich zusammenreißen, sagte er während seines Auftritts, "dass ich mich nicht umdrehe, euch den Rücken zuwende und das ganze Konzert über auf den See starre". Schütze nennt sein Ein-Mann-Klangprojekt offenbar nicht zufällig "Me and Oceans".

Vom 22. Juni bis 10. August könnte es etlichen Musikern, Schauspielern und Szene-Literaten ähnlich ergehen. Hingegen werden es die Zuschauer des vierten Kaos-Kultursommers einfacher haben: Wenn sie Richtung Bühne schauen, ist der Blick auf den Ulrichsteich inklusive. 1300 Besucher verzeichnete die Kulturwerkstatt der Kindervereinigung Leipzig 2012 bei ihrem mehrmonatigen Festival aus Konzerten, Theater und Workshops.

Die ersten Gäste werden auch dieses Jahr zur Premiere des Kaos-Sommertheaters am 22. Juni erwartet. Isabella Hertel-Niemann und ihr Ensemble nehmen sich Federico García Lorcas poetisches Drama "Yerma" vor. Seit Januar arbeiten die Regisseurin, acht Schauspieler und Musiker Thomas Hertel an der Inszenierung. "Die Musik steht stärker als sonst im Vordergrund", kündigt Hertel-Niemann an. Instrumentalisten begleiten live, sogar ein Chor kommt zum Einsatz - nach Vorbild der antiken Tragödie.

Dass sich ihr Ehemann, bis 2008 musikalischer Kopf des Schauspiels Leipzig und kurz nach der Verabschiedung damals noch mit dem Leipziger Theaterpreis ausgezeichnet, gegen eine "kleine Aufwandsentschädigung", so Hertel-Niemann, an dem Off-Kultur-Projekt beteiligt, steht sinnbildlich für das Kaos-Kulturschaffen: Trotz geringen Budgets ist der Anspruch hoch. "Mein Mann macht nicht nur mir zuliebe mit, sondern auch, weil er gern mit jungen Menschen arbeitet", sagt die Regisseurin.

Die Begegnung jugendlicher Laien-Darsteller mit professionellen Künstlern sei Teil des Konzepts ihrer Kurse. "Im Unterschied zu einem soziokulturellen Ansatz steht durchaus im Vordergrund, dass gutes Theater entsteht." Es ist demnach das Kulturamt und nicht das Jugendamt, das das "Yerma"-Projekt mit 3000 Euro fördert. Weitere 3000 Euro schießt die Behörde dem Kaos-Kultursommer als Ganzem zu, der zudem durch die Bürgerstiftung Leipzig unterstützt wird.

Im Wesentlichen drei "Festivals" finanziert das Kaos-Team mit dem Geld. In Kooperation mit dem Deutschen Literaturinstitut wird die Seebühne im Juli zunächst zum Podium für Lyrik und Prosa. Bevor abends namhafte Autoren wie Carl Christian Elze und Julia Dathe lesen, finden tagsüber Workshops statt. "Wo, wenn nicht hier, kann man umherschweifen und sich inspirieren lassen", findet Maria Schüritz, Leiterin des Kultursommers.

Als Kind entdeckte die heute 28-Jährige in den damaligen Kaos-Kursen allerdings eher ihre Leidenschaft für Musik als für Literatur. Sie genießt in Leipzig heute vor allem als Musikerin einen guten Ruf, die ihre Lieder in maschinellen Endlosschleifen entwickelt. Einen eigenen Auftritt beim Seeklang-Festival oder dem genreübergreifenden Loop-Art-Festival an zwei aufeinanderfolgenden Juli-Wochenenden versucht Schüritz jedoch zu vermeiden, wie sie lächelnd sagt. Das muss nicht unbedingt klappen: In den vergangenen Kultursommern sprang sie immer wieder kurzfristig für verhinderte Kollegen ein.

Wenn der Kultur-Reigen im August mit einem Gastspiel der Cammerspiele endet, schließt die Werkstatt bald auch für ihre regelmäßigen 270 wöchentlichen Nutzer vorübergehend die Pforten. Die alte Ulrich-Villa wird von September bis 2015 saniert. Vollkommene Ruhe kehrt dann aber nicht ein. Am anderen Ufer des u-förmigen Sees zwitschern Vögel in ihrem Schutzgebiet. Die Tiere finden den Ulrichsteich auch nicht so schlecht.

Programm

Sommertheater

"Yerma" von Federico García Lorca

22. Juni, 20.30 Uhr: Premiere, gleichzeitig eröffnet die Ausstellung "Kaos ist 20!" in der Treppenhausgalerie; weitere Theater-Termine: 29., 30. Juni, 5. und 6. Juli, jeweils 20.30 Uhr

Literatur-Festival

12. Juli, 19.30 Uhr: Lyrik mit Lea Louisa Kolodzie, Sascha Heße, Andra Schwarz, Carl Christian Elze

13. Juli, 19.30 Uhr: Prosa mit Johannes Hein, Julia Dathe, Kai Mertig

13., 14. Juli, 10 bis 18 Uhr: Workshops

14. Juli, 19.30 Uhr: Open Stage

Seeklang-Festival

19., 20. Juli, jeweils 19.30 Uhr: Konzerte von Two Wooden Stones, Dolus Mutombo, Neo Kaliske, Pigeon Toed

20., 21. Juli, 10 bis 17 Uhr: Workshops

21. Juli, 19.30 Uhr: Open Stage

Loop-Art-Festival

26., 27. Juli, jeweils 19.30 Uhr: Konzerte mit Hudson Arc, Jarése, My Organ Principle, inKlang und Radiolux (Performance)

27. Juli, 10 bis 18 Uhr: Workshops (Jonglage und Sound-Loops)

Sommertheater der Cammerspiele

7. bis 10. August, jeweils 19.30 Uhr:"Sein oder Nichtsein" von Ernst Lubitsch

Kurz nach Eröffnung des Kultursommers findet am 23. Juni von 12 bis 17 Uhr in der Kaos-Kulturwerkstatt (Wasserstraße 18) der Workshop "Klangimpulse - Jeder kann musizieren" statt, Anmeldung: m.schueritz@kaos-leipzig.de, Kosten: 15/10 Euro; www.kaos-leipzig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2013

Mathias Wöbking

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