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„Solange ich noch so jung bin“

Peter Kraus kommt ins Gewandhaus „Solange ich noch so jung bin“

Peter Kraus, der deutsche Elvis, prägte den Rock ’n’ Roll wie kein Zweiter. Auch die Hüften schwingt der 76-Jährige immer noch problemlos. Im Mai kommt er ins Gewandhaus nach Leipzig. Im Interview spricht er über die Freundschaft zu Udo Jürgens, seine Zukunftspläne und gelegentlichen Genrewechsel.


Quelle: LVZ

Leipzig. Sie gaben 2014/2015 eine große Abschiedstournee. Nun kommen Sie mit Zugabe-Konzerten „Das Beste kommt zum Schluss!“ in ausgewählte Städte zurück. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied nach 59 Jahren im Musikgeschäft?

Das wird sich herausstellen. (lacht) Schwer, zu sagen. Das heißt auch nicht, dass ich nie wieder auf der Bühne stehen werde. Ich habe gesagt, ich möchte keine anstrengende zusammenhängende Tournee mehr machen. Aber es kann schon sein, dass Einzelkonzerte folgen. Ganz von der Bildfläche verschwinden werde ich nicht.

Kann man also mit weiteren Platten von Ihnen rechnen?

Ja. Ich habe gerade den Song „Jede Menge Leben“ über Udo Jürgens gemacht. Das Lied haben wir in der letzten Sendung von Florian Silbereisen vorgestellt, und ist sehr gut angekommen. Den Song gibt es noch nicht auf Platte, sondern nur zum Herunterladen im Netz.

Wovon handelt „Jede Menge Leben“?

Der Song beschreibt einfach unsere Verbindung: Dass wir in der Jugend sehr starke Freunde waren, uns dann aber aus den Augen verloren haben. Udos Tod fiel genau in die Zeit, als ich mir überlegte, eine Zugabe-Tournee zu machen. Das hat mich sehr verunsichert. In dem Song verarbeite ich meine Ängste. Da sind so Zeilen drin, wie „Schöner Sterben auf der Bühne: Ist das wirklich, was ich will?“.

Wie haben Sie Udo Jürgens kennengelernt?

Als ich 16 und Udo 21 Jahre alt waren, waren wir zusammen auf der Piste. Es war einfach die erste Zeit in München. Man kann es auch die Jung-Playboy-Zeit nennen.

Sie haben sich nach Udos Tod also die Frage gestellt, ob auf der Bühne zu sterben, wirklich erstrebenswert ist? Was hat Sie so geschockt?

In der letzten Zeit schien mir Udo zu viel zu machen. Ich glaube, auch wenn wir auf der Bühne so wirken, als sei das Alter an uns spurlos vorbei gegangen – so ist es ja nicht –, muss man einfach ein bisschen vernünftiger sein. Ich kann zwar die Leistung abrufen, die ich noch vor vielen Jahren gebracht habe, aber ich muss dann früher ins Bett.

Ihre Zugabe-Tour 2016 mit 17 Konzerten wird ebenfalls anstrengend sein. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Ach, da mache ich ein paar Körperübungen.

Im Fitnessstudio?

Nein. Ich versuche, den Sport mit meinem Alltag zu kombinieren, weil ich dieses stumpfsinnige Vor-Sich-Hin-Trainieren als Zeitverlust empfinde. Ich gehe lieber die Treppen rauf und runter, ziehe am Gummiband und stehe beim Zähneputzen auf einem Bein. Ich habe noch nie in meinem Leben irgendeine kasteiende Kur gemacht, um dann wieder Schweinebraten zu essen.

Sie haben den Rock ’n ’Roll-Hüftschwung wie kein anderer geprägt. Tragen Sie mittlerweile ein künstliches Hüftgelenk?

Nein, das ist noch alles super. Alles echt. (lacht) Es knistert auch nicht oder knackst.

Würden Sie sich jemals unters Messer legen, um jünger auszusehen?

Nein. Dann würde ich auf den Hüftschwung verzichten. Den kann man nur machen, so lange er ohne Schmerzen funktioniert. (lacht)

Als Frauenschwarm sind sie seit 46 Jahren in glücklicher Ehe. Wie kommt es, dass Sie als deutscher Elvis Presley nie durch negative Schlagzeilen aufgefallen sind?

Ich hab mit 16 Jahren ziemlich früh angefangen. Die Mädels haben mich verfolgt – ich war sehr früh satt. Damals war sehr viel los. Über diese Dinge könnte man heute jeden Tag in der Klatschpresse lesen. Aber damals hat sich Gott sei Dank niemand für so etwas interessiert. Man wollte die heile Welt haben, ohne Skandale. Wir waren sehr unbehelligt.

Und wie haben Sie das Leben damals als junger Star erlebt?

Sehr lebhaft. Udo hat immer diese Geschichte erzählt, dass er mich um eines wahnsinnig beneidet: Nämlich, dass sich ein Mädchen vor mein Auto geworfen hat und schrie: „Peter, Peter, überfahr mich, bitte überfahr mich!“ Es gab auch keine Bodyguards nach dem Konzert oder in den Gasthöfen. Da kam es schon vor, dass das Zimmer schon besetzt war, wenn man eintrat, oder sich ein Mädchen im Kofferraum versteckt hatte. Damals war alles freier. Eine sehr lustige Zeit.

Bei den Pariser Terroranschlägen im November wurden auch Konzertbesucher niedergeschossen. Haben Sie jetzt Angst, aufzutreten?

Nein. Das Leben ist sowieso ein Risiko. Wenn ich Angst hätte, könnte ich nicht arbeiten. Das ist ja gerade das Schöne auf der Bühne, dass man wirklich in sich lebt und aus der Seele singt. Wenn man anfangen würde, währenddessen zu beobachten, ob da einer schief schaut – ja um Gottes willen. Das wäre schrecklich. Dann würde ich lieber davon abraten.

Als 14-Jähriger lernten Sie Gitarre, nahmen Gesangsunterricht, belegten Schauspiel- und Stepptanzkurse: Warum haben Sie sich ausgerechnet für den Rock’n’Roll entschieden?

Mein Vater hat nachts in einer Bar noch neben seiner Schauspielerei Sinatra Songs gesungen. Dann kamen die Tanz- und Revuefilme von Fred Astaire und Gene Kelly. Ich lernte Jazzgitarre. Plötzlich kam die Kunde vom Rock’n’Roll aus Amerika. Das war die Musik der Jugend: einfache Harmonien mit drei Akkorden. Geht in die Beine, ist locker, leicht und beschwingt. Das hat mich begeistert.

Sie haben Popsongs wie Marterias „Lila Wolken“ oder Culcha Candelas „Hammer“ in Rock’n’Roll vertont. Warum nicht auch „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer?

„Atemlos“ war noch nicht da, als wir auf Tournee gegangen sind. Man kann auch nicht jeden nehmen. Aus einem gerappten Lied etwas anderes zu machen, ist viel reizvoller als aus einem Schlager.

Wird Rock ’n’ Roll durch solche Genrewechsel unsterblich? Oder ist die Musik ein sterbendes Format?

Nein, Rock ’n’ Roll wird überhaupt nie aussterben. Vor allen Dingen deshalb, weil wir gerade wieder eine Zeit erleben, wo diese Musik zu einem Schlagwort wird. Das wird ja fast so populär wie cool. Ich höre oft Jugendliche sagen: „Hey, das ist Rock’n’Roll!“ Außerdem planen wir jetzt gerade ein Projekt, um Jugendlichen zu erklären, was Rock’n’Roll ist, und wie er entstanden ist. Ich glaube, dass ein wahnsinniges Interesse von der Jugend besteht.

Werden Sie dafür eine Stiftung gründen?

Ich weiß noch nicht, mal schauen. Es ist doch faszinierend, dass Rock ’n’ Roll so ein geflügeltes Wort ist – das auf jeden Fall ist unsterblich.

Was verbinden Sie mit Leipzig?

Dass ich die Stadt ein bisschen kenne, weil ich früher beim MDR gearbeitet habe. Damals gab es die Sendung „Langer Samstag“, die habe ich ungefähr sechs oder sieben Mal moderiert und unter anderem Paola und Kurt Felix sowie Michael Schanze interviewt.

Bei welchem Lied werden Ihnen in Leipzig die Tränen kommen?

Das kann eigentlich nur der Song „Jede Menge Leben“ sein. „Manchmal“ ist ein Titel, den ich auch sehr liebe. Ansonsten ist mein Programm eher von der heiteren, beschwingten und augenzwinkernden Seite – manchmal ein bisschen ironisch. Es ist nicht so viel Besinnliches oder Nachdenkliches dabei. Ich möchte die Leute unterhalten, so dass sie glücklich, beschwingt und tanzend heimgehen.

Haben Sie denn noch Lampenfieber, wenn Sie die Bühne betreten?

Wenn ich etwas Neues mache, schon. Aber auch bei bereits Ausprobiertem, habe ich das Lampenfieber, das ich brauche, um einfach gut auf der Bühne zu sein.

Sie finden es also nicht schlimm ...

Nein, es ist witzig. Das muss sein. Wenn jemand rausgeht und routiniert sein Ding abzieht, ist es meistens nicht so gut, wie man denkt. Es gibt immer irgendeinen neuen Moment. Dieser Nervenkitzel ist ja auch das Schöne.

Ein Abschied für immer ist es nicht, aber werden Sie sich trotzdem einem Ihrer Hobbys widmen?

Ja, der Malerei. Ich habe dafür nie wirklich Zeit gehabt. Das beschränkt sich nicht nur über einen Nachmittag. Da muss man drin sein. Malerei ist etwas, das man mit Mut machen muss, sonst kommt nichts dabei heraus. Zumindest bei meiner Art.

Welchen Stil verfolgen Sie?

Sehr poppig. Ich wollte immer alles Mögliche malen. Aber ich kann anfangen, wo ich will, es wird immer eine Frau. (lacht)

Haben Sie sich selbst auch schon einmal gemalt?

Nein, Selbstporträts machen große Maler. Ich glaube, so weit bin ich noch nicht.

Was halten Sie im Leben für erstrebenswert?

Das klassische Leben. Nach dem Motto: Jetzt habe ich mich da ausgetobt, nun kommt eine neuer Abschnitt. Alle zehn Jahre eine neue Phase. Ich finde es schrecklich, wenn Menschen versuchen, ihr Leben lang denselben Stil durchzuziehen. Ich bräuchte zum Beispiel noch einmal eine Lebensphase, wo ich die Bücher nachholen kann, wozu ich nie gekommen bin. Das würde ich mir eigentlich noch wünschen. Aber ich habe diese innere Ruhe nicht und will sie auch nicht – so lange ich noch so jung bin.

i: „Zugabe! Das Beste kommt zum Schluss“: Peter Kraus, 02.Mai 2016, 20 Uhr, Gewandhaus zu Leipzig, Tickets sind erhältlich im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 08002181050. und auf www.lvz-ticket.de

Preis: ab 53,50 Euro.

Von Melanie Steitz

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