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Sommerwiesen und Parkbuchten

Sommerwiesen und Parkbuchten

Das könnte gut zum Hochsommer passen. "Blumenmeere" verspricht Christian Herzig und scheint sie auch zu liefern. Die großen Tafeln sind über und über mit bunten Blüten gefüllt, nicht illusionistisch, sondern dekorativ.

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"Blumenmeere" von Christian Herzig in der Galerie Kleindienst.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Orientalische Teppiche scheinen trotz der Missachtung von Symmetrien mehr noch Vorbild zu sein als mitteleuropäische Tapeten. Bei den kleineren Bildern ist die Malweise gelegentlich etwas naturalistischer. Manche könnten so vor 100 Jahren in Worpswede entstanden sein.

Herzig wurde aber 1975 im thüringischen Bad Salzungen geboren und hat bis 2009 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Fachklasse Neo Rauchs studiert. So kommt die Vermutung auf, dass es ihm nicht vordergründig um die Rehabilitierung eines Sujets geht, das in den letzten Jahrzehnten mehr zum Kunstgewerbe als zum Angebot namhafter Galerien gehörte. Zwar scheint er Blumen tatsächlich zu lieben und sich dafür nicht zu schämen, doch schon die Verknüpfung einer kompletten Flächenfüllung mit unregelmäßigen Strukturen, die dabei entstehen, macht stutzig. Auch wenn wie bei Seurat ein Farbelement ans nächste gereiht wird, entsteht im unscharfen Fernblick kein Gesamtbild. Und schaut man dann näher hin, wird schnell klar, dass er es mit der Botanik nicht so ganz genau nimmt. Da scheint sich auch Meeresgetier in die Wiese verirrt zu haben, winzige Palmen ebenso.

Das uralte, mehr noch in der Volkskunst als der Salonmalerei beliebte Motiv unschuldiger und bedeutungsferner floraler Schönheit nutzt Christian Herzig unter Einbeziehung kunsthistorischer Referenzen für theoriegeladene Versuchsanordnungen. Wann kippt der Blütenzauber um in Abstraktion? Es ist offenbar eine Frage der Distanz. Die Voraussetzungen des malerischen Arbeitsprozesses sind also mehr sein Thema als Chrysanthemen und Alpenveilchen.

Deutlich anders ist die Kunst David Röders. Er ist acht Jahre jünger als Herzig, stammt aus einem Ort mit dem verheißungsvollen Namen Eden und hat ebenfalls an der HGB studiert, aber bei Annette Schröter.

Röder will etwas erzählen, auch wenn die Geschichte bisher noch keinen Plot und keinen Abschluss hat. Eine ganze Wand im Nebenraum der Galerie hat er mit einer Bleistiftzeichnung überzogen - ein schwer verkäuflicher Augenfänger. Der Duktus erinnert an Kinderbilder, die Komplexität des schwer zu entschlüsselnden Geschehens aber mehr an bestimmte Graphic Novels. Der Hang zu dem mit dem unschönen und nicht immer zutreffenden Attribut "trivial" stigmatisierten Randbereichen der Kunst ist bei vielen Arbeiten zu erkennen. Er stellt sogar eine in Glasgow, wo er ein einjähriges Zusatzstudium absolvierte, gefundene Zeichnung eines Unbekannten aus.

Sie fällt nicht auf, schon durch die Größe von zehn mal sieben Zentimetern, ordnet sich in das eigene Schaffen ein. Daneben hat David Röder einen bemalten Teller - noch ein Fundstück - gehängt. Ein Mädchen im rosa Kleid springt fröhlich mit Tasche und Langspielplatte durch eine Gebirgslandschaft. "Sound of Music" liest man. Die benachbarte Radierung hat er durch die Bemalung des Rahmens in den Rang eines Unikats erhoben. Die weiteren, nicht gerade großen Bilder auf Papier haben zwar düstere Grundtöne, wirken trotzdem nicht depressiv. Dazu trägt erneut die comicartige Reduzierung und Verzerrung der Personen bei, deren Tun nicht immer erkennbar wird.

In der Verwendung scheinbar vertrauter Standards, in neue Zusammenhänge gesetzt, treffen sich bei aller Verschiedenheit die Konzepte Röders und Herzigs.

Bis 7. September, Di-Fr 13-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr; Galerie Kleindienst, Spinnereistraße 7 in Leipzig

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.08.2013

Jens Kassner

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