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Sonja Wunderlich - Meisterin bildhafter Symbole

Sonja Wunderlich - Meisterin bildhafter Symbole

Jeder Mensch hat eine interessante Geschichte. Die LVZ-Serie "Gesichter in Leipzig" porträtiert Leute, die auf sich aufmerksam machen. Typen, die außergewöhnliche Ideen haben.

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Die Grafikerin Sonja Wunderlich.

Quelle: Archiv

Oder auch das ganz alltägliche Original von nebenan. Heute: die Grafikerin Sonja Wunderlich.

Taucht in der Bücherwelt der Name Wunderlich auf, denken Eingeweihte meist an Gert, den Erfinder der Maxima, den Gutenbergpreisträger, den emeritierten Professor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dabei wäre der Meister ohne seine Frau Sonja wahrscheinlich weniger erfolgreich. Sie hat nicht nur manche der von ihm gestalteten Bücher illustriert oder mit Schutzumschlägen ausgestattet, sondern seit ihrer Heirat vor 54 Jahren arbeiten sie eng zusammen.

So ist die stille, zurückhaltende Grafikerin, die bei Elisabeth Voigt, Egon Pruggmayer und im Grundstudium bei Wolfgang Mattheuer studiert hat, nicht etwa das beachtenswerte weibliche Accessoire eines berühmten Buchgestalters, sondern eine eigenständige Künstlerin. Als Buch- und Plakat-, Signet- und Briefmarkengestalterin, als Illustratorin genießt sie seit Jahrzehnten einen guten Ruf. Davon zeugen nicht nur zahlreiche Auszeichnungen, sondern auch die Tatsache, dass ihre Arbeiten und Entwürfe in Museen zwischen Essen und Leipzig, zwischen Zürich und Ogaki zu betrachten sind.

Auf ihren eigenen Erfolg angesprochen, lächelt Sonja Wunderlich. "Ich habe Schriftmalerin gelernt, mein Mann war Schriftsetzer. Kennengelernt haben wir uns dann während des Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Und ich glaube, dass unsere ursprünglichen Berufe neben der Liebe zur Kunst wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Partnerschaft im Leben und bei der Arbeit sind", sagt sie.

Geboren wurde sie vor 78 Jahren als Sonja Mirtschin in Rodewitz an der Spree, quasi im Schatten des Mönchswalder Berges. Und es ist kein Geheimnis, dass Leute aus dem Lausitzer Bergland nicht besonders beredt, dafür aber sehr fleißig und ehrgeizig sind. So ist sie mit ihrem Mann um die halbe Welt gereist, hat nicht nur neue Eindrücke aufgenommen, sondern auch ihre Arbeiten präsentiert.

Welche ihrer Illustrationen, Plakate, Signets oder Briefmarken liebt die Grafikerin besonders? "Meist ist das das Liebste, woran man gerade beschäftigt war. Hinzu kommt: An unserem soeben erschienenen gemeinsamen Buch ,Graphik-Design-Splitter' hat auch unsere Tochter Sylke-Katja mitgearbeitet. Es ist eine Übersicht über die Arbeit meines Mannes und die meinige, quasi ein Überblick über unser Leben und Werk", antwortet die Künstlerin.

Zu sehen sind darin unter anderem jene aufgeschlagenen Bücher, die seit 1972 in jährlich wechselnden Farben für den durchaus bedeutenden Wettbewerb der "schönsten Bücher der DDR" warben. Der Einband zu "Briefen" von Georg Büchner, Zeichnungen zu Walter Böttgers "Kunst im alten China", Buchumschlag, Haupttitel, Einband und eine Doppelseite aus "Gärten der Goethe-Zeit" sowie Ersttagsbriefe und ein Briefmarkenbogen zum 250. Jubiläum des Gewandhausorchesters sind neben vielen anderen Entwürfen zu bestaunen.

Bleibt die Frage: Was wäre Gert Wunderlich wohl ohne seine Frau? Für Elmar Faber ist es immer wieder ein Mysterium, "warum wir Männer uns ausgerechnet dieser einen Frau angeschlossen haben - und umgekehrt gilt das genauso -, ohne die unsere Bewegungsbahnen wahrscheinlich ganz anders geworden wären". Bei den Wunderlichs hatte der Verleger immer das Gefühl, dass "der Knopf genau an die Jacke passt, damit der Wind unser Herz nicht kalt stellen kann." Besser kann man es wohl nicht formulieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.02.2014

Rolf Richter

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