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Spätfolge der Bodenreform - Ost-Museen müssen Kulturgüter an Erben herausgeben

Spätfolge der Bodenreform - Ost-Museen müssen Kulturgüter an Erben herausgeben

Gemälde, Möbel, Tafelsilber: Ostdeutsche Museen verlieren mit Monatsende formal tausende Kunstgüter an Alteigentümer. Ob noch ausgestellte Stücke, die im Zuge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und eindeutig identifiziert wurden, auch am 1. Dezember abgeholt werden, ist unklar.

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Die bronzene Löwenstatue im Terrassengarten vor dem Kleinen Schloss in Blankenburg (Landkreis Harz).

Quelle: Archiv

Dresden. Genaue Angaben zur Gesamtzahl gibt es nicht, der Provenienzexperte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Gilbert Lupfer, geht von einer fünfstelligen Höhe aus.

Seit 1994 haben Museen, Bibliotheken und Archive mit Hilfe der Länder und Kommunen wichtige Stücke angekauft, als Dauerleihgaben oder zur Nutzung gegen Entgelt in Verhandlungen mit den Alteigentümern für ihre Sammlungen gesichert. Nach Inkrafttreten der Bodenreform 1945 waren in der damaligen sowjetischen Besatzungszone zahlreiche Großgrundbesitzer und Adelsfamilien ohne Entschädigung enteignet worden. Teile ihres Vermögens befanden sich seitdem in Museen oder Archiven von Kommunen, Kreisen oder Stiftungen.

Ein 1994 in Kraft getretenes Bundesgesetz sieht vor, dass Museen ausgestellte oder zur Präsentation vorgesehene Kunstwerke 20 Jahre kostenlos im sogenannten Nießbrauch nutzen und zeigen können. Danach müssen sie ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden. Diese Frist endet nun am 30. November.

Besonders betroffen sind Sachsen und Thüringen, dort gab es viele Residenzen und Adelsfamilien. Wie andere Landesmuseen haben auch die SKD enteignete Objekte aus Schlössern, Landhäusern und Rittergütern in Obhut. Vieles davon wurde seit den 1990er-Jahren schon an die ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben, etliches angekauft. „Das sind jetzt nur noch Einzelfälle“, sagte Lupfer. Denn seit 2008 werden die Bestände der 14 SKD-Museen systematisch auch danach erforscht. Beschäftigt waren die Wissenschaftler da vor allem mit Forderungen der Wettiner. Mehrfach hat der Freistaat das frühere Herrscherhaus nach 1999 mit Millionen ausgezahlt und wichtige Kunstschätze gesichert. Im Juli gab es eine endgültige Einigung.

Die Zahl vakanter und restituierter Kulturgüter ist nach Auskunft des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen statistisch aktuell nicht explizit erfasst. Nach früheren Angaben hatten dort bis 1994 rund 180 Adelsfamilien Anträge auf Rückgabe „beweglicher Sachen“ wie eben Kulturgut gestellt - vom Abendmahlkelch aus der Burgkapelle bis zu Uhren und Barometern.

In Thüringen wurden 464 enteignete Vermögenswerte rückübertragen, von denen 176 unter das Nießbrauchsrecht fielen, wie ein Sprecher des Finanzministeriums sagte. 262 Anträge sind noch nicht entschieden, darunter der größte ungelöste Problemfall: das Schlossmuseum Burgk bangt um wertvolle Kunstgüter aus Adelshäusern, die 1945 in die Sammlung kamen. „Wir sind aktuell weiter in Verhandlungen mit den Erben“, sagte ein Sprecher des Landratsamtes im Saale-Orla-Kreis. Die großen Adelshäuser hatten sich mit dem Land geeinigt. Das Weimarer Herzoghaus verzichtete ebenso wie das einstige Herrscherhaus Sachsen-Coburg und Gotha auf alle Rückgabeansprüche, darunter auf Teile des Unesco-Welterbes wie das Goethe- und Schiller-Archiv und die Fürstengruft.

Landesweit gibt es 26 Museen und Einrichtungen, die noch verhandeln. „Es sind zumeist Einzelfälle: mal ein Jagdgewehr, mal eine Sturmhaube, mal drei Gemälde“, beschrieb ein Sprecher des Kulturministeriums. Auch der Museumsverband erwartet keinen Aderlass. In Sachsen-Anhalt sind laut Kultusministerium noch 200 Anträge offen, wo es um rund 18 000 Stücke von der Kuchengabel bis zu Teppichen und Büchern geht. Das auslaufende Nießbrauchsrecht werde die Sammlungen nicht lichten, sagte ein Sprecher.

Bei besonderem Landesinteresse seien vielfach Lösungen gefunden worden. So wurde die prominente Löwenstatue in Blankenburg (Harz) zwar ans Haus Hannover restituiert, kann aber per Leihvertrag an ihrem Platz bleiben. Das Haus Anhalt verzichtete auf 15 Gemälde, etwa Fürstenbildnisse von Cranach.

In Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) war jahrelang über den Verbleib der Kunstsammlung der mecklenburgischen Herzöge verhandelt worden. Im März kam es zur Einigung, das Land zahlte 9,5 Millionen Euro für 258 Kunstwerke - Gemälde, Skulpturen, Möbel. Für nicht erworbene Stücke der etwa 400 Objekte umfassenden Sammlung konnten eine zehnjährige unentgeltliche Leihgabe und ein zeitlich unbeschränktes Vorkaufsrecht vereinbart werden. Die Kulturstiftung der Länder hat Ankäufe bedeutender Konvolute und Sammlungen unterstützt, mit bisher rund vier Millionen Euro. „Das ist nur ein Bruchteil dessen, was insgesamt geflossen ist“, sagte Generalsekretärin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

Von 20 Förderanträgen sind 14 inzwischen abgeschlossen. „Teils laufen Gespräche noch.“ Und manches in den Depots sei auch noch gar nicht gefunden, bei anderen Stücken kann die Herkunft nicht geklärt werden. „Dafür muss es unbedingt eine Regelung geben.“ SKD-Experte Lupfer plädiert für ein Bundesgesetz, wie mit überwiegend drittklassigen Sachen umzugehen ist, die sich nicht zuordnen lassen. „Abgesehen von der Kostenfrage will man auch nichts im Bestand haben, was da nicht hingehört.“

dpa

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