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Spaßgesellschaftliche Wuchtbrummenmusik: The Bad Plus im Liveclub Telegraph

Spaßgesellschaftliche Wuchtbrummenmusik: The Bad Plus im Liveclub Telegraph

Dichte Trauben für ein Jazzpublikum unterdurchschnittlich junger Leute auf der Treppe runter zum Telegraph, drin auf der Bühne ein überdurchschnittlich konventionell anmutendes Instrumentarium: Klavier, Bass, Schlagzeug und nur ein paar Mikrofone.

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Konventionelles Instrumentarium, ungewöhnliche Musik: Pianist Ethan Iverson, Bassist Reid Anderson, Schlagzeuger David King im Liveclub Telegraph.

Quelle: André Kempner

"Ihr alle wisst, warum ihr hier seid", sagt Stefan Heilig, Geschäftsführer des Jazzclubs Leipzig, in die Konservendosen-Enge hinein und heißt dann ausdrücklich die Berliner willkommen, die diesmal nicht das Vergnügen haben, diese Band auf ihrer Tour vor Ort erleben zu dürfen.

Ein schlicht klassisches Pianotrio zur Barveredelung der gehobenen Kategorie sind die drei von The Bad Plus nicht. Manche nennen sie die amerikanische Antwort auf das Esbjörn Svensson Trio. Ja, aber - The Bad Plus bilden eine eigene Kategorie. Spaßgesellschaftliche Wuchtbrummenmusik, satt, schwer und immer tapfer auf die Zwölf, sich einfräsende Themen, aberwitzige Coverversionen von Nirvana, Abba, Pixies und so fort, ruppige Anverwandlungen und ausgefuchste Bekennerschreiben, mit denen die Demarkationslinie zwischen Jazz und Rock lustvoll überschritten wird von drei Herren, die sehr unterschiedlich anmuten.

Pianist Ethan Iverson sieht mit Pokerface, Anzug und Krawatte aus wie ein Bankbeamter, dem man nicht unbedingt vertrauen möchte, Bassist Reid Anderson, der sich im Fortgang der Ereignisse als staubtrockener Entertainer erweist, wie der Prototyp der in sich ruhenden Mittelklasse seines Landes, und Drummer David King erinnert mit seiner weißen Bommelmütze an Jens Martin Knudsen von den Färöer Inseln, der 1990 die historisch wichtigste Schlacht seines Landes gewann, als er als Torwart beim 1:0 gegen Österreich seinen Kasten sauber hielt. Die wie zufällig verteilten Tattoos auf Kings Armen aber kennzeichnen ihn als Spieler der nächsten Generation.

Er ist der extrem geordnete Springteufel der Band, der in jedes Thema, jedes Metrum, jede Vorgabe seiner Kollegen so unüberschaubar viele treibende Ziselierungen schlägt, dass man staunt, wie er dabei die Kontrolle behält. Mitunter trifft er sich zum griffigen Unisono mit Iverson, was immer wieder ein heftiges dramaturgisches Element zur Erzeugung der Suggestivkraft dieser Band ist, wozu Anderson einen felsenfesten Grund legt. Das beginnt mit einer insistierend sich steigernden Ballade, bei der Iverson mit ironischer Ökonomie das Thema trickreich umdribbelt, zieht bei späteren Stücken das Tempo an, um immer wieder in schelmischen Pathos zurückzubremsen.

Das meiste Material stammt von der neuen CD "Made Possible", auf der sie ihren Spielwitz in Eigenkompositionen ausleben. Das ist in der Summe organischer, irgendwie domestizierter, doch wie eh herrscht auch da dieses Kontinuum des Druckaufbaus, das Grunge Rock verinnerlicht hat und Elektrobeats. Also gibt es als Zugabe dann doch so ein berückendes Cover: "Flim" von Aphex Twin, auch das wieder hintergründig gegen festgefahrene Hörgewohnheiten gesteuert. Stehender Beifall in strahlenden Gesichtern, die Geschichte geht weiter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.05.2013

Ulrich Steinmetzger

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