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"Spiel's noch mal, Sam" - Ausstellung mit Werken Georg Brückners in der Spinnerei

"Spiel's noch mal, Sam" - Ausstellung mit Werken Georg Brückners in der Spinnerei

Für seine Fotoarbeiten hat Georg Brückmann berühmte und massenhaft reproduzierte Bilder nachgestellt. Die "Nachbilder" sowie Plastiken, Collagen oder Malerei weiterer Künstler sind jetzt in der Galerie Queen Anne auf dem Spinnereigelände zu sehen.

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Georg Brückmanns "Zimmer", digitaler C-Print auf Holz (120 x 160 Zentimeter) aus dem Jahr 2007. Abb.: Galerie Queen Anne

Quelle: galerie queen anne

Leipzig. Blickt man lange auf etwas Besonntes, gaukelt danach noch einige Sekunden die Fläche auf der Netzhaut herum - in Komplementärfarben. Das Nachbild unterscheidet sich vom ursprünglichen Eindruck, hat aber Bezug zu ihm. In der Kunst gibt es nach der ersten Welle des Recyclings in den70er Jahren jetzt eine zweite. Die erste stand unter dem Schlagwort der Postmoderne. Die heutige hat offenbar damit zu tun, dass nach hundert Jahren Avantgarde die Möglichkeit, Neues zu schaffen, immer enger wird. Wenn schon Déjà-vu, dann ganz bewusst, denken sich viele Künstler. Einige Möglichkeiten des Nachbildens sind gegenwärtig bei Queen Anne in der Spinnerei zusammen getragen worden.

Georg Brückmann hat Fotografien, die 2011 bereits in der Kunsthalle der Sparkasse zu sehen waren, nochmals hervorgeholt. Sie beziehen sich auf Vorlagen aus verschiedenen Jahrhunderten und ästhetischen Ebenen. Von Vermeer über Hopper und ein Dokumentarfoto aus dem spanischen Bürgerkrieg bis hin zum Cover der Beatles-LP "Abbey Road" hat er aus Alltagsdingen berühmte und massenhaft reproduzierte Bilder nachgestellt und abgelichtet. Eine Aneignung der witzigen Art.

Viel weniger bekannt, und dennoch vertraut sind die visuellen Bezüge Daniel Müller-Jansens. Seine Helden heißen Poldi, Hansi oder Lilly. Die Knipsereien auf selbstgebastelten Suchanzeigen vermisster Haustiere hat er samt den unvermeidlichen Verblassungen und Verfärbungen reproduziert. Durch die Aufblähung in Plakatgröße und das Galerieumfeld wird die Trauer der Suchenden von der Frickelei ins Erhabene befördert.

Tote Tiere scheinen es auch Erik Weiser angetan zu haben. Eine Schwalbe beispielsweise. Doch das Objekt, das da an der Wand hängt, ist kein Sommervogel mit Gabelschwanz, sondern ein gleichnamiger Motorroller aus Suhl. Er wurde durch eine Presse gejagt. Ebenso die Matchboxautos nebenan, die in verglasten Kästen aufgereiht sind wie Schmetterlinge in einer Sammlung. Durch die Verformung ähneln sie tatsächlich bunt schillernden Insekten mit ihren Fühlern, Beinchen und Flügeln.

Ganz direkt benennt Jörg Ernert seine Vorbilder. Hokusai gehört dazu, Chardin, de Hooch und andere. Deren museale Werke hat er in lockerer, impressionistisch anmutender Acrylmalerei nochmals zu Papier gebracht. Ähnlich geht Tino Geiß vor, doch statt Farbe benutzt er Abdeckband, das als Nebenprodukt seiner malerischen Tätigkeit anfällt, um in einer Art von Collage sich damit Vorbilder anzuverwandeln. Noch etwas ungewöhnlicher ist das Material von Inna Levinson. Bunte Knete kennt man zwar schon als Basis von Animationsfilmen, in der hehren Bildkunst kommt sie aber selten vor. Mit dieser leicht infantilen Technik modelliert die Ukrainerin ausgerechnet Motive im Zwischenfeld von Religion und Erotik, optisch verschiedenen Kulturkreisen entlehnt. Was in der gedämpften Dreidimensionalität wie Arabesken aussieht, kann sich als menschliche oder tierische Figuration erweisen.

Hinzu kommen noch Plastiken von Elena Kozlova, die Kollegen wie Valie Export oder Louise Bourgeois in einer für die Personen charakteristischen Weise porträtiert, sowie Malereien von Sahar Zukerman. Der Israeli beschäftigt sich mit der Legende vom Golem.

Gemeinsam ist den versammelten Nachbildern, dass sie im Unterschied zu der häufig in der Appropriation Art anzutreffenden Trockenheit einer Kopiermaschine mit viel Humor und Ironie an die Aufgabe der Zweit- und Drittverwertung herangehen. Das macht sie nicht einfach erträglich, sondern wirklich interessant.

Nachbilder: bis 21. Dezember; geöffnet Di-Fr 13-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr; Galerie Queen Anne, Spinnereistraße 7 in Leipzig

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.12.2013

Jens Kassner

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