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Sponsorensuche fürs Tübke-Bild und den Gegenentwurf in Leipzig

Sponsorensuche fürs Tübke-Bild und den Gegenentwurf in Leipzig

Sie waren einst am und im alten Hauptgebäude der Leipziger Uni am Augustusplatz installiert und als DDR-Propagandakunst nach der Wende Gegenstand von Kontroversen: das monumentale Marx-Relief an der Fassade und das Panoramagemälde "Arbeiterklasse und Intelligenz" von Werner Tübke (1929-2004) im Innern.

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Seit 2011 ziert dieses Graffito im Uni-Hörsaalbau jene Wand, an der eigentlich das Tübke-Bild hängen soll.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dem Relief, geschaffen von Frank Ruddigkeit, Klaus Schwabe und Rolf Kuhrt, wurde letztlich ein Standort auf dem Campus an der Jahnallee zugewiesen und das vierzehn Meter lange Gemälde sollte eigentlich im neuen Hörsaalbau auf dem City-Campus installiert werden. Doch nach der Demontage und Einlagerung 2006 hat es das Licht der Welt nicht wieder erblickt. Stattdessen prangt seit über zwei Jahren an jener dem Tübke-Werk vorbehaltenen Wand ein Graffito mit sarkastischen Comic-Kommentierungen zu selbigem.

 Gescheitert ist nun auch eine von der Uni-Kustodie und dem Studentenrat ins Spiel gebrachte Variante, nach der übergangsweise eine Kopie des Bildes gefertigt und angebracht werden sollte. Nach LVZ-Informationen hatte sich auch die Witwe des Malers, Brigitte Tübke-Schellenberger, mit einer solchen Verfahrensweise arrangiert. Demnach sollte die Reproduktion in Form einer bedruckten Folie entstehen. Doch das sei jetzt "vom Tisch", sagte Uni-Sprecher Carsten Heckmann auf Anfrage. "Es wäre ein Druck gewesen, der aus unserer Sicht keine ausreichende Qualität gehabt und auch erhebliche Kosten verursacht hätte." Außerdem hätte diese Variante schnell zu einer Dauerlösung werden können, was nicht im Sinne der Uni sei, denn es werde weiter die Wiederaufstellung des Originals angestrebt. Heckmann: "Konzept und Planung dafür sind fertig, aber das Geld fehlt." 110 000 Euro seien für eine klimatisierte Großvitrine nötig, die das Werk im Hörsaalbau vor Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte schützen soll.

 In einem der LVZ vorliegenden Brief hatte Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen bereits Ende August an Brigitte Tübke-Schellenberger geschrieben, dass "ich Ihnen in Sachen der Reproduktion nicht die gewünschte positive Antwort geben kann". Allerdings wolle sich Rektorin Beate Schücking um die Formierung einer "Gruppe von Geldgebern" für die Installation des Originals bemühen. Heckmann betonte, die Rektorin sei auch bezüglich des geplanten Bildes "Aufrecht stehen" immer wieder im Gespräch mit potenziellen Unterstützern und Sponsoren. Wie berichtet, war der im September verstorbene Schriftsteller und Leipziger Ehrenbürger Erich Loest ein entschiedener Gegner der erneuten Aufhängung des Tübke-Gemäldes, auf dem auch SED-Funktionäre verewigt sind. Denn "den Zerstörern aller Tradition, die sich selber Sieger der Geschichte nannten, werde damit weiter bildnerischer Ruhm zuteil", empörte sich Loest und kämpfte bis zuletzt für den Gegenentwurf namens "Aufrecht stehen".

 In seinem Auftrag hatte der Leipziger Künstler Reinhard Minkewitz zwei Varianten davon geschaffen, ins Bild gesetzt sind Protagonisten des studentischen Widerstandes sowie die wegen ihrer Systemkritik gemaßregelten und dann in den Westen gegangenen Professoren Ernst Bloch und Hans Mayer. Loests Wunsch, eine dritte große Version des Gemäldes möge gefertigt und an der Uni gezeigt werden, blieb bisher unerfüllt. "Wir wollen das existierende Tübke-, als auch das noch zu schaffende Minkewitz-Gemälde in räumlicher Nähe präsentieren, brauchen für beides aber Sponsoren", so Heckmann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2013

Mario Beck

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