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Stadtrat wählt Andris Nelsons zum Gewandhauskapellmeister

CDU provoziert Eklat Stadtrat wählt Andris Nelsons zum Gewandhauskapellmeister

Der Leipziger Stadtrat hat am Donnerstag Andris Nelsons als Nachfolger für Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly gewählt. Kulturdezernent Michael Faber (parteilos) sprach von einem Glücksfall für Leipzig.

Andris Nelsons ist zum Leipziger Gewandhauskapellmeister gewählt worden.

Quelle: Archiv

Leipzig.  Der Leipziger Stadtrat hat am Donnerstag Andris Nelsons als Nachfolger für Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly gewählt. Kulturdezernent Michael Faber (parteilos) sprach von einem Glücksfall für Leipzig, einen Mann für das Gewandhaus zu binden, dessen Wirken bereits jetzt in die Metropolen der Welt strahle. Die CDU sorgte für einen Eklat mit ihrer Kritik am Wahlverfahren.

Ende Juli 2016 wird Riccardo Chailly als Gewandhauskapellmeister abberufen. Ab Februar 2018 folgt nun Nelsons, der auch das Boston Symphonic Orchestra leitet. Nelsons sei der Wunschkandidat des Orchesters, sagte Faber. Der Dirigent stehe für eine innovative Interpretationen und habe es selbst eine Ehre genannt, künftig mit dem Gewandhausorchester in Leipzig arbeiten zu dürfen. Das versüße etwas den Abschied von Riccardo Chailly, der für Leidenschaft und eine hohe Intellektualität in der Interpretation der Partituren stehe, so Kulturdezernent Faber. Riccardo Chailly beendet seine dritte Amtsperiode in Leipzig aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen vorzeitig.

Ursprünglich sollte Nelsons ab dem 1. Mai 2017 nach Leipzig kommen, konnte dann aber bestehende Verpflichtungen doch nicht so schnell wie erwartet lösen. Der 36-Jährige soll aber bereits ab der Saison 2016/2017 als designierte Gewandhauskapellmeister tätig werden.

CDU übt Kritik am Wahlverfahren

In der Regel folgt die Wahl im Stadtrat für dieses Amt reibungslos nach der künstlerischen Auswahl. Die CDU provozierte einen Eklat, indem sie die Personalie mit einer Kritik am Wahlverfahren und der Organisation der Eigenbetriebe Kultur verknüpfte. Andrea Niermann von der Union sprach davon, dass die Stadträte zu „Stimmvieh“ degradiert würden. In die Ausschuss-Gremien sei die Personalie erst gelangt, nachdem der Oberbürgermeister schon entschieden und Nelsons der Öffentlichkeit als neuer Gewandhauskapellmeister vorgestellt worden sei.

Nach Ansicht der Union ist das Wahlverfahren intransparent: „Alle Fakten müssen auf den Tisch, natürlich auch die Vertragssummen“, sagte sie. Insgesamt passe das Verfahren, das für einen Eigenbetrieb Kultur gemacht sei, nicht zu den Anforderungen des Weltmarktes, auf dem ein Top-Dirigent für ein Orchester mit Weltruf verpflichtet werden müsse. „Wir brauchen eine neue Kulturpoltitik in Leipzig“, forderte Niermann.

„Ich habe mir die Verträge angeguckt, und meiner Fraktion empfohlen, zuzustimmen“, sagte dagegen Kultur-Ausschussvorsitzende Annette Körner. Ausschuss-Kollegin Skadi Jennicke von der Linksfraktion betonte, Leipzig werde beneidet, dass es jemanden wie Nelsons ohne viel Aufhebens gewinnen konnte. Es sei unwürdig, wenn in einer Rede zur Wahl des neuen Gewandhauskapellmeisters das Wort „Stimmvieh“ falle. „Herr Nelsons und das Gewandhausorchester haben sich gefunden. Das muss man auch mal akzeptieren“, so Jennicke.

Auch Axel Dyck, SPD-Fraktionschef zeigte sich bestürzt über die Diskussion, die von der Union über die Personalie Nelsons aufgebracht wurde. Er dankte dem Orchestervorstand und der Gewandhausleitung wie auch dem Oberbürgermeister, die alles in die Wege geleitet hätte, damit die Wahl von Nelsons stattfinden könnte. Nelsons wurde schließlich auch mit den Stimmen der Union gewählt.

Von Evelyn ter Vehn

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