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„Stadtschreiber“ Clemens Meyer bringt sächsischen Underground an den Rhein

Leipziger Literaturstar „Stadtschreiber“ Clemens Meyer bringt sächsischen Underground an den Rhein

Der 32. Mainzer Stadtschreiber Clemens Meyer bringt sächsischen Underground an den Rhein. Geboren in Halle und aufgewachsen in einem Leipziger Arbeiterviertel, atmen seine Werke die Radikalität eines Lebens jenseits bürgerlicher Sicherheiten.

Der neue Mainzer Stadtschreiber, aufgenommen vor seiner Stadtschreiberwohnung in Mainz neben einer Gutenberg-Büste.

Quelle: dpa

Leipzig/Mainz. Der 32. Mainzer Stadtschreiber Clemens Meyer bringt sächsischen Underground an den Rhein. Geboren in Halle und aufgewachsen in einem Leipziger Arbeiterviertel, atmen seine Werke die Radikalität eines Lebens jenseits bürgerlicher Sicherheiten.

„Präzise und einfühlsam erzählt Meyer von prekären Existenzen, Freundschaften am Abgrund, von Bier, Gewalt und Boxen, zart und traurig, kämpferisch und berührend“, erklärte die Jury bei ihrer Entscheidung für die Vergabe des Stadtschreiber-Preises. Meyer sei „ein luzider Kenner der Literatur, ein souveräner Stilist“. Er kenne sich aus „in den Abseiten unserer Gesellschaft“.

Als Fußballfreund kennt Meyer auch das Abseits. Allerdings interessiere ihn die 5. oder 6. Liga mehr als die Bundesliga, sagt er am Donnerstag in seiner neuen Stadtschreiberwohnung. Der Fußball sei ihm zu kommerziell geworden - „es gibt keine richtigen Typen mehr, nur glattgebügelte Wohlstandsjünglinge“.

Neben Gelegenheitsarbeiten studierte Meyer bis 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Drei Jahre später legte er seinen ersten Roman vor, der auf Anhieb erfolgreich war. In „Als wir träumten“ verarbeitete er persönliche Erfahrungen als Jugendlicher in Leipzig. 2008 folgte eine Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel „Die Nacht, die Lichter“, 2010 der Titel „Gewalten. Ein Tagebuch“. Mit der Darstellung von Zwangsprostitution und Sexarbeit löste der Roman „Im Stein“ 2013 kontroverse Diskussionen aus.

Im vergangenen Jahr trug Meyer bei den Frankfurter Poetik-Vorlesungen vor. Der bereits mit mehreren Preisen geehrte Schriftsteller arbeitet auch für Theater und Film. In Zusammenarbeit mit dem Leipziger Filmemacher Thomas Stuber schrieb Meyer zwei Drehbücher, von denen das für den Film „In den Gängen“ 2015 mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde.

Von LVZ

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