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Städtische Museen in Leipzig: Keine Furcht vorm Adel

Städtische Museen in Leipzig: Keine Furcht vorm Adel

Leipzigs Museen fürchten sich nicht vorm Adel. Im November 2014 läuft das Ausgleichsleistungsgesetz aus, das die Sammlungen verpflichtet, Kulturgüter zurückzugeben, die während der sowjetischen Besatzungszeit enteignet worden waren.

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Das Grassi-Museum in Leipzig

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das bringt für viele Museen in Sachsen und Thüringen Probleme. Hintergrund: Das Gesetz wurde 1992 vom Bund beschlossen und gestattet ostdeutschen Museen 20 Jahre lang die betroffenen Kulturgüter zu nutzen - und damit bis November 2014. Doch die meisten Fälle in Leipzig sind längst geregelt.

 "Wir hatten rund 15 Restitutionsfälle mit sächsischen Adelsfamilien, die wir alle einvernehmlich geklärt haben", sagt Eva-Maria Hoyer, die Direktorin des Grassi Museums für Angewandte Kunst. Die Familie Krug von Nidda, die zu den Verhandlungen häufig direkt aus London anreiste, erhielt zum Beispiel ein größeres Konvolut Gläser, Porzellane und Möbel zurück. "Gütlich einigen konnten wir uns unter anderem über einen barocken Wellenschrank, den wir 1998 erwerben konnten", erzählt Hoyer. Dieser ist ebenso wie ein zweiter Wellenschrank, den das Museum ebenfalls 1998 von der Familie von Watzdorf, ehemals Rittergut Störmthal, ankaufen konnte, seit 2007 in der Ausstellung am Johannisplatz zu sehen.

 Von Anfang an wurde im Museum für angewandte Kunst intensiv Provenienzrecherche betrieben, die Experten sind dabei auch direkt auf Alteigentümer zugegangen. Dabei konnte in den meisten Fällen Einvernehmen erzielt werden. Ein Beispiel seien die früheren Eigentümer von Schloss Wiederau. Sie bekamen Gemälde und Skulpturen wieder, im Gegenzug schenkten sie dem Museum das Freundschaftsdenkmal von 1782, das im Außenbereich steht. Ein komplizierter Restitutionsfall, an dem mehrere Museen beteiligt sind, sei aber noch offen. Dabei geht es vornehmlich um Objekte in Berlin und Potsdam sowie einen kleineren Teil in Leipzig. Geklärt werden muss, ob die Ansprüche des Adelshauses gerechtfertigt sind. "Die Verhandlungsführung liegt bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz/Staatliche Museen zu Berlin und wir sind von der generellen Lösung, die dort gefunden wird, abhängig", so Vizechef Olaf Thormann. Die Rechtslage sei schwierig. "Unstrittig ist allerdings, dass die betreffenden Objekte nicht von unserem Museum regulär erworben worden sind."

 Das Stadtgeschichtliche Museum hat im Vorjahr 286 Münzen und Medaillen, die aus dem ehemaligen Inventar des Rittergutes Rüben stammen, den Eigentümern überreicht. "Ein komplizierter Fall", so Karin Kühling, die die zentrale Dokumentation leitet. Diesen habe das Amt für offene Vermögensfragen aber gelöst. Im Museum für bildende Künste gibt es derzeit keine aktuellen Vorgänge, die das Ausgleichsleistungsgesetz betreffen. In den Vorjahren hat es aber zahlreiche Restitutionen von Gemälden und Plastiken gegeben. Darunter waren auch Forderungen der Familie Krug von Nidda, die 89 Gemälde und sieben Plastiken erhielt. Neun Gemälde konnten für die Sammlung angekauft werden. Jüngste Restitutionen betreffen die in den 1950er-Jahren unter fragwürdigen Umständen erworbene Sammlung Kummerlé. Sechs Gemälde sind erst 2012 an die Niederlande überreicht worden (die LVZ berichtete). "Die Restitutionsvorgänge, die ganze Sammlungskonvolute umfassten, sind überwiegend in den Nachwendejahren erfolgt", erklärt Jan Nicolaisen, der Leiter der Gemälde- und Plastiksammlung. Dort wird schon seit den 1990er-Jahren umfangreiche Provenienzforschung betrieben. Für jedes zwischen 1933 und 1945 erworbene Werk der Sammlung Malerei/Plastik existiert ein Rechercheprotokoll, das alle Kenntnisse zum Erwerb dokumentiert. Aktuelle Rückgabeforderungen gibt es nicht. "Das heißt aber nicht, dass nicht auch zukünftig noch einzelne Werke zu restituieren sein werden, wenn entsprechende Entscheidungen vorliegen", so Nicolaisen. Einhelliger Tenor der städtischen Museen: Was unrechtmäßig erworben wurde, geht an die Eigentümer zurück.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.01.2014

Mathias Orbeck

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