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Stechuhr und Räucherstäbchen: Post-Punk-Pioniere Killing Joke im Werk 2

Konzert Stechuhr und Räucherstäbchen: Post-Punk-Pioniere Killing Joke im Werk 2

Idole von Idolen: Killing Joke, die okkulten Hohepriester des (Post-)Punk, haben einen der nur drei Konzerttermine ihres aktuellen Tourabschnittes Leipzig vorbehalten.

Ungebrochen diabolisches Charisma: Killing-Joke-Sänger Jaz Coleman im Halle D des Werk 2.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Süße Schweinchen gab es auf den Handrücken gestempelt, als Einlasskennung zu einem der wohl düstersten Konzerte des Frühsommers: Killing Joke, die okkulten Hohepriester des (Post-)Punk, hatten für ihre düstere Séance einen der nur drei Konzerttermine ihres aktuellen Tourabschnittes Leipzig vorbehalten und gastierten Freitagabend im Werk 2 in Originalbesetzung mit einem karriere­umspannenden Set.

Idole von Idolen, in diese Schublade passen sie wohl am besten, neben Bands wie Joy Division oder den Misfits. Auch wenn derlei Rolle nicht selten eine tragische ist, blieben Killing Joke Zeit ihrer vielschichtigen Karriere immerhin kommerziell stets hinreichend erfolgreich, auch wenn man in der schlussendlich mäßig gefüllten Halle D der Kulturfabrik bestenfalls eine Ahnung davon bekommt.

Aber die Liste der Künstler, die sie stilprägend beeinflusst haben, ist lang und deutlich prominenter, als es die Band selbst je war, hier reiht sich etwa Metallica an Nirvana neben die Nine Inch Nails. Killing Joke selbst befeuern diesen Status, indem sie ihren Song „Eighties“ am Freitag damit ankündigen, hier hätte sich Kurt Cobain bedient.

Analog solcher Kult- und Nerd-Umstände aus der Rockhistorie ist das Publikum neben ein paar stilecht düster-punkig Herausgeputzten eher geprägt von denen, die in urbaner Betriebsamkeit längst ihren Szenen entwachsen sind. Man wiegt zur Musik, aber Pogo bleibt aus, vereinzelte Patchouli-Wolken werden schnell von den Bühnen-Räucherstäbchen überdeckt.

Die stechuhrartige Zeitplanung des Abends lässt viele den Anfang verpassen. Die finnische Deathrock-Hoffnung „Grave Pleasures“ muss sich als Support Punkt Acht mit einem nicht einmal halbvollen Saal begnügen. Zwar wirkt ihre Diabolik arg angestemmt, dafür überzeugen sie mit intensiven Melodien und dem eindringlichen Gesang des Ex-Beastmilk-Sängers Mat McNerney. Auch als Punkt Neun Killing Joke die Bühne betreten, wird es noch gut drei Lieder dauern, bis die Halle ihren Füllstand erreicht hat. Noch bevor die Nacht richtig beginnt, sind die Nachtgestalten gegen halb Elf auch schon wieder von der Bühne verschwunden.

Ein weiterer Nachteil: Mit nur etwa 15 Songs am Abend ist das Versprechen eines karriereumspannenden Konzerts aus allein 15 Studioalben kaum einzuhalten, gefühlt fehlen etliche Kulthits, auf andere, in Krachwände ausartenden Noise-Nummern hätte man wiederum verzichten können.

Während die übrigen Bandmitglieder stoisch ausloten, in welch gelangweilter Körperhaltung Punk zu spielen gerade noch möglich scheint, zeugt immerhin Sänger Jaz Coleman auch nahezu ungeschminkt von ungebrochen diabolischem Charisma. Kontrastierend dazu bedankt er sich zwischen den Songs hin und wieder freundlich beim Publikum fürs Erscheinen. Freilich, nach knapp 40 Bühnenjahren schleicht sich in Colemans Bühnengebaren durchaus Ozzy-Osbourne-Ähnlichkeit ein, wenn auch deutlich nüchterner.

Von Karsten Kriesel

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