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Stephenie Meyers "Twilight"-Saga und die Sehnsucht nach der reinen Liebe

Stephenie Meyers "Twilight"-Saga und die Sehnsucht nach der reinen Liebe

Leipzig. Anämischer Jüngling mit erfolgreich gezügeltem Appetit auf Menschenblut trifft zarte Jungfrau - Millionen Leser und Kino-Fans weltweit können nicht irren.

Was macht „Twilight"-Autorin Stephenie Meyer so viel besser als ihre Konkurrenz? Literaturwissenschaftler erklären den Erfolg der Vampir-Saga um Bella und Edward.

Sehnsucht nach der reinen Liebe

Der dritte Kinofilm der „Twilight"-Saga wird ab dem 15. Juli sicher unzählige Vampirfans vor die Kinoleinwände locken. Auch die ersten vier Romane verkauften sich nach Angaben des Carlsen-Verlags bislang mehr als 7,5 Millionen Mal, der fünfte Teil ist vor kurzem in deutscher Sprache erschienen. Dabei gab es vor Stephenie Meyers Vampirromanzen bereits mehrere ähnliche Geschichten. Was also macht die Autorin besser als andere? „Meyer entwirft eine reine Liebe", erklärt Literaturwissenschaftlerin Jana Mikota von der Universität in Siegen. Sexualität fehle bis zum vierten Band gänzlich. „Und das, wo heute selbst Fußballwerbung mit nackter Haut und Weiblichkeit gemacht wird." Sie führt Meyers Darstellung allerdings nicht auf deren Mormonen-Glauben zurück, sondern deutet die romantisierende, aber auch leicht prüde wirkende Geschichte als Gesellschaftskritik. Zumal nicht nur junge Mädchen, sondern auch erwachsene Frauen von ewiger Liebe träumten.

Der Vampir als Humanist

Hinzu kommt der nette Vampir: Bei Meyer ernähren sich die Cullens, zu denen auch Edward - gespielt von Star Robert Pattinson - gehört, beispielsweise nur von Tierblut. „Der Vampir wird menschfreundlich, kapselt sich nicht von der Gesellschaft ab und will nicht mehr unentdeckt bleiben", sagt Sabine Planka, Literaturwissenschaftlerin an derselben Hochschule. Diese harmlose Variante des Blutsaugers lasse sich seit den 1980er Jahren in der Literatur nachweisen - eingesetzt, um Kindern die Angst vor Unbekanntem zu nehmen. Je älter die Leser würden, desto komplexer seien die Vampire, hat die Expertin beobachtet. „Auch bei Edward gibt es das Spiel mit der Gefahr. Er muss seine Triebe kontrollieren."

Ungesunde Abneigung gegen menschliches Leben

In genau diesem freundlich-friedlichen Bild, das Meyer von den Untoten entwirft, sieht die Philosophie-Dozentin Jennifer L. McMahon jedoch eine Gefahr. In einem Beitrag für das gerade erschienene Buch „Die Philosophie in Twilight" schreibt sie: "Twilight" favorisiert die Vampire und fördert eine ungesunde Abneigung gegen das menschliche Leben, statt eine Balance zwischen beiden zu zeigen." So werde die mit dem Tod einhergehende menschliche Existenz abgewertet. Dem widerspricht Planka: Die Achtung des menschlichen Lebens sei gerade bei den Cullens sehr hoch, weshalb sie nicht von Menschenblut zehren. „Dafür werden sie sogar von anderen Vampiren bewundert." Und auch Bella, die weibliche Hauptfigur der Saga, bereue nach der Verwandlung in einen Vampir, das Menschliche nicht mehr erleben zu können.

Sicherheit und der perfekte Mann

Und dann hat Stephenie Meyer auch noch mit einem ganz banalen Faktor dem Phänomen um die „Twilight"-Hysterie nachgeholfen: Sie brachte ihre Bücher genau im richtigen Moment auf den Markt, wie Mikota meint. „Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sehnen sich Jugendliche nach Sicherheit wie Bella sie verkörpert. Und Edward ist der perfekte Mann an ihrer Seite."

dpa/JG

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