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Sternenbestaubtes Raumschiff: Glamrocker The Sweet im Leipziger Clara-Zetkin-Park

Konzert Sternenbestaubtes Raumschiff: Glamrocker The Sweet im Leipziger Clara-Zetkin-Park

Mögen sie in nahezu einem halben Jahrhundert auch älter und beleibter geworden sein: Die Musik der Glamrockband The Sweet hat kaum an Kraft eingebüßt – wie am Samstagabend auf der Parkbühne zu erleben war.

In Leipzig am Samstag frenetisch bejubelt: Andy Scott, Peter Lincoln, Bruce Bisland und Tony O’Hara (von links).

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Es hat schon seinen Grund, warum etwa Kiss nach wie vor mit maskenhafter Gesichtsbemalung auftreten: Die schrille Optik gehört untrennbar zum Glam Rock der 70er dazu. Sichtbares Alter wirkt da eher störend, zeigt es doch diesem glitzerbunten Musikzirkus die Tragik des Vergänglichen. The Sweet, eine der prägenden Gruppen des Genres, verkleiden sich lang schon nicht mehr, nehmen aber nach fast fünf Dekaden Bandgeschichte von der Clubtour bis zum Fernsehgarten noch beinahe jede Möglichkeit mit, auf der Bühne zu stehen.

So auch am Samstag im gut, aber nicht restlos gefüllten Areal der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park. Musik, die akustisch kaum an Kraft eingebüßt hat, unverkennbare Hits, die nach wie vor in Partynächten und coolen Blockbuster-Soundtracks erklingen, werden gespielt von in die Jahre gekommenen und in die Breite gegangenen Herren. Vor der Bühne sieht es kaum besser aus, und auch das obligatorische Wiesenpublikum außerhalb der Parkbühne-Mauern ist deutlich mehr Klappstuhl als Picknickdecke. Bitter, könnte man meinen, aber nach anderthalb Stunden Rock-durchfluteten Ohren inmitten frenetischen Jubels nimmt man diesen ersten Eindruck nicht als alleinigen mit nach Hause.

Metal winkt, Punk grüßt kurz

Natürlich reicht die Stimme von Sänger und Bassist Peter Lincoln längst nicht an das Rocky-Horror-hafte Quäken des ursprünglichen Brian Connolly heran. Dafür wirkt der Reibeisen-Tenor des letzten verbliebenen Gründungsmitglieds Andy Scott gerade unter Falten und einer Frisur, die mehr nach verlorener Wette als allem andern aussieht, verrückter denn je, der von Metal- und Sleaze-Routinier Tony O’Hara sowieso. Zusammen mit Drummer Bruce Bisland finden Sweet ihre Rockstarqualitäten trotz optischer Altherrenabstriche obendrein in best gelaunter Publikumsanfeuerung, vor allem musikalisch scheuen sie sich nicht vor dem vollen Brett. Die Riffs sitzen und treffen das Publikum live sogar härter als in den Disko- oder besser „Ballroom“-kompatibel produzierten Studio­alben. Hier winkt dem Sweet-typischen Glam gern mal der Metal, dann wieder steigern sie das rhythmische Tempo derart, dass auch Glam-Kind und -Totengräber Punk kurz grüßt.

Drei Songs im Akustikgewand gönnen sie sich in der Mitte des Konzerts als melancholische Verschnaufpause, dann feuert Drummer Bisland ein Solo ab, das in seiner Virtuosität mühelos von African Beats zu Salsa und Metal übergeht.

Sie können und wollen noch, Alter hin, Bauch her. Und da zeigt sich, dass Glam Rock ist und bleibt, was es schon in den 70ern war: ein glitzerndes, sternenbestaubtes Raumschiff, das inmitten der Menschen landet, um sie mit der Kraft des Rock zu verzaubern.

Natürlich hat es eine gewisse Tragik, wenn ein Punk-Vorbild-Song wie „Teenage Rampage“ mit Fernsehgarten-Hüftschwung rhythmisch beklatscht wird und sich sowohl im Publikum unter den Funktionsjackenpärchen als auch dem Mehr-als-Bauchansatz auf der Bühne so gar kein Eindruck von Jugendaufruhr einstellen will. Aber schon der Song selbst hat mehr als 45 Jahre auf dem Buckel, und ihn dennoch hinreichend kraftvoll von seinen Machern live dargeboten zu bekommen, ist viel wert. Von nahendem Abschied kann trotz „Final“ im Tourmotto keine Rede sein: 50 Jahre Sweet gibt es 2018 zu feiern, freut sich Scott und betont: Leipzig steht schon im Tourplan.

Von Karsten Kriesel

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