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Sternstunden in Rock - Karat, City und die Puhdys in der Arena Leipzig

Sternstunden in Rock - Karat, City und die Puhdys in der Arena Leipzig

Als Licht und als Planet sowieso. Kein Wunder also, dass die Riesenbühne immer wieder blau erstrahlt. Grün und Rot mischen sich dazwischen. Signalfarben. Für Hoffnung und Melancholie, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Sehnsüchte und Träume.

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Zweieinhalb Stunden rockten am Sonnabend die Rock-Legenden rund 7000 Fans in der Leipziger Arena.

Quelle: André Kempner

Alle lieben blau. Doch wehmütig, nein, wehmütig geht es am Sonnabend zweieinhalb Stunden lang in der Arena Leipzig weiß Gott nicht zu. City, Puhdys, Karat auf einer Bühne - da weiß man, was man bekommt.

Natürlich den Sound seiner Jugend, der nach den "Sternenstunden" (neuer Song der Puhdys) mit Mauerfall und Abheben zum freien Flug nach überall immer weiter lief. City, Puhdys und Karat sind ja keine Rock-Legenden, die nur noch im Logbuch der Rock-Geschichte zu orten sind. Sie stehen schließlich immer noch auf der Bühne - und wie! Wer da am Sonnabend von diesem Hit-Feuerwerk nicht mitgerissen wird, der ist wohl nur noch ein Fall für den Rock-Medizinmann. City, Puhdys, Karat wissen, was ihre Fans hören wollen - und legen genau das auf. Nicht mehr, nicht weniger. Ein Eintauchen in Erinnerungen und in neue Lieder. Zum Mitsingen, Jubeln und Tanzen, dass einem einfach nur heiß wird, während die Gitarren von Bernd Römer (Karat), Fritz Puppel (City), Dieter Birr und Dieter Hertrampf (Puhdys) krachen oder akustisch Gefühle drücken, Georgi Gogow seine Geige jagen und klagen, fiepsen und fetzen lässt, Klaus Selmke (City), Michael Schwandt (Karat) und Klaus Scharfschwerdt (Puhdys) trommeln, dass die Halle nur so bebt. Es stimmt eben einfach alles.

Blaues Leuchten, Songfetzen klingen auf, ein Keyboard perlt, Dieter Birr legt los. Mit Gitarre und Gesang: "Plötzlich konnten wir fliegen - bis zum Horizont und wieder zurück ... "Sternenstunden", der neue Song zum Mauersturz. Toni Krahl singt ein paar Zeilen, dann Claudius Dreilich. Drei Bands stehen auf der breiten Bühne, links und rechts eine Video-Leinwand, und rocken sich ein. Ein typischer Maschine-Song. Einer, der sofort ins Ohr geht und nicht wieder raus, den man sofort mitsingen kann, nein, muss. Dann beginnt Karat. Zwei Drummer trommeln zum "Blauen Planeten", Bernd Römer schlägt harte Riffs. "Ich liebe jede Stunde" - und schon klatscht der ganze Saal. Claudius Dreilich marschiert mit dem Mikro über die Bühne. Die Karat-Show hat mit ihm unverkennbar gewonnen, Bernd Römer läuft von links nach rechts, Toni Krahl und Keyboarder Martin Becker liefern sich ein Mundharmonika-Duell. "Schwanenkönig" - und Leuchtstäbe wippen. Das dramatisch-epische "Albatros" - und ein Lichtgewitter blitzt zum Finale. "Über sieben Brücken" - und die Halle singt mit. Zu "Blumen aus Eis" kommt City-Keyboarder Manfred Hennig und Dieter Hertrampf (Puhdys) mit Akustik-Gitarre. Das ist das Prinzip. Immer wieder machen Kollegen mit, geben den Songs einen anderen, einen volleren Klang. Karat macht sogar in Puhdys - und hebt zu "An den Ufern der Nacht" ab. Maschine kommt raus.

50 Minuten sind um, zwei Minuten Umbau, drei Uhren auf dem Bühnen-Hintergrund zählen die Zeit runter. Dann kratzen die Stimme von Toni Krahl und die Geige von Georgi Gogow zum treibenden "Flieg ich durch die Welt". Wieder kommt Maschine mit Akustik-Gitarre und rauer Stimme: "Amerika". Klaus Scharfschwerdt trommelt "Helden", Bilder der Mauer auf dem Bühnen-Hintergrund. Wunderschön mit klagender Geige: Bettina Wegners "Sind so kleine Hände". Riesenjubel zur Schlusszeile "Leute ohne Rückgrat haben wir schon genug". Erinnerung an die legendäre Casablanca-LP ("z.B. Susann") - und Toni Krahl macht den Saal an. Das kann er so gut wie kaum ein Zweiter. City ist einfach eine Live-Band. Ein paar federnde Geigenstriche, zwei, drei Akkorde auf Fritz Puppels Gitarre, dann geht die Arena hoch und kocht: "Am Fenster".

Bleiben die Heizer der Puhdys. Die kommen nach einer technischen Verzögerung (die Gitarre von Maschine funktionierte nicht). Erst "Unser Schiff", dann "Geh zu ihr" mit schweren Riffs, aber alle, wirklich alle singen mit - und machen bei "Melanie" gleich weiter. "Kühle Lady" - und links am Bühnenrand wippt eine bunte, aufgeblasene Puppe. Die Erinnerung "Es war schön" (rote Uhr mit rückwärts laufendem Zeiger auf dem Hintergrund), "Wenn Träume sterben", wie gehetzt gespielt, "Wenn ein Mensch lebt" (Toni Krahl singt mit), "Lebenszeit" (Claudia Dreilich ist dabei). Inzwischen hält es keinen mehr auf den Stühlen. 7000 Fans stehen und feiern. "Alt wie ein Baum", "Hey wir woll'n die Eisbärn sehn". Das Hallendach droht abzuheben, als Bernd Römer (Karat) seine Gitarre dazu mischt. Dann schlagen alle drei Drummer den Takt: "Wir sind wir", der neue City-Song über verflossene Jahre und das Versprechen, sich selbst treu zu bleiben, gerockt von allen. Noch mal "Sternenstunde". Das waren diese Stunden in Rock aber auch tatsächlich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.10.2014

Wehrstedt, Norbert

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