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Steven Wilson überzeugt Leipziger Fans mit energiegeladener Ernsthaftigkeit

Haus Auensee Steven Wilson überzeugt Leipziger Fans mit energiegeladener Ernsthaftigkeit

Superpünktlich 20 Uhr gehen im Saal die Lichter aus. Man hat viel vor, weshalb die Band auch gleich ohne große Umschweife einsteigt. Progressive-Rocker Steven Wilson hat im Haus Auensee am Mittwochabend sein aktuelles Konzeptalbum „Hand. Cannot. Erase.“ aufgeführt. Und wurde dafür ebenso wie für ein paar weitere musikalische Höhepunkte begeistert bejubelt.

Steven Wilson und Band im Haus Auensee.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Als die „E-Musik des Pop“ wurde er schon bezeichnet, der „Progressive Rock“. Was gut passen mag. Zu einschlägigen Konzeptalben etwa, die inhaltlich gern lyrisch-kryptisch blubbern. Und zudem oft einen Sound bevorzugen, ob dem man mitunter staunt, mit wie viel eitler Ausdauer anderthalb kompositorische Ideen zum gravitätischen Ewigkeitsgedudel gepimpt werden können. Was nicht heißen soll, dass die Prog-Rock-Sparte keine gute Musik hervorzubringen vermag. Wie am Mittwoch auch im Haus Auensee zu erleben war. Im Rahmen seiner „Hand. Cannot. Erase.“-Tour gastierte dort Steven Wilson mit vierköpfiger Band plus Gastsängerin.

Superpünktlich 20 Uhr gehen im Saal die Lichter aus. Man hat viel vor, weshalb die Band auch gleich ohne große Umschweife einsteigt. Ins 2015er „Hand. Cannot. Erase.“-Album, dessen Darbietung den ersten Teil des Konzertes einnimmt.

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Progressive-Rocker Steven Wilson hat im Haus Auensee am Mittwochabend sein aktuelles Konzeptalbum „Hand. Cannot. Erase.“ aufgeführt.

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Und das zu einer im Hintergrund flimmernden Videoprojektion, die, aufs Thematisch-Konzeptuelle der Platte verweisend, existenzielle Verlorenheit in einer kalten, anonymen Welt mit Szenebildern illustriert, in denen immer wieder mal eine traurige Schöne schön traurig durch Großstadt-Tristesse wandeln darf. Was dann doch ziemlich am kunstgewerblichen Einsamkeits-Klischeekitsch langschrammt.

Im Gegensatz zur Musik. Es ist fraglos eine der großen, auch pathetischen Gesten. Aber eben mit Liebe zum Detail. Und mit Können. Das vertrackt Mäandernde wie das straight Fließende der Gitarren. Das selbstvergessen Verspielte wie das Metal-Riff-harsche Voranpeitschen. Die mitunter melodramatisch treibenden Soundkaskaden und die Keyboards, die das ins Weitflächige auffächern zwischen Wah-Wah-Verzerrungen an der Dissonanzgrenze und harmonischer Klarheit.

Es ist Musik, in der man trancehaft treiben kann. Bis zur Pause sind da schon mal gut 70 Minuten wie im Flug vorüber. Und die eigentlichen Highlights kommen ja erst noch. „Drag Ropes“ vom „Storm Corrosion“-Album eröffnet den zweiten Teil. Stücke wie „Open Car“ oder „My Book of Regrets“ folgen. Wilson pickt sich ein paar wirklich schöne Arbeiten aus seinem umfangreichen Werk. Altes, einst schon mit Porcupine Tree Eingespieltes. Und brandneues, von einer EP namens „4 ½“.

„Ruhig lang und ruhig kompliziert“

Kompositionen, die in ihrer Struktur immer wieder erst einmal „ruhig lang und ruhig kompliziert“ (Wilson) sein dürfen. Und dann doch suggestiv, geradezu eingängig funktionieren. Trotz aller Tempo- und Harmoniewechsel, trotz aller komplexen Melodieläufe, trotz allen Sound-Gefriemels, ist diese Musik eine von ganz unmittelbar energiegeladener Ernsthaftigkeit. Kurz: Rock eben. Die Attribute davor sind marginal.

Nicht zuletzt bei einem Stück wie „Don’t Hate Me“ zeigt sich das exemplarisch. Lyrischer auch, weil hier die Israelin Ninet Tayeb den Gesangspart übernimmt. Etwas, das sie im Konzert immer wieder mal tat. Damit auch einen wohltuenden Kontrast zu Wilsons auf Dauer doch etwas eintöniger Stimme bildend. Wirklich zauberhaft aber ist, wenn beide gemeinsam mit „Space Oddity“ David Bowie einen schönen Abschiedsgruß singen. Ein berührender Moment. Er passte gut in dieses weit über zwei Stunden dauernde und begeistert bejubelte Konzert.

Von Steffen Georgi

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