Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Stimmung im Keller: Wallis Bird am Frauentag in der vollen Moritzbastei

Konzert Stimmung im Keller: Wallis Bird am Frauentag in der vollen Moritzbastei

Manchmal ist die Stimmung eben im Keller. Zum Beispiel in dem der Moritzbastei. So geschehen am Mittwoch, als die irische Singer/Songwriterin Wallis Bird mit ihrem Charisma jeden Kubikzentimeter der Veranstaltungstonne füllte.

Gut beschirmt: Wallis Bird mit Band in der Moritzbastei

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Sie war schon mehrfach hier, und das plaudernde Publikum erwartet „seine“ Künstlerin. Wer mit dem Rad gekommen ist, betrachtet melancholisch die vier Schirme auf der Bühne. Noch ohne ihre Chefin gibt die Band die Vorband des Abends. Der Einstieg klingt nach Element of Crime mit einer Trompete, die sich schnell als Flügelhorn, später als Kornett erweist. Wer kann das schon unterscheiden. Sam Vance-Law singt, wie Adam Green, dass er gern mit jenen Männern tanzen möchte, die ihn lieber jagen. Emma Greenfields Stimme ist bezaubernd, das weiße Haar von Gitarrist und Klarinettist Aidan erstrahlt im Gegenlicht. Man möchte gar nicht, dass sie nach fünf Songs schon aufhören.

Kurz nach neun greift die nun vollständige Band nach den Instrumenten. Wallis Bird verkündet, dass sie erstmals seit Tagen richtig Lust hat zu spielen. Man muss ihr das nicht glauben, weil man es spürt. Gleich zu Beginn ist da dieser ungewöhnliche Sound mit Geige, Klarinette und Kornett, die Gesang und Gitarre beflügeln. Dumpfe Bassdrumschläge leiten über zu „The Deep Reveal“, nach dessen abruptem Ende frenetischer Jubel aus dem Publikum herausplatzt, als ob es ihn keine Sekunde länger hätte zurückhalten können.

Zu mehrstimmigem Gesang gesellen sich Gerassel und Gebimmel, Birds Stimme klingt rockröhrig bis soulig. Mit zwei Schellenkränzen in den vom Körper gestreckten Händen sieht Bird aus wie ein Voodoo-Engel, der das Publikum in Ekstase versetzt. Den Titelnamen „Change“ wörtlich nehmend, wechselt sie von der Gitarre ans Keyboard. Voller Klavierrhythmus, Geige, tiefstes Saxophon und elektronische Beats erinnern kurz an James Blake, bevor der Refrain das Lied in zeitgemäße Radiotauglichkeit zerrt. Viel größer könnte der Kontrast zu „Home“ nicht sein, das Bird ohne Begleitung, aber mit flatternder Stimme singt. Ein Applaus, der eine lange Umarmung ist.

Rumpelstilzchen an einer brennenden Mülltonne

Noch vor einem Jahr habe sie den Internationalen Frauentag nicht gefeiert, sich für Frauenrechte nicht groß einsetzen wollen, weil sie sie als selbstverständlich betrachtet. Weil sich aber seitdem so viel so schlecht entwickelt habe, schließt sich Wallis Bird den weltweiten Demonstrationen gegen Sexismus an: Zwei Minuten verweigern sie und ihre Band den Dienst, es ist mucksmäuschenstill, nur die Saalbelüftung brummt, und ein Mann klappert mit Gläsern.

Wie einen klassischen Protestsong schreit sie im Anschluss mehr als zu singen „Control“, erst nur mit Akustikgitarre, dann mit schweren Schlägen und vollem Klavier. Die Energie ist greifbar, und wird in großen Säcken vom Publikum mit nach Hause getragen. Zum Abschluss: Massive Attacks „Teardrop“. Dessen kühler Angezogenenhandbremsenartigkeit haucht Bird Leben ein, zieht den Song auf die Straße. Stellen Sie sich dabei Rumpelstilzchen an einer brennenden Mülltonne vor. Die Band verlässt unter tosendem Applaus die Bühne.

Vor der Zugabe erklärt Bird, dass sie froh sei, nach über 40 Konzerten wieder nach Hause ins Bett zu können. Dass nach einer A-Cappella-Nummer keine weitere Zugabe kommt, ist eine alte Konzertregel. Wallis Bird geht ins Bett, das Publikum zurück in den Regen. Der DJ spielt dazu „Here Comes The Sun“, und es passt.

Von Benjamin Heine

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr