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Stimmungs-Hoch: "Summer in the City" im Leipziger Krystallpalast

Stimmungs-Hoch: "Summer in the City" im Leipziger Krystallpalast

"Das war ganz toll", sagt die junge Frau von Platz 17 auf dem ersten Rang, und der Rest der Abendgesellschaft in dieser Reihe nickt heftig Zustimmung. "Summer in the City" im Leipziger Krystallpalast Varieté, die heiter-sommerliche Programmbrücke zwischen den Spielzeiten.

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Quelle: André Kempner

Sechs artistische Acts, neun Künstler aus sieben Ländern - "Summer in the City" 2013. Die Präsentation, sprich Conference des Nummernprogramms (Produktion Krystallpalast) haben die beiden Musikkomödianten von Lonely Husband übernommen. Stevie Mazoschek und Uli Beckers waren hier schon vier Mal zu Gast, zuletzt 2004 in der Show "Sixpack Deluxe". Das ungleiche Bühnenpaar kennt die Location, die Stadt und das Umland gut, streut wie immer jede Menge lokale Spitzen ins muntere Geplauder - und wundert sich über die matte Resonanz aus dem Parkett. Des Rätsels Lösung bringt eine spontane Blitzumfrage: Es sind fast nur auswärtige Gäste im Saal. Leipzig punktet mit seinem reichen und vor allem vielseitigen Kulturangebot, und Reiseveranstalter nutzen das bei ihren Angeboten. Einheimische Varietégänger müssen sich sputen, wollen sie nicht das Nachsehen haben.

Und Lonely Husband erholen sich schnell von der Überraschung, spielen ihre musikalischen Fähigkeiten flott aus, ernten viel Beifall für ein virtuoses Duell Klavier - Gitarre, bei dem sie die großen Hits der Rock- und Popgeschichte rauf- und runterzitieren. Das Musikalische macht hier die Stärke, der oft schlichte Witz der Conferencen versetzt nicht gerade Berge. Aber die ironische Publikumsanmache kommt an. Und der genüsslich ausgespielte Kontrast zwischen dem großspurigen Blender und Aufreißer (Mazoschek) und dem verdrucksten weltfremden Spachtelmännchen (Becker) sorgt immer wieder für Heiterkeit.

Vom Gegensatz in Optik und Bühnencharakter (groß gegen klein, grimmig gegen verschmitzt) lebt auch das Clownspaar Czaba & Guennadi (Ungarn/Ukraine). Nonverbale Visual Comedy mit einfachen, verulkten Zaubertricks, bizarr-rhythmischen Bewegungsabläufen oder Schabernack-Etüden. Meist als pantomimischer Blödsinn auf die Spitze getrieben und vom Publikum mit lachendem Kopfschütteln quittiert.

Für den Schweizer Claudius Specht und seine Speed-Jonglagen dagegen gibt es Bravorufe. Das Tempo ist so wahnwitzig hoch, dass die silbernen Keulen nur noch als flirrende Radscheiben wahrnehmbar sind. Specht dreht Pirouetten, wenn er mit zehn silberfarbenen Bechern hantiert und lässt am Ende sieben Keulen als aufsteigende Fontäne fliegen - und fängt sie lässig wieder ein. Beeindruckend.

Schön, tänzerisch, geschmeidig - die Russin Svetlana Belova beherrscht virtuos die traditionelle Zirkuskunst der Kontorsion. Auf einem großen kreisförmigen Tableau, das zur Projektionsfläche für den schlangengleichen Körper wird. Die unglaublichen Verbiegungen variiert Belova mit equilibristischen Elementen, die Darbietung hat absolut nichts Monströses, ist immer anmutig, wird behutsam von der Begleitmusik getragen und strahlt eine faszinierend unterkühlte Erotik aus. Riesenbeifall am Ende, und erst jetzt lächelt die Artistin, die sich zuvor sichtbar ganz auf ihre Darbietung konzentriert hatte.

Zum ersten Mal am Krystallpalast ist Faon Shane engagiert. Vertikalseil, Tuch oder Luftring tauscht die Kanadierin gegen Luftketten, mit denen sie über dem Publikum kreist und schwingt. Kraftvoll, elegant, sportlich. Eine junge, moderne Nummer, auch im passenden Outfit präsentiert. Der weiße Kapuzenbody überm schwarzen Dress wäre alltagstauglich, passt aber bestens zum sexy Bühnen-Act - die allzu legere Bühnenkleidung junger Darbietungen wird bekanntlich in Varietés immer mal wieder kontrovers diskutiert. Mit schwarzen Jeans (roten Hosenträgern) und weißer Bluse entert Shane im zweiten Programmteil den chinesischen Mast. Das Gerät als Herausforderung für eine sportlich-exzentrische Nummer - bei den rasanten Stürzen von der Spitze hält das Publikum tatsächlich den Atem an. Wie bei den spektakulären Luftfiguren des Duos Rose aus den USA am Doppeltrapez. Akrobatik und Kontorsion hoch über dem Parkett, ein artistischer Liebeszauber, der in einem innig verhauchten Kuss endet. Sylvia und Samuel sind auch privat ein Paar.

Dann scheucht Husband Stevie Mazoschek, vermummt und verpuppt als Karl Lagerfeld, die Artisten wie Models über die Bühne. Klar, dass der Saal tobt, wenn eine echte prominente Witzfigur zum Finale bläst. Kleines Budget, große Wirkung. Ein Nummernprogramm, in dem die Nummern immer gut für Überraschungen sind und in der Summe für Kontrast und Vielfalt bürgen. Zum Schluss gibt's von der netten Carolin vom Krystallpalast-Team für alle Mitwirkenden ein Küsschen und eine Sonnenblume. Die Show läuft, der Sommer kann kommen.

Bis 24. August, jeweils Fr 21, Sa 18 und 21 Uhr. Karten/Infos: 0341 140660; www.krystallpalastvariete.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.07.2013

Bernd Locker

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