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Streit am Schauspiel in Leipzig: Unabhängiger Prüfer soll jeden Euro unter die Lupe nehmen

Streit am Schauspiel in Leipzig: Unabhängiger Prüfer soll jeden Euro unter die Lupe nehmen

Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll jetzt für Klarheit im Streitfall um die Schauspielfinanzen sorgen. Das teilte Stadtsprecher Matthias Hasberg gegenüber LVZ-Online am Donnerstag mit.

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Sebastian Hartmann, Ex-Intendant des Leipziger Schauspiels.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Der Entschluss zu einer erneuten Finanzprüfung sei schon vor Weihnachten gefallen, betonte Hasberg – also bevor der ehemalige Intendant Sebastian Hartmann Anzeige gegen Oberbürgermeister Burkhard Jung und den neuen Schauspiel-Intendanten Enrico Lübbe wegen Verleumdung erstattet habe.

Aus Sicht der Stadt und des Schauspiels hat Hartmann nach seinem Abtritt im Juli 2013 ein Defizit von rund 400.000 Euro hinterlassen. Nach Angaben der Kommune wurde diese Zahl bei einer Sitzung des Betriebsausschusses Kulturstätten im Dezember durch die städtische Beratungsgesellschaft BBVL bestätigt. Mehraufwendungen für die Leipziger Festspiele und der Umbau des Schauspielsaals zur Arena seien demnach vor allem Ursache des Finanzlochs.

Die Prüfung der BBVL ist im Betriebsausschuss jedoch noch immer umstritten. „Faktisch sind die Zahlen zwar sicher richtig“, sagte Reik Hesselbarth, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Stadtrat und Mitglied im Gremium am Donnerstag gegenüber LVZ-Online, „aber die Interpretation fehlt.“ So sei zum Abschluss der Intendanz Hartmanns zwar ein Defizit vorhanden gewesen. In der Summe sei aber auch zum Beispiel der Instandhaltungsaufwand des Schauspiels berechnet worden. „Das könnte man ja auch als Investition und Vorbereitung zur Übergabe an den neuen Intendanten werten“, sagte Hesselbarth.

Hartmann wies die Vorwürfe gegen sich von Anfang zurück. Noch im Dezember erstattete er Anzeige gegen Jung und Lübbe. In dieser ist auch von Manipulation die Rede: Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Intendanz im Jahr 2013 sind aus Sicht des ehemaligen Theaterchefs möglicherweise bewusst zu seinem Nachteil beeinflusst worden.

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Die Animation zeigt: So wird die Neon-Leuchtreklame ab Donnerstag den Schauspiel-Portikus beleuchten.

Quelle: Animation Hawaii F3

Zu Hartmanns Anzeige wollte sich die Stadt auf Anfrage von LVZ-Online nicht äußern. „Es ist Hartmanns gutes Recht zu klagen“, sagt Stadtsprecher Hasberg. Auch Skadi Jennicke, kulturpolitische Sprecherin der Linken und Mitglied des Betriebsausschusses Kulturstätten, hat Verständnis für den Schritt Hartmanns: „Es ist nachvollziehbar, dass er sich wehrt. Für ihn steht schließlich sein Ruf auf dem Spiel.“ Ein Urteil möchte sie über die Ergebnisse der BBVL-Prüfung nicht fällen. Zwar seien sie für sie „nachvollziehbar“, eine unabhängige Prüfung jedoch sinnvoll.

Ein Wirtschaftsprüfer soll in den kommenden Wochen beginnen, die finanziellen Hintergründe des Intendantenwechsels zu untersuchen, teilte der Stadtsprecher mit. Jeder ausgegebene Euro werde unter die Lupe genommen. Die Prüfung werde mindestens bis Ende März dauern und nur geringe zusätzliche Kosten verursachen, da sie lediglich als zusätzliche Aufgabe zur Jahresprüfung in Auftrag gegeben wurde, sagt der Sprecher.

Bisher habe die Stadt „deutliche Mängel“ in der Handhabung der Finanzen feststellen können, „vor allem im Controlling“. Für die Zukunft kündigt die Stadt stärkere Prüfungen an. Wie genau diese aussehen, könne noch nicht gesagt werden.

Unterdessen will FDP-Fraktionsvorsitzenden Hesselbarth nicht einleuchten, weshalb eine erneute Prüfung von Seiten der Stadt nötig ist, obwohl bereits eine Prüfung durch die BBVL durchgeführt wurde. Das Verhalten der Stadt bezeichnete er als „unprofessionell“.

Lisa Berins

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