Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Stuckrad-Barre: Soziale Netzwerke für Lesungen uninteressant

Stuckrad-Barre: Soziale Netzwerke für Lesungen uninteressant

Wer in Deutschland an Eventlesungen denkt, denkt auch an den ehemaligen "Popliteraten" Benjamin von Stuckrad- Barre. Aus seiner Abneigung gegen Literaturhäuser macht der 35- Jährige im Interview kein Hehl.

Frankfurt/Main. Die Integration von Facebook oder Twitter in Lesungen lehnt er jedoch auch ab.

Wie müssen Lesungen Ihrer Ansicht nach sein?

Stuckrad-Barre: "Entweder geht es um bloße Aura, zum Beispiel werde ich mir als nächstes (den US-Schriftsteller) Bret Easton Ellis angucken, einfach weil er Bret Easton Ellis ist, und weil ich es wunderbar finde, den in echt zu sehen, ich liebe seine Bücher über alles. Das ist für andere vielleicht Günter Grass. Dass man einfach ein lebendes Denkmal angucken, möglicherweise sogar anfassen und sich das Buch unterschreiben lassen kann - wunderbar. Da ist es zweitrangig, wie die Lesung selbst ist. Oder aber der da vorn muss ein wirklich guter Vorleser sein, und das sind die wenigsten."

Sie standen früher für Multimedia-Shows, zumindest für Dia-Projektionen und laute Musik...

"Naja Show - es waren schon immer Lesungen. Textbegleitend kann man, wo es passt, auch mal irgendeine Rakete zünden, ja, warum nicht. Es kommt darauf an, was die Idee für den Abend ist. Ich hatte bei meinen Lesungen jetzt im Frühjahr immer jemanden an meiner Seite, und so wird es auch im Herbst wieder sein: erst Christian Ulmen und im November Jörg Thadeusz. Wenn wir zusätzlich noch den Saal befeuern würden mit Beamern oder wie im "Heute Journal" mit einer 3D-Welt, das wäre übertrieben, da täte den Texten nicht gut. Ein bisschen Interaktion und Abschweifung ist immer gut, zuviel aber nervt."

Sehen Sie es so, dass man mit diesen Lesungen mit Event-Charakter insbesondere junge Leute für Literatur gewinnen kann?

"Event-Charakter ist ein grausamer Begriff. Es geht einfach nur darum, sich selbst nicht zu langweilen auf der Bühne, so unterhält man automatisch auch das Publikum gut. Es wäre Unfug, da nun alle zwei Minuten einen Klingelton runterzuladen oder was weiß ich, damit alles wahnsinnig jung und modern ist. Alles begründet sich vom Text her: Welchen Text trägt man vor und was stellt der für Anforderungen? Gut auswählen aus einem Buch, welche Passagen sich zum Vortrag eignen, und die dann geübt vortragen - das reicht vollkommen, um einen unterhaltsamen Abend zu bieten. Denn das ist ja das Ziel."

Was halten Sie vom Integrieren von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter in Lesungen? Werden sich Lesungen dadurch verändern?

"Kann sein. Aber das finde ich vollkommen uninteressant. Ich habe das vor zehn Jahren auch mal gemacht, dass ich eine riesige Handy-Nummer eingeblendet habe, da konnten die Leute mir während der Lesung eine SMS hinschicken. Das ist so ganz lustig als Spiel, kurz mal die Richtung ändern, Zerstreuung, um danach wieder absolute Konzentration erzeugen zu können. Aber am Ende geht’s nur darum: Kann jemand vorlesen und ist der Text gut? Und dafür braucht man wirklich kein soziales Netzwerk. Ein Publikum selbst ist ja nichts anderes als ein soziales Netzwerk. Reicht doch. Zuviel Interaktion empfinde ich als langweilig, unhöflich und zumeist als Kennzeichen einer Schwäche des Repertoires."

Inga Radel, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr