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Symphonie des Grauens: Alfred Hitchcocks „Psycho“ wird 50

Symphonie des Grauens: Alfred Hitchcocks „Psycho“ wird 50

Wenige Szenen haben so sehr Filmgeschichte geschrieben: Eine junge Frau genießt eine Dusche, doch plötzlich taucht eine schwarze Gestalt auf und sticht mit einem Messer immer wieder auf sie ein.

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Alfred Hitchcock. Undatierte Aufnahme des berühmten Thriller-Regisseurs aus Großbritannien.

Quelle: dpa

New York. Während ein Streicherthema auf die Trommelfelle des entsetzten Zuschauers hämmert, fließt das Blut der Schönen in den Abfluss, der sich langsam in das aufgerissene Auge der Toten verwandelt. „Psycho“ hat Geschichte geschrieben, Millionen geängstigt, seinem Schöpfer das Image „Horrorfilmer“ angehängt und ganze Generationen von Regisseuren beeinflusst. Jetzt wird der Film 50 Jahre alt - am 16.6.1960 feierte er in New York seine Premiere.

Das Filmverbrechen hatte ein reales Vorbild. Mitte der 50er Jahre ermordete der Amerikaner Ed Gein mindestens zwei Frauen und grub Leichen auf Friedhöfen aus. Als die Polizei ihm auf die Schliche kam, fand sie in seinem Haus eine schauerliche Sammlung abgeschnittener Nasen, Gliedmaßen und Geschlechtsteile. Und Masken aus Menschenhaut. In der Küche lag ein Herz. Dass Gein, der 1984 im Gefängnis starb, jemals Menschenfleisch aß, blieb aber ungeklärt.

Das Verbrechen inspirierte zu mehr als einem Dutzend Filmen, darunter Horrorklassikern wie „Texas Chain Saw Massacre“, Werner Herzogs „Stroszek“ oder auch „Das Schweigen der Lämmer“. Doch zuerst gab es einen Roman: „Psycho“. Robert Bloch schildert darin einen Mann namens Norman Bates, der vom Tod seiner Mutter so traumatisiert ist, dass er immer wieder in ihre Rolle schlüpft und die angeblich unwürdigen Freundinnen ihres Sohnes - also seine eigenen - tötet.

Irgendwie bekam Alfred Hitchcock das Buch in die Hand. Weil er nach einem ganz neuen Stoff suchte, sicherte er sich für ein paar Tausend Dollar die Rechte und ließ die bereits gedruckten Bücher aufkaufen. Niemand sollte seinen Film sehen und schon das Ende kennen. Weil Paramount das Projekt geschmacklos fand, finanzierte Hitchcock den Film, mit Mühe, selbst. Das 1960 bereits überholte Schwarz-Weiß hatte nicht nur einen künstlerischen Hintergrund: Der Film wurde dadurch einfach billiger.

Und der Kostendruck war auch ein Grund, warum Hitchcock keine Stars engagierte. Janet Leigh, die in dem Kinoklassiker tödlich duscht, war durch ein paar Filme und ihre Ehe mit Tony Curtis und die ein paar Monate vor den Dreharbeiten geborene Tochter Jamie Lee Curtis halbwegs bekannt. Anthony Perkins hatte zuvor jedoch nur ein paar Fernsehrollen gehabt, bevor er den messerschwingenden Irren spielte. Und das tat er so gut, dass er das Image nie loswurde. Nicht wenige hielten den zuweilen etwas verschlossenen Star, der 1992 an Aids starb, tatsächlich für, sagen wir, auffällig.

Um die Geheimniskrämerei auf die Spitze zu treiben, schwor Hitchcock alle Beteiligten auf Verschwiegenheit ein und diskutierte sogar öffentlich die Rolle der Mutter - die natürlich auch Perkins übernahm. Selbst ein eigener Stuhl mit der Aufschrift „Mrs. Bates“ stand am Set. Leigh berichtete später, Hitchcock habe verschiedene Puppen der mumifizierten Mutter heimlich in ihrem Wohnwagen versteckt. Die, bei der sie am lautesten schrie, nahm er schließlich.

„Psycho“ machte einer von Aufschwung und Babyboom verwöhnten Nachkriegsgesellschaft deutlich, dass es so etwas wie wahnsinnige Serienmörder gibt. Dabei kommen Gewaltverbrechen von Psychopathen selten vor, erst recht von solchen mit angeblich doppelter Persönlichkeit, sagt der Psychologieprofessor Denis Köhler. „So beliebt das in Hollywood auch ist: Solche Fälle sind äußerst selten. Dass ein Mensch mit einer gespaltenen Persönlichkeit mordet, ist sozusagen äußerst-äußerst selten.“

Die berühmte Dusch-Szene wurde immer und immer wieder gedreht. Und immer und immer wieder kopiert. Selbst Homer Simpson brach mit Schrei und Streicher-Stakkato genau so zusammen, nachdem seine Tochter Maggie ihm mit einem Hammer geschlagen hatte. Auch vor solcher Gewalt hatten Kritiker 1960 gewarnt und den Film verrissen. Das Publikum störte das nicht. Obwohl viele Details der Zensur zum Opfer fielen, stürmten die Zuschauer ins Kino. Der Film wurde Hitchcocks erfolgreichste Arbeit. Und er wurde ein Weckruf: Viele Zensurbestimmungen, zuvor noch völlig normal, interessierten danach keinen Menschen mehr.

dpa

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