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Tag der Industriekultur: Rückkehr zu den Wurzeln, Blick in alte Tagebücher

Tag der Industriekultur: Rückkehr zu den Wurzeln, Blick in alte Tagebücher

Leipzig lebt nicht nur von seiner Hochkultur - auch Industriekultur hat an der Pleiße ihren angestammten Platz. Darauf aufmerksam zu machen, hat sich der Verein für Industriekultur zum Ziel gesetzt.

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In der Leipziger Baumwollspinnerei sind zahlreiche Galerien ansässig. (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Und so veranstaltete er in Zusammenarbeit mit dem Dezernat für Wirtschaft und Arbeit der Stadt am Wochenende zum zweiten Mal den Tag der Industriekultur. 60 Institutionen beteiligten sich daran und boten 101 Veranstaltungen an. "Wir haben mit insgesamt 1900 Besuchern die Zahl des Vorjahres leicht überboten", freute sich Heinrich Moritz Jähnig vom Verein am gestrigen Sonntagnachmittag. LVZ-Mitarbeiterin Katrin Kleinod hat sich an zwei Veranstaltungsorten umgeschaut. Und war überrascht:

Edition Peters: Hermann Eckel, Geschäftsführer des Musikverlages C. F. Peters, führt Besucher durch die Geschäftsräume des Unternehmens in der Talstraße 10. Im Juli dieses Jahres hat die Edition Peters ihren Hauptsitz wieder von Frankfurt/Main nach Leipzig verlegt, wo der Verlag 1800 gegründet wurde. Von dieser "Rückkehr zu den Wurzeln" verspreche sich sein Unternehmen eine Stärkung für die Zukunft, sagt Eckel. "Wir sind der Meinung, hier in Leipzig mehr bewegen zu können." Sehr offen seien die Heimkehrer empfangen worden. Der weltweit bekannte Musikverlag wirkte besonders in der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Förderer von Kunst und Wissenschaft. Der damalige Besitzer Henri Hinrichsen stiftete die heute im Grassimuseum ansässige Musikinstrumentensammlung, gründete mit der Henriette-Goldschmidt-Schule die erste deutsche Hochschule für Frauen und unterstützte zum Beispiel den Komponisten Edvard Grieg durch eine lebenslange Rente. 1938 wurde die Familie jedoch, da jüdischer Herkunft, enteignet. Henri Hinrichsen und einige Familienmitglieder kamen in Konzentrationslagern um. Seine beiden Söhne gründeten in London und New York zwei neue Verlage unter dem Namen Peters. Das in Leipzig verbliebene Geschäft lief weiter. Nach dem Krieg wurde der Familie ihr Besitz zurückgegeben. Mit der Gründung der DDR zog der Verlag nach Frankfurt/Main. In Leipzig wurde er jedoch als volkseigener Betrieb ebenfalls unter dem Namen Peters weitergeführt. Folglich gab es vier Verlage mit diesem Namen. Erst im Jahr 2010 gelang eine Vereinigung aller vier "Abkömmlinge". Für die Zukunft setzt der Musikverlag weiterhin auf hochwertige Klassiker-Ausgaben, aber auch auf in Zusammenarbeit mit Chorverbänden herausgegebene Sammelwerke und auf Instrumentenschulen.

Baumwollspinnerei: Viele Leipziger kennen die Baumwollspinnerei in ihrer heutigen Nutzung als angesagtes Kunst- und Kulturzentrum mit internationalem Renommee. Über die Zeit, als dort noch Garne produziert und in alle Welt verkauft wurden, ist jedoch wenig bekannt, obwohl in dem Werk zu DDR-Zeiten bis zu 1600 Beschäftigte tätig waren. Fotokünstler Emanuel Mathias, dessen Atelier sich auf dem ehemaligen Industrieareal befindet, hat die Ausstellung "Kunst, Freiheit und Lebensfreude. Aus dem Brigadetagebuch der Leipziger Baumwollspinnerei" konzipiert und am Wochenende im Spinnerei Archiv Massiv präsentiert. Impressionen aus den Brigadetagebüchern von den frühen 60er-Jahren bis 1988 gibt Mathias auf Fotos, Collagen und Stickereien wieder. Ein Eintrag über einen gemeinschaftlichen Kinobesuch zu Beginn der Spätschicht findet sich hier ebenso wie eine Postkarte mit Urlaubsgrüßen eines Brigademitgliedes. Sogar die Freilassung der amerikanischen Bürgerrechtlerin Angela Davis ist in der Chronik vermerkt. Schwelgen in Erinnerungen ist das für manch einen. Der Blick zurück kann aber auch den Anstoß geben, über das Miteinander von Kollegen in der heutigen Zeit nachzudenken. Industriekultur als "Schlüssel für die Bewältigung von Entwicklungs- und Transformationsprozessen" - das zum Beispiel ist ein Ziel, das die Veranstalter mit dem Tag der Industriekultur verfolgen.

Der Termin für die dritte Auflage des Tages der Industriekultur steht bereits fest: 3. bis 6. September 2015.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.09.2014

Kathrin Kleinert

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