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Tanzen ist das oberste Gebot: Zona Sur und Son Cu4tro in der Leipziger Nato

Konzert Tanzen ist das oberste Gebot: Zona Sur und Son Cu4tro in der Leipziger Nato

Die Sommerpause in der Nato wurde am Donnerstag mit einen deutsch-lateinamerikanischen Freundschaftstreffen der besonderen Art beendet: nämlich mit einem musikalisch ziemlich sommerlichen Doppelkonzert von Zona Sur und Son Cu4tro.

Latino-Musik aus Leipzig: die Band Zona Sur am Donnerstag im Soziokulturzentrum Nato.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Mexikaner von Son Cu4tro kamen dank einschlägiger Bemühungen durch Goethe-Institut, Auswärtiges Amt und den Verein Deutsch-Spanische Freundschaft direkt aus Veracruz angereist, um hier mit dem in Leipzig beheimateten deutsch-südamerikanischen Mischsextett Zona Sur für ein musikalisch hitziges Stimmungshoch zu sorgen.

Zu dem dann glatt auch dieses und jenes herzige „Venceremos!“ aus dem Publikum erschallt. Ganz so, als gelte es sich noch einmal an den Flämmchen antiimperialistischer Revolutionsromantik zu erwärmen. Also an diesem einst von Victor Jara popularisierten Song kämpferischer „Wir werden siegen!“-Siegessicherheit, die wiederum zu trällern nicht zuletzt in der seligen DDR beim „Festival des politischen Liedes“ zum pittoresken Ritual wurde. An das man sich wohl auch hier und da im Publikum noch erinnert. Alt genug dafür ist ein Gutteil der Anwesenden im vollen Saal und auch, wenn es dann nix ist mit „Venceremos“ – die Stimmung ist von Anfang an ziemlich gut.

Ganz traditionell geht es los, mit jener Spielart des Son, wie sie am Golf von Mexiko gepflegt wird; dem Son Jarocho nämlich, den die vier Männer plus Tänzerin von Son Cu4tro zum Besten geben. In klassischer Instrumentierung, inklusive der Jaranas Jarochas (kleinen, achtsaitigen Gitarren) und plus rockgeschürzter Tänzerin. Das alles aber gottlob fern jeglichen Folklorekitsches. Schlicht, einfach, unmittelbar. Und selbst, wenn man den Son Jarocho bestenfalls nur von Los Lobos kennt (etwa deren „El Canelo“ oder „La Iguana“), also nicht wirklich das sensibilisierte Gehör für die Feinheiten dieser Musik hat, fällt auf, wie geschickt Son Cu4tro innerhalb der vorgegebenen Strukturen die rhythmischen und auch textlichen Improvisationen hören lassen.

Erst antreibend, dann voranjagend

Im Kontext dieses Konzertabends markiert das die Basis – die der Tradition –, auf der sich dann Zona Sur nicht nur ausbreiten, sondern über die sie hinausgehen. Der musikalische Gedanke dahinter ist simpel: Folklore als Impuls, Mischung als Prinzip. Tradition, die ihre Grenzen weitet, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Stilkreuzungen: Son, Cumba, Rock, ein (leider zu leichter) Anhauch Jazz und der unbedingte Wille, das alles auf eine unmittelbare Wirkung auszurichten: Tanzen ist das oberste (An-)Gebot ans Publikum.

Und getanzt wird dann auch. Was anderes wäre auch kaum möglich. Das pumpt schon kräftig Energie, was da in der rhythmischen Grundierung von Schlagzeug und Percussions geboten wird. Wobei letztere immer wieder mal aus dem pulsierenden Hintergrund vortreten. Erst antreibend, dann voran­jagend in solistisch gelungenen Eskapaden.

Das passt sich alles bestens ineinander ein: Die Funk-und Rockriffs an der E-Gitarre, ein im Kontrast reizvoll cool blubbernder Bass, das nervöse Rasseln der Maracas. Und natürlich das Akkordeon von Frontfrau Claudia Plötner, das bei aller Lebensfreude und Tanzbesessenheit der Musik von Zona Sur für jenen ganz leisen, dem Instrument immanenten Zug Wehmut sorgt.

Man hätte sich gewünscht, dass die sich gelegentlich mal mehr Bahn bricht, man mal den musikalischen Kontrast zum Lasst-uns-alle-tanzen-und-lachen-Modus versucht. Einen Gang runter schaltet, auch weil auf Dauer technisch nicht immer jeder Musiker dem Tempo gewachsen ist, das zelebriert wird. Aber letztlich geht es hier ja auch weniger ums Hören als ums Tanzen. Und was das betrifft, kann man Zona Sur echt nichts vorwerfen.

Von Steffen Georgi

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