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Tatort Kneipe: Krimi-Fans treffen sich im "Platzhirsch" zum gemeinsamen Nervenkitzel

Tatort Kneipe: Krimi-Fans treffen sich im "Platzhirsch" zum gemeinsamen Nervenkitzel

Als der Autoreifen mit einem lauten Knall platzt, schüttet sich die junge Frau vor Schreck fast das Bier über den Schoß. Aber ihre Hose bleibt unversehrt - genau wie Kommissarin Charlotte Lindholm, gespielt von Maria Furtwängler, an diesem Abend im ARD-Tatort aus Hannover.

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Der rote Hirsch muss draußen bleiben, wenn in der Kneipe "Platzhirsch" der ARD-Tatort beginnt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es sind zwei Welten, die in diesem Moment in der Kneipe "Platzhirsch" in der August-Bebel-Straße 1 aufeinanderprallen: Die eine - vor dem TV-Gerät - wirkt gemütlich und entspannt, die andere - die im Fernseher - kommt mysteriös und zuweilen brutal daher. Der ganz normale Nervenkitzel beim Sonntagskrimi im Ersten.

Was in der Pubertät noch als Höchststrafe galt, ist heutzutage bei jungen Leipzigern gang und gäbe: An Tatort-Tagen wird Glotze geguckt, vorzugsweise zusammen mit anderen. So kommt es, dass etliche Krimi-Fans sonntags kurz vor 20.15 Uhr die Stühle, Sessel und Sofas verschiedener gastronomischer Einrichtungen in Beschlag nehmen, um ihre Krimi-Begeisterung mit anderen zu teilen.

Im jüngsten Fall der Charlotte Lindholm gesteht der von Unbekannten bedrohte Wurstfabrikant Jan-Peter Landmann (Heino Ferch) der Kommissarin seine Leidenschaft fürs "La dolce Vita". Des Unternehmers Vorliebe für das süße Leben und für Schlagerschnulzen scheinen die Zuschauer im "Platzhirsch" durchaus zu teilen. Vier junge Frauen lehnen sich in zwei geschwungenen Sofas zurück, vor ihnen Biergläser mit üppiger Schaumkrone und Brotzeitteller mit Wurstaufschnitt. "Tatortschauen ist ein Sonntagsritual", sagt Christine Kröhnert. Sie verpasst kaum eine Folge. Die 32-jährige Leipzigerin, die Spiel- und Lernmitteldesign in Halle studiert, genießt es, dabei in Gesellschaft zu sein - ob in ihrer Wohngemeinschaft oder in einem Lokal.

Im "Platzhirsch" herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre. Kurz vor Beginn des Krimis geht das Licht aus und das Fernsehgerät neben der dunkelbraun getäfelten Bar an. Von der Schmucktapete aus schaut ein Hirschkopf mit Lichterkette im Geweih mit. Marcus Voigt, der 33 Jahre alte Inhaber der Kneipe, ist selbst zwar kein großer Tatort-Anhänger, hat den späten Sonntag aber mittlerweile als Krimi-Abend etabliert. Sein Eindruck: "viel Jungvolk", "erstaunliche viele alkoholfreie Getränke" und ein "komplett anderes Publikum" als die Stammkunden. Im "Platzhirsch" herrscht Ruhe, wenn der Tatort läuft. Das ist sonst nicht selbstverständlich.

Schon einen Kilometer entfernt hört sich das öffentliche Krimi-Schauen anders an. Im Café Waldi im Peterssteinweg 10 ist alles zwei Nummern größer: der Lautstärkepegel, die Leinwand, die Zuschauerzahl. Christin findet das anstrengend. "Mich nervt, dass die Leute dauernd klatschen", sagt die 32-jährige Leipzigerin. Deshalb ist sie auf den ruhigeren "Platzhirsch" umgestiegen. Gesellschaft brauche sie beim Tatort jedenfalls immer, denn sie sei ein Angsthase, sagt sie lachend.

Im "Waldi" herrscht derweil ausgelassene Stimmung, es wird viel gelacht, geflüstert und vorverurteilt. Die teils vulgäre Sprache des Hannover-Tatorts erntet Gekicher und Raunen. Die Hungrigen können dazu ein Tatort-Menü essen - Waldpilzsuppe, Gnocchi mit Gemüse und Bratapfel-Tiramisu. Wen das schlechte Gewissen plagt, am Wochenende zu wenig für Schule oder Studium getan zu haben, der kann es halten wie der junge Mann in der hinteren Reihe: Mit Laptop auf den Knien wirft er nebenbei ein Auge auf die Vokabellisten. Auch spannend.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.12.2014

Sofia Dreisbach

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