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Tausende Leipziger strömen zum Rundgang aufs Spinnerei-Gelände

Kunsthöhepunkt am Wochenende Tausende Leipziger strömen zum Rundgang aufs Spinnerei-Gelände

Sonnenschein und zahlreiche Kunstprojekte haben tausende Leipziger am Sonnabend auf das Spinnerei-Gelände gelockt. Der Rundgang durch Galerien und Werkschauhallen bietet auch am Sonntag viel Abwechslung. Thematisiert wird unter anderem der Katholikentag in Leipzig.

Viele Leipziger strömten zum Frühjahrsrundgang aufs Spinnereigelände.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Passend zum warmen Frühlingswetter hat die Leipziger Spinnerei am Sonnabend ihre Tore für Kunstfreunde geöffnet. Tausende Interessierte strömten auf das Gelände und betrachteten in den verschiedenen Werkhallen Projekte von Malerei über Fotografie und Installationen. Auch am Sonntag erwartet die Leipziger noch einmal ein vielfältiges Programm.

Zum Frühjahrsrundgang strömten am Wochenende zahlreiche Leipziger auf das Gelände der Baumwollspinnerei.

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Elf Künstler kommentieren und verdeutlichen in der leicht abgedunkelten Fabrikhalle die Zusammenhänge zwischen sozialer, ökonomischer und technischer Beschleunigung auf der einen und Ermüdung auf der anderen Seite. Und finden dafür großartige Bilder wie der Franzose CHTO mit einer Installation aus Boxhandschuhen, der Niederländer Guido van der Werve mit einem abgründig-beunruhigen Eisbrecher-Video oder der US-Amerikaner Gregory Barsamian, der eine Art Guckkasten gebaut hat, in dem mehrere Läufer über ein Sägeblatt laufen, um mit der Rotation Schritt zu halten. Letzter Ausweg: Melancholie. Und Humor!

Ausstellung zum Deutschen Katholikentag

Oder die Besinnung auf das, was die eigene Gattung ausmacht: „SEHT, da ist der MENSCH“. So ist die Ausstellung in der benachbarten Werkschauhalle 12 überschrieben. Und wer meint, diesen Titel schon mal gehört zu haben, der liegt richtig. Jener Ausspruch, mit dem nach Darstellung des Johannesevangeliums Pontius Pilatus dem Volk den gefolterten Jesus vorstellt, ist das Motto des 100. Deutschen Katholikentags, der vom 25. bis 29. Mai in Leipzig stattfindet.

Ecce homo: 18 Positionen – Fotografien, Skulpturen, Videos, Installationen und Malerei – sind in der berührenden Schau zu erleben. Organisiert wurde sie vom Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg. Stark abgewandelt soll sie 2017 anlässlich des Reformationsjubiläums noch einmal in Magdeburg gezeigt werden. Zu sehen seien zwar viele Bilder von Menschen, es sei aber keine Porträt-Ausstellung, betont Annegret Laabs, die die Ausstellung kuratiert hat. „Wir zeigen nicht den christlichen Menschen, sondern den Menschen, das ganze globale Mensch-Sein.“ Wobei das Bild vom Menschen trotz aller immer wieder geforderten Abbildungsverbote entscheidend durch das Christentum geprägt worden sei, so Laabs. Und wie gelangte man ausgerechnet in die Spinnerei? Sie gehöre zu den Orten, die einem bei Kunst in Leipzig sofort einfallen. „Wir sind froh, dass es hier geklappt hat, dass wir in diesen Kontext kommen.“

Bausatz für einen Selbstmordattentäter

Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen von Vorzügen und Fesseln der Zivilisation befreit haben, hat der Fotograf Lucas Foglia auf einer Reise für die Fotoserie „A Natural Order“ in den USA fotografiert. Die Bilder deuten einen Ur-Zustand an, der aber vermutlich auch in der Realität dieser Aussteiger nicht wirklich existiert. Peter Bräunig, Grit Bümann und Ansgar Frerich porträtieren in zwölf Videos Menschen, die in den vergangenen 70 Jahren geflohen sind – aus dem Sudentenland, aus Moldawien oder aus Syrien. So wird ein Thema, das zuletzt meist verengt und verklemmt besprochen wird, plötzlich weit. Um Ängste, Leben und Tod geht es in anderen Arbeiten – oder um Gewalt wie bei Robert Kunec. Er zeigt einen lebensgroßen Bausatz, der sich bei näherem Hinsehen zu einem Selbstmordattentäter zusammensetzt.

Dass „Der Teufel im Detail“ steckt, wird auch andernorts spielerisch und durchaus rätselhaft behauptet. So heißt die Ausstellung von Hans Aichinger in der Maerzgalerie. Überhaupt zeigen wieder alle Galerien in der Spinnerei neue Ausstellungen. Malerei ist unter anderem auch mit Rosa Loy in der Galerie Kleindienst, Leif Trenkler in der Galerie Jochen Hempel, Katharina Immekus bei b2 oder Sten Gutglück und Alexander König bei Josef Filipp vertreten. Grafik gibt es von Matthias Weischer bei Thaler, Installation mit Maix Mayer bei Eigen + Art, mit Stephanie Stein bei ASPN.

Großer Frühjahrsrundgang in der Spinnerei (Spinnereistraße 7): Sonntag 11 bis 17 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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