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Tenor Andreas Schager singt Rienzi und Siegmund in Leipzig

Neuer Stern am Wagner-Himmel Tenor Andreas Schager singt Rienzi und Siegmund in Leipzig

Seit er 2013 an der Berliner Staatsoper spektakulär kurzfristig und spektakulär gut als Siegfried eingesprungen ist, ging die Karriere des Wagner-Tenors Andras Schager steil durch die Decke. Im Doppel-Ring Halle / Ludwigshafen war er Siegfried, in Berlin Parsifal, im Sommer feiert er als Erik sein Bayreuth-Debüt, 2017 folgt dort Parsifal, und auch die Met in New York steht schon im Terminkalender.

Andreas Schager.
 

Quelle: peer

Leipzig. Seit er 2013 an der Berliner Staatsoper spektakulär kurzfristig und spektakulär gut als Siegfried eingesprungen ist, ging die Karriere des Wagner-Tenors Andras Schager steil durch die Decke. Im Doppel-Ring Halle / Ludwigshafen war er Siegfried, in Berlin Parsifal, im Sommer feiert er als Erik sein Bayreuth-Debüt, 2017 folgt dort Parsifal, und auch die Met in New York steht schon im Terminkalender. Dazwischen ist der 44-jährige Österreicher ab Samstag in Leipzig zu erleben. Zunächst als Rienzi, dann auch als Siegmund in der „Walküre“.

LVZ: Sie haben sich sehr schnell und mit staunenswertem Erfolg das ganze Spektrum des Wagner-Gesangs erarbeitet, von Rienzi, seiner ersten riesigen Tenor-Partie, bis zum Parsifal, seiner letzten. Die meisten Kollegen lassen sich dafür mehr Zeit ...

Na ja, viele fangen mit Erik an und arbeiten sich über den Lohengrin dann Stück für Stück zum Siegfried vor. Wenn man pro Partie ein bis zwei Jahre einrechnet dauert es dann zehn Jahre bis zum jungen Siegfried und noch einmal länger bis zum alten. So lange wollte ich nicht warten. Mein Einstieg erfolgte über den David in den „Meistersingern“, was einen spielerischen Zugang zu Wagner ermöglichte, und Rienzi. Ich habe gemerkt, das ich Rienzi locker durchstehen kann, und damit hatte auch der Siegfried seinen Schrecken verloren. Für mich war das goldrichtig. Aber jeder Sänger ist anders, jede Stimme ist anders. Diese Festsetzung, wann ein Sänger welche Rolle zu singen hat, ist ohnehin ein sehr deutsches Problem. In den USA sagt man: Mach es, wenn du es dir zutraust. Und wenn es gut ist, ist es gut.

Ein gefährlicher Ansatz, die Operngeschichte ist voll von frühzeitig abgesungenen Wagner-Sängern.

Man muss ehrlich zu sich sein, eine gesunde Technik haben und viel Chuzpe.

Also an den Wagner-Gesang herangehen wie der reine Tor Parsifal an die Welt?

Vielleicht (lacht) – ein bisschen.

Seit Wagner gesungen wird, geht die Rede von der Krise des Wagner-Gesangs. Und wenn dann einer kommt, der es kann, projizieren sich beinahe messianische Heilserwartungen auf den. Wie gehen Sie damit um?

Ich wohne weit weg, in Österreich auf dem Berg, bis dahin hat sich das noch nicht herumgesprochen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Wagner-Erfahrung?

Ja, die kam relativ spät, ich war 36 und arbeitete am David. Aber es gab auch eine unbewusste frühere Erfahrung: Wir hatten den ganzen „Ring“ im Stall.

Wie bitte?

Ich komme aus einer Bauernfamilie. Und der Tierarzt im Dorf war offenbar Wagnerianer. Jedenfalls nannte er Kühe vorzugsweise nach Wagner-Heroinen. Von Fricka bis Flosshilde war alles dabei. Offenbar prägt das fürs Leben.

Man spricht gemeinhin vom Wagner-Gesang. Aber liegen die Extreme Rienzi und Parsifal wirklich auf einer gesanglichen Ebene?

Die Partien liegen schon sehr weit auseinander. Rienzi ist mit seiner klaren Anlage in Arien und Ensembles stark in der italienischen Tradition verwurzelt und in der Grand Opera Giacomo Meyerbeers, die Wagner ganz offen übertrumpfen wollte. Und Parsifal, das ist eine ganz andere Welt.

Als Charaktere sind beide eher keine Intellektuellen.

Parsifal sicher nicht. Bei Rienzi muss man differenzieren: Er ist Notar, stammt als aus einer gebildeten Familie, er ist ein grandioser Rhetoriker, Volkstribun, ein Populist. Aber er ist eben auch ein Getriebener. Und im Gebet des fünften Akts kommt ganz ungeschützt der Mensch hinter der Figur zum Vorschein.

Wie setzt man diese Vielschichtigkeit auf der Bühne um?

Man darf keine Sekunde lang überlegen. Die Emotionen machen den Ton, nicht umgekehrt. Es geht nicht um den Notentext, sondern um die Selbstentäußerung, die er transportiert. Ich jedenfalls fand es immer richtig, von der Emotion auszugehen.

Und vom Text?

Ja, natürlich. Wagner ist immer von der Sprache ausgegangen, sah sich vom Anfang bis zum Ende seines Weges auf dem Musiktheater zunächst als Dichter. Immer kam die Musik nach dem Text. Der Mann konnte gar nicht anders.

„Rienzi“ hat es schwer im Repertoire ...

... schließlich hat Wagner selbst ihn nicht in den Bayreuth-Kanon aufgenommen. Das spricht ja schon Bände, dass seine längste Oper nicht ins Festspielhaus darf.

Aber auch beim Publikum gibt es Vorbehalte, anders als beim „Tannhäuser“.

Ja, und die finde ich unbegründet. Ich komme, wie gesagt, aus einer Bauernfamilie, und ich lade gern Freunde, Verwandte, Bekannte aus diesem Umfeld zu meinen Vorstellungen ein. Und bei denen zeigt sich immer wieder, dass gerade die Musik des „Rienzi“ sehr unmittelbar zu begeistern, aufzuwühlen, zu überrumpeln vermag. Für mich ist dies Oper die perfekte Einstiegsdroge für Wagner.

Allerdings hat diese Überrumpelungs-Kraft in der Vergangenheit verheerende Folgen gehabt. „Rienzi“ war Hitlers Lieblingsoper.

Ja, in „Mein Kampf“ schrieb er, damit habe alles angefangen. Der Volkstribun diente ihm sozusagen als Blaupause. Und ich habe die Partie in Rom in einer Inszenierung gesungen, die ganz gezielt und plakativ die Gesten Hitlers und Mussolinis auf die Bühne gestellt hat. Das war faszinierend und gespenstisch. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob es richtig ist, einen Komponisten für das verantwortlich zu machen, was ein Diktator getan hat, der erst drei Jahre nach seinem Tod geboren wurde. Auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass jemand, der seine Familie im Holocaust verloren hat, eine Oper, deren Musik damals in jeder Wochenschau vorkam, nicht ertragen kann.

Seit dem Wagner-Jahr 2013 ist „Rienzi“ wieder häufiger auf der Bühne zu erleben. Glauben Sie, dass dies Anzeichen für eine Neubewertung sind? Oder ist es doch nur ein Jubiläums-Strohfeuer?

Ich denke, dass die Zeit für eine Neubewertung gekommen ist. Schon weil die Generation derer, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, langsam ausstirbt. Aber das darf nicht dazu führen, das wir die Geschichte ausblenden, es ist Zeit für eine auch intellektuelle Neubewertung des „Rienzi“.

Andreas Schager in der Oper Leipzig: „Rienzi“, 16., 31. Januar; „Die Walküre“, 24. Januar, 6. Mai, Karten (15–68 Euro) und Infos im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050, auf www.lvz-ticket.de, oder an der Opernkasse.

Von Peter Korfmacher

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