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The Queeng of Amager eröffnet das Honorary Hotel nahe der Eisenbahnstraße

Performance in HAL-Atelierhaus The Queeng of Amager eröffnet das Honorary Hotel nahe der Eisenbahnstraße

Die beiden Performer Inga Gerner Nielsen und Johannes Maria Schmit eröffnen mit ihrer Performance das Honorary Hotel. „The Queeng of Amager“ ist ein fantasiereiches Spiel um eine fiktive Biografie, Strategien im Umgang mit Armut und den Wandel von Stadtteilen entlang der aktuellen Gentrifizierungs-Debatte.

Johannes Maria Schmit und Inga Gerner Nielsen als Queeng.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Es gibt ein paar Regeln, die zu befolgen sind. Wende dem Ehrengast, The Queeng of Amager, nicht den Rücken zu. Oder: Schmeichle ihm durch Aufmerksamkeit. Vermeide die falsche Ansprache. Was so leicht nicht ist, verlangt doch die deutsche Sprache geschlechtliche Zuordnungen, was stets in die Irre führt bei einem Hermaphrodit wie dem Queeng.

Die Künstler Inga Gerner Nielsen und Johannes Maria Schmit geben den Besuchern vor den Einzel-Audienzen, welche seit dem Wochenende abgehalten werden, eine kleine Einführung in einem kargen Zimmer im HAL Atelierhaus nahe der Eisenbahnstraße. Sie sind Gastkünstler in diesem Gebäude, in dem am Wochenende zudem das Honorary-Hotel eröffnete. Ein Hotel, das seine Gäste in laufende Kunst- oder Sozialprojekte integriert. Queeng ist der erste Ehrengast. Eine Kunstfigur, deren fiktive Biografie Anknüpfungspunkte für den Leipziger Osten liefert. Queeng, Exilant und offenbar Gentrifizierungsopfer in seiner dänischen Heimat, kennt den Wandel städtischer Räume, kennt das Leben in prekären Situationen. Queeng, Fan des Sonnenkönigs, zelebriert falschen Glamour, Champagner aus der Dose, blinkende LEDs. Und die Audienzen, die Nielsen und Schmit arrangieren, folgen dem realen Vorbild der dänischen Königin, die Audienzen für Jedermann gewährt.

Der Spannungsbogen für die Queeng-Begegnung ist geschickt gespannt. Das Treffen mit den Künstlern, arrangiert über SMS-Kontakt, findet auf der Eisenbahnstraße statt, zwingt auch den externen Besucher zu einem Mindestkontakt mit dem Viertel, um das es gehen soll. Die förmliche Einweisung folgt. Dann erst geht es in die Gemächer des Queeng, in eine Welt funkelnder Billigware und von zischendem Wasserdampf auf dem Bollerofen. Alchemistische Esoterik trifft auf massenproduzierten Kunststoffglanz.

Vor den Augen des Besuchers vollzieht sich die Verwandlung der Performer von Queeng-Bediensteten zum Queeng, zum vielbeinigen (Traum-)Wesen in der Badewanne, ein Schauspiel zwischen heiligem Ernst und grotesker Lächerlichkeit. Sakrale Würde versucht sich auf tristem Linoleum zu behaupten. Ein Zusammenprall, der beabsichtig ist. Schließlich geht es – in der Performance und oft in der unmittelbaren städtischen Umgebung – um die Frage, welche Strategien im Umgang mit Armut gewählt werden. Die Alchemie, auf die vielfach verwiesen wird, kannte eine Strömung, die versuchte, wertloses Metall in Gold zu verwandeln.

Traum-Alchemie betreiben die Performer. Ein Bett lädt den Besucher ein, den Traum des Queeng unter sanfter Suggestion fortzuträumen, sich dessen Gemächer auszumalen. Der Clou: Es handelt sich um reale, aber noch leere Räume im Honorary Hotel. Was sich der jeweilige Gast dafür ersinnt, überlassen die Performer schriftlich den Eigentümern. Vielleicht wird es zur Grundlage der künftigen Ausstattung. Die Materialisierung des Queeng-Traums.

Bis Freitag gibt es noch Audienzen. Letzte Terminanfragen sind unter the.queeng.is.big@gmail.com möglich.

Von Dimo Riess

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