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Theater trifft Kino: Cineding wird von Pack-Truppe wiederbelebt

Theater trifft Kino: Cineding wird von Pack-Truppe wiederbelebt

Das Cineding ist tot, lang lebe das Cineding! Klingt theatralisch, passt aber im konkreten Fall. Am 1. November letzten Jahres beendete das Kino im Hinterhof der Karl-Heine-Straße Nummer 10, die „Kiezperle im Westen Leipzigs“ (Eigenwerbung), den regulären Betrieb.

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Der pure Kinobetrieb ist ausgesetzt, doch leer steht das Cineding nicht: Das Theater Pack will auch langfristig dort präsent sein.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der letzte Betreiber warf das Handtuch, und abgesehen von sporadischen Aufführungen von Kinder- und Jugendfilmen unter der Ägide des Kassablanka-Filmklubs erloschen im kleinen Programmkino die Lichter. Bis sie Frank Schletter vom Theater Pack wieder anknipste.

Am Anfang war die kleine Meldung, das Cineding stelle seinen Spielbetrieb ein. Zwei Sachen gingen Theater-Pack-Chef Frank Schletter dabei durch den Kopf: Das Cineding war eines der Lieblingskinos seiner Frau - und das Westwerk, in dem Schletter mit seiner Company probte, verdammt kalt. Zum Bedauern über die Kinoschließung gesellte sich somit eine Idee, die der Pragmatismus eingab.

Theater und Kino. Seelenverwandte Künste; zwei Schwestern, von denen die alte, das Theater eben, der jüngeren, dem Kino, so könnte man es durchaus sehen, gerne hinterher hinkt. Meistens nicht ganz frei von Neid. Nein, das Verhältnis der beiden zueinander ist ein nicht so ganz reibungsloses.

Schletter erstellte ein Konzept plus Spielplan für das Haus. Dabei berücksichtigend, Medium Kino und Theater in einer, wie weit vorerst auch immer gefassten, Klammer zu bündeln, in Bezug zu setzen. Als Reibungspunkte zu installieren und sei es - für den Anfang - erst einmal nur ob des simplen Faktes, dass eben beispielsweise Schletters aktuelle Produktion „Tschechow!“, eine Kompilation von Einaktern des russischen Autors, in einem Kinosaal läuft, ohne dass man dabei verkrampft so tut, als wäre es ein Theatersaal.

Es geht nicht ums Ausblenden, sondern Einbeziehen. Eine Arbeitsmethode, die das Theater Pack seit jeher kultivierte. Ohne festes Haus agierend, Stücke und Texte für kompatible Spielstätten ausmachend. Flexibilität heißt das Schlagwort, hinter dem etwas von einem konzeptionellen Nomadentum mitschwingt. Klingt durchaus interessant, wenn Schletter das erläutert. Ändert aber nichts daran, dass der Theaternomade das Cineding als Homebase wiederum auch aus ganz pragmatischen Gründen schätzt. Als einen Spielort nämlich, der, so Schletter, „nicht gleich tot ist, wenn man in ihm mal nichts macht“.

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Das Theater Pack inszeniert zum Beispiel Tschechow-Einakter im Cineding.

Quelle: PR

Das Konzept fürs Cineding, das Schletter dem im Haus sitzenden Landesfilmdienst Sachsen e. V. vorlegte, kam an. Und das Kino als Theaterspielstätte auch. Die letzten „Tschechow!“-Vorstellungen waren ausverkauft.

Und natürlich gibt es Arbeit und Pläne, in die das Cineding zunehmend involviert sein wird. Und wenn die nächste Theater-Pack-Produktion „Großmickering“ auch im Lofft Premiere hat, so kann man es gut und gerne als Omen lesen, dass Christian von Asters Text, den Schletter als Uraufführung inszeniert, eigentlich ein Film-Skript ist.

Was nun in der von Schletter als „Vorübung zu einem Film“ bezeichneten Theater-Pack-Adaption daraus wird, kann man ab 25. Februar im Lofft sehen. Für neue Aufführungen im Cineding bedarf es etwas mehr Geduld. Zu Storms Märchen „Die Regentrude“ gibt es erste Vorproben, das Monologstück „Der Neurosenkrieg“ soll folgen - alles im Frühjahr, alles im großen Saal des Kinos, der momentan ob feuchter Wände noch nicht zugänglich ist.

Die Restaurierung, auch unter Berücksichtigung einer besseren Theater-Bespielbarkeit, soll alsbald von statten gehen - sagt Schletter im Ton verhaltener Zuversicht. Und auch Kino soll es und wird es dann wieder geben. Als autonomes Programm, aber eben auch gekoppelt an Bühnenprojekte. Als ein Nebeneinander, selbstredend frei Neid. Und als ein Miteinander, im Sinne eines künstlerischen Austauschs. „Wichtig ist mir, dass wir als Theater Pack auf dem Weg zu einem Miteinander sind - sowohl mit den Cineding-Betreibern als auch mit der regen westlichen Kulturszene.“

Die Karl-Heine-Straße, so prophezeit Schletter, wird die neue Kultur-, gewissermaßen die Westmeile der Stadt werden. Und eine ihrer Kiezperlen das Cineding. Denn tot ist dieses nicht. Wie es sich letztendlich mit Leben füllt, bleibt abzuwarten.

Frank Schletter: Wichtig ist mir, dass wir als Theater Pack auf dem Weg zu einem Miteinander sind - sowohl mit den Cineding-Betreibern als auch mit der regen westlichen Kulturszene.

Die Proben laufen: Das Theater Pack probt „Großmickering“, die Premiere steigt Ende Februar im Lofft.

Nächste Aufführung im Cineding: „Tschechow!“ am Samstag, 20 Uhr; Karten Tel. 0174 5682280 oder tickets.theaterpack@yahoo.de. Karten für „Großmickering“ im Lofft ab 25. 2. unter Tel. 0341 35595510.

Steffen Georgi

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