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Theaterindendant Zielinski über Burnout im Fußball: „Das ist ein großes Problem“

Theaterindendant Zielinski über Burnout im Fußball: „Das ist ein großes Problem“

Burnout – ausgebrannt, erschöpft, völlig überlastet und mit der Vorstufe zur Depression. Darüber handelt das neue Stück „Aus der Traum!“ des Intendanten Jürgen Zielinski am Theater der Jungen Welt, das am Sonnabend Premiere feierte.

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Burnout im Fußball: Intendant Jürgen Zielinski vom Theater der Jungen Welt widmet sich dem Thema im neuen Stück "Aus der Traum!".

Quelle: Regina Katzer

Leizig. Der Regisseur und leidenschaftliche Borussia-Dortmund-Fan erzählt, warum er das Thema aufgegriffen hat und was er über das Burnout von Ralf Rangnick denkt.

Frage: Sind Sie zufrieden mit Ihrer Premiere?

Jürgen Zielinski: Sie müssen wissen, dass ich zu den Premierenneurotikern gehöre, die es vermeiden, eigene Premieren zu schauen. Das hat etwas mit Aberglaube zu tun. Diesmal war es aber anders. Ich habe einen Gast in den Saal geführt und dann doch zugeschaut.

Und es lief dennoch alles gut?

Ich denke schon. Obwohl es eine Uraufführung war und das Stück noch nie vorher ausprobiert wurde. Am Ende war ich etwas verblüfft, dass alles klappte.

Sie sprechen ein ernsthaftes Thema an: Das Burnout-Syndrom. Wer ist dafür anfällig?

Generell jeder. Vor allem Menschen in helfenden Berufen, wie beispielsweise Ärzte, sind betroffen. Es hängt oft davon ab, wie hoch die eigenen Ziele gesteckt sind. Das ist der Knackpunkt. Gerade nach einer Trennung und bei beruflichem Leistungsdruck kann ein Strudel entstehen, aus dem es nur schwer gelingt, wieder herauszugelangen. Dann kommt auch noch öffentlicher Druck hinzu. Wir sind heutzutage auf schnellen Erfolg programmiert, das ist ein großes Problem.

Ist Burnout immer noch ein Tabuthema?

Absolut. Outen kann sich keiner in unserer Gesellschaft. Sagen Sie das mal ihrem Arbeitgeber. Im Fußball ist Burnout genau so tabu wie Homosexualität. Die Folge ist, dass die Leute sehr viel Energie aufwenden, damit die Krankheit nicht erkannt wird. Sie bauen eine Art Schutzwand auf.

Dass diese Art der totalen Erschöpfung ein großes Thema im Fußball ist, zeigt der Rücktritt von Schalkes Trainer Ralf Rangnick. Schockiert?

Mich hat das sehr überrascht. Und auch gewundert und erschüttert. Da finde ich unser Stück ganz hilfreich, weil sich dadurch viele rückblickend Fragen stellen. Nach dem Misserfolg auf Schalke im vergangenen Jahr und nicht erfüllten Erwartungen kommt bei Ralf Rangnick die Erschöpfung zu einem Zeitpunkt, wo er eigentlich aufatmen könnte. Er hat anscheinend erst jetzt die Situation reflektiert.

Für Ihr Stück hat Sie der Fußballer Sebastian Deisler inspiriert. Was gab den Ausschlag dafür?

Ich hatte ein Interview mit ihm gelesen, wo mich eine Stelle besonders fasziniert hat. Er erzählte über eine Busfahrt mit der U21-Auswahl in Griechenland, als er von der schönen Landschaft und den Zitronenbäumen fasziniert war. Die anderen Spieler hatten dafür überhaupt keinen Sinn. Dann schaute er jedoch weg, um nicht aufzufallen. Das hat mich sehr angesprochen. Die Seite des Superheros Fußballspieler, dem man die andere, sensible Seite nicht zugesteht.

Würden Sie heutzutage mit einem Fußballer tauschen?

Wenn ich mich in die Spieler von heute hineinversetze, hätte ich schon ein Problem. Denn dem Druck ausgesetzt zu sein und mit einem Leistungsknick umzugehen, kann niemand lernen.

Dennoch erlegen sie sich selbst einen gewissen Druck auf?

Nicht nur auf mich. Auch auf die Mitarbeiter. Ich verlange ihnen teilweise erhebliche körperliche Belastung ab. Natürlich stelle ich mir auch die Frage, ob ich ihnen oder mir zu viel Druck mache. Vielleicht bin ich ja auch selbst mal daran vorbei geschabt.

Also sind auch Theaterregisseure nicht vor einem Burnout gefeit?

Nicht wirklich. Der Erfolgsdruck ist enorm. Bei uns im Beruf gibt es traditionell das sogenannte Premierenloch. Das sind zwei Phasen. Erst kommt die totale Erschöpfung. Danach auf der Premierenfeier oder am Tag danach reagieren wir Regisseure ängstlich auf Reaktionen. Wir wollen nicht hören, was gut und was schlecht war. Entweder wir sind entspannt oder reagieren sehr empfindlich. Um aus diesem Loch rauszukommen, muss ich runterfahren und abspannen.

Und das gelingt Ihnen wie?

Mein halbes Leben lang fahre ich in ein Haus nach Griechenland, wo ich abschalte und mich einfach mal zwinge, nichts zu tun. Ich sitze dann einfach auf einem Platz und beobachte das Meer und Himmel, wie sich beides im Licht verändert. In dem Moment ist es wichtig, dass ich die Menschen meide, mit denen ich sonst in Verbindung bin.

Mit ihrer Aufführung machen Sie das Thema öffentlich – was sollen die Zuschauer mitnehmen?

Ich will die Leute zum Fühlen und Nachdenken anregen. Ganz wichtig ist es, sich die richtigen Ziele zu stecken. Hoffnung und Freude am Leben erzeugen, ist immer meine Botschaft. Die Apokalypse kann ich mir auch im Fernsehen anschauen.

Annett Böhm

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