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Thomas Müller wäre neidisch: Neue Choreographie des Leipziger Tanztheaters

Premiere Thomas Müller wäre neidisch: Neue Choreographie des Leipziger Tanztheaters

Zwar hat die Premiere von „Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen?“ am Samstag im Leipziger Schauspiel nicht von der Nominierung des ewigen Lukas Podolski gehandelt. Aber unser Autor entdeckt trotzdem einige Parallelen zwischen der neuen Produktion des Leipziger Tanztheaters und der Fußball-EM.

Mehr Beine als bei einem Fußballspiel: LTT-Produktion „Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen?“ im Leipziger Schauspiel.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Da ja ein aktuelles sportliches Großereignis eh alles überstrahlt (beziehungsweise überschattet) – was liegt da näher, als für eine Rezension einige an den Haaren herbeigezogene Vergleiche aufzustellen und fachfremde Metaphern auszuleihen? Zumal ja Tanz und Theater auch im Ballsport eine große Rolle spielen: Sieht ein Zweikampf zwischen Stoßstürmer und Abwehrrecke in Zeitlupe nicht auch aus wie eine hypersensible Kontaktimprovisation? Und wer Theater – zugegeben Schmierentheater – sehen will, muss ja nur das Bodenturnen mit todeskampfgleicher Mimik nach einem vermeintlichen Foul betrachten. Oder einfach nur Cristiano Ronaldo beim Freistoß.

Von diesen unschönen Zerrbildern des Fußballs ist das Doppelstück des Leipziger Tanztheaters am Samstagabend im Schauspielhaus so weit entfernt wie Julian Weigl von Jogis Startelf. Die Premiere von „Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen?“ handelt dann auch nicht von der Nominierung des ewigen Lukas Podolski, sondern von zwei Gruppen, die durch eine imaginäre Grenze getrennt sind und durch die Hilfe des guten Geistes Hugo (doch eine Parallele zu Stimmungskanone Podolski!) zusammenfinden sollen. Die Gruppen setzen sich zusammen aus der Juniorcompany der Jüngeren, heißt: Die Spieler sind alle zwischen 6 und 13 Jahre alt. Unter der Regie von Brit Böttge kreieren die Kleinen Großes: Es wird gesprungen, gerobbt, auf Knien gerutscht – ein Tag der offenen Tür im Bereich Körpermotorik und Bewegungsfreude. Dabei wechseln besinnliche Momente, in denen die kleinen Künstler Stirn an Stirn stehen, mit dynamischen Tänzen auf rollenden Kästen. Die Performance wird mal getragen von märchenhafter Musik, mal von bedrohlich wirkenden technoiden Beatstaffagen.

Mehr Zauber als Ibrahimović

Auch das zweite Stück an diesem Abend verzaubert durch die Fülle an Eruptionen von Körperenergie – hinzu kommt bei Bettina Werners Wiederaufführung von „Ich bin. Aber ich habe mich noch nicht“ die transparente Kritik an einem klar umrissenen Thema: Der dunklen Seite der sozialen Medien wie Facebook und Co. Diesmal in Aktion: die „ältere“ Juniorcompany zwischen 14 und 18 Jahren. Die Jugendlichen verkörpern das Hin- und Hergerissen-Sein in der Schaffung einer eigenen Identität unter dem allmächtigen Einfluss von Stars, Medien und dem digitalen Echo aus den Netzwerken. Quasi auch eine Referenz an Mario Götze. Werner findet dafür viele starke Bilder wie das im Ärmel festgewachsene Smartphone oder den stetig brummenden (Kommentar?-) Drucker im Hintergrund.

Fazit und Spieltaganalyse: Der Doppelpack des Tanztheaters bietet mehr Zauber als Zlatan, stimmigere Melodien als David Guetta und noch vielfältigere Bewegungsabläufe als Thomas Müller. Auf ins Stadion in die Bosestraße!

Weitere Aufführung Sonntag, 17 Uhr, Schülervorstellungen Montag, 9.30 und 11 Uhr, im Schauspiel (Bosestraße 1)

Von Markus Gärtner

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