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Tragikomödie voll Poesie: "Das Konzert" von Radu Mihaileanu startet in den Kinos

Tragikomödie voll Poesie: "Das Konzert" von Radu Mihaileanu startet in den Kinos

Leipzig. In Frankreich war die Tragikomödie „Das Konzert" von Regisseur Radu Mihaileanu ein Kassenschlager. Mit einem Jahr Verspätung kommt der vielschichtige Film mit Mélanie Laurent („Inglourious Basterds") über einen russischen Dirigenten mit einer verrückten Idee nun auch in die deutschen Kinos.

Sie wollen im Kino mal wieder richtig lachen? Sich von menschlichen Schicksalen tief berühren lassen, wunderbare Musik hören und eine Menge über das postsowjetische Russland und die internationale Konzertszene erfahren? Das schafft kein Film auf einmal? Von wegen: Wenn der Regisseur Radu Mihaileanu heißt, ist das kein Problem. Mit seinem jüngsten Film „Das Konzert" ist dem rumänisch-französischen Künstler mit dem Gespür für außergewöhnliche Geschichten eine subtile und charmante Komödie mit Tiefgang gelungen; hochemotional, voll subversivem Witz und rasant inszeniert - Taschentücher nicht vergessen. In Frankreich war der Film, der seine Zuschauer nach 122 Minuten ein wenig glücklicher aus dem Kinosaal entlässt, ein Kassenschlager. Zwei Césars, das französische Pendant zum Oscar, heimste er für Musik und Ton ein. Und neben dem Russen Alexej Guskow, der in seiner Heimat ein Star ist, in der Rolle des Dirigenten Andrej Filipov glänzt als junge Violinistin Mélanie Laurent („Inglourious Basterds", „Keine Sorge, mir geht's gut").

Vom gefeierten Dirigenten zum Putzmann

Der Film erzählt von Täuschung und Verrat, von Schmerz, Sehnsucht und Wiedergutmachung. Im Zentrum steht die Geschichte Filipovs, der unter den Kommunisten vom gefeierten Dirigenten zum Putzmann degradiert wurde, weil er im weltweit bekannten Moskauer Bolschoi- Orchester jüdische Musiker spielen ließ. Während er das Intendantenzimmer aufräumt, trifft ein Fax ein: Die Pariser Oper lädt das Bolschoi-Orchester zu einem Gastspiel ein. Spontan steckt Filipov das Fax ein und kommt auf eine irrwitzige Idee: Er will das Orchester in seiner alten Besetzung wieder aufleben lassen und mit ihm anstelle des „richtigen" nach Frankreich reisen. Kein leicht zu verwirklichendes Projekt, denn die ehemaligen Musiker aus allen Ethnien Russlands schlagen sich mittlerweile als Möbelpacker, Handy- Verkäufer oder Taxifahrer durch. Für den Auftritt, der die jahrelangen Demütigungen vergessen machen soll, stellt Filipov eine Bedingung: Die junge französische Geigerin Anne-Marie Jacquet soll als Solistin bei der Aufführung von Tschaikowskys Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 spielen. Und was schier unmöglich scheint, wird am Ende nach zig schrägen Verwicklungen und Pannen Wirklichkeit - der wilde, anarchische Russentrupp, gespielt von einem wunderbar skurrilen Schauspielerensemble voll Lust an der Musik, vereint sich in harmonischem Einklang erneut zu einem Orchester.

Gekonnt am Kitsch vorbei

Der ganze Film voller Poesie, Schwermut, aber auch Lebensfreude präsentiert sich als ein Fest der Menschlichkeit, ist eine Hymne an die Musik und leuchtet selbst die Charaktere in den Nebenrollen bis in ihre Tiefen aus. Komik und Tragik verbindet Mihaileanu gekonnt mit Gesellschaftskritik. Er nimmt den Kommunismus auf die Schippe, spielt in wildem Sprachgemisch mit den Klischees der saufenden Russen und der überkultivierten Franzosen, überzeichnet voller Lust - so wie bei dem unglaublichen Hochzeitsgelage der neureichen Russen. Er verteilt kräftige Seitenhiebe an den internationalen Kulturbetrieb, wo Geld oft mehr zählt als die Kunst. Und er schrammt immer wieder knapp, aber gekonnt am Kitsch vorbei, besonders in dem fulminanten Finale mit dem Tschaikowsky-Stück (gespielt vom Budapester Symphonie Orchester), bei dem es um so große Themen wie Erlösung und Vergebung geht. Mihaileanu kennt die Gefühle seiner Protagonisten aus bitterer, Erfahrung: 1958 in Bukarest als Sohn jüdischer Eltern geboren, floh er 1980 aus der rumänischen Diktatur Ceausescus, lebte in Israel und ließ sich dann in Frankreich nieder. 1998 erzählte er in „Zug des Lebens" mit viel schwarzem Humor von osteuropäischen Juden, die im Zweiten Weltkrieg ihre eigene Deportation vortäuschen, um den Nazis zu entgehen. In dem Streifen „Geh und lebe" (2005) ging es um die Flucht eines äthiopischen Jungen mit gefälschter jüdischer Identität in ein besseres Leben nach Israel.

Brita Janssen, dpa

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